WORLD OF HORROR
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WORLD OF HORROR

Something strange is happening in our Town…

 

Wilkommen in der Stadt Shiokawa. Wir schreiben das Jahr 1984 und finden uns in dieser abgelegenen Kleinstadt an der Küste Japans wieder. Shiokawa und sein Umfeld ist schon seit einiger Zeit für eher ungewöhnliche Geschichten bekannt. Von den verfluchten Sekten in den umliegenden Wäldern bis zu der mörderischen Frauengestalt mit der Riesenschere, welche in den Schulräumen der Stadt ihr Unwesen treibt, ist alles mit von der Partie.

Keinesfalls unerwähnt bleiben sollte der verschlossene Leuchtturm an der Küste, welcher die Stadt in ein ungemütliches Licht taucht. Es ist mehr als offensichtlich, dass hier Übernatürliches am Werke ist. Aber hängt all das eventuell sogar zusammen? Um dies herauszufinden, gilt es den Mysterien auf den Grund zu gehen und dabei zu hoffen, nicht selbst den Elementen des Wahnsinns zu verfallen…

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Startet man WORLD OF HORROR, so tönt einem erst einmal ein simulierter Retro PC-Start samt lautem Piepton entgegen. Dieser Stil wird im Hauptmenü weitergeführt, da auch dieses mit einem eigenen Mauscursor und einer desktopesken 2bit-Oberfläche daherkommt. Aber in diesem Menü fällt ästhetisch vor allem etwas anderes auf – Das Spiel glänzt hier sowie im gesamten weiteren Spielverlauf mit einem schönen Mangastil.

Dabei orientiert sich das Spiel allem voran an dem Stil des Mangaka Junji Itō. Er gilt als einer der bekanntesten Horror Mangaka und als einer der beiden Haupt-Inspirationen für WORLD OF HORROR. Das andere große Vorbild, zu dem sich der Entwickler panstasz lautstark bekennt, ist der Erfinder des legendären Cthulhu-Mythos, H.P. Lovecraft.

Nicht umsonst bezeichnet sich das Spiel selbst als ein „1-bit love letter to Junji Ito and H.P. Lovecraft“. Es kombiniert die Elemente von Lovecrafts Cosmic Horrors perfekt mit dem Stil und der expliziten Darstellungen von Itōs Kunstwerken und stellt diese Kombination in einem schönen Retrostil dar.

Startet man ein neues Spiel, kann man entscheiden ob man in einem 1-Bit oder einem 2-Bit-Stil spielen möchte. Während erster nur aus einer einzigen Farbe und Outlines besteht, erhöht der zweite Stil die Palette demzufolge auf eine weitere Farbe, womit vor allem Tiefenverhältnisse und der eigene Perspektivwinkel besser dargestellt werden können. Außerdem ist es möglich, die dazu zu Grun­de lie­gende Farbe zu wählen, sodass jeder Run in WORLD OF HORROR in einem völlig anderem Anstrich erstrahlen kann.

Zu dem überaus eigensinnigen Stil gesellt sich eine wirklich passende Musik aus dem Chiptune-Bereich. Gerade in den Klimax-Situationen, wenn sich die gruseligen Highlights zuspitzen, dreht die Musik ordentlich auf und unterstützt die Atmosphäre merklich. So kommt es, dass diese Szenen einen wirklich starken Effekt auf den Spieler haben.

 

– Gameplay –

Wenn man sowieso schon Fan von den Werken von Junji Itō und/oder H.P. Lovecraft ist und mit dem Stil des Spieles etwas anfangen kann, sollte man an dieser Stelle schon gar nicht mehr weiterlesen, sondern sich das Spiel einfach zulegen. Ähnlich wie bei den Manga von Itō entfaltet sich WORLD OF HORROR am besten, wenn man gar nicht weiß, worauf man sich wirklich einlässt. Startet man das Spiel, kann man zwischen vier Möglichkeiten zum Spielstart mit wachsender Komplexität auswählen.

Die erste Möglichkeit beinhaltet das Mysterium „SPINE-CHILLING STORY OF SCHOOL SCISSORS“, welches sich auf die Schule als Location und dem dortigen übel, der Scissor Woman beschränkt. Dieser Modus ist wohl in erster Linie dazu gedacht, das Spiel selbst kennenzulernen, auch wenn er die meisten Spielelemente noch gar nicht beinhaltet und sich wirklich nur auf die Grundprinzipien beschränkt. Mehr als einmal lohnt sich dieser Modus keinesfalls, da das große Ganze einfach fehlt.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass das Tutorial des Kampfsystems, welches man zu Beginn eines Runs aktivieren kann, eher hinderlich als förderlich ist. Zum einen erklärt sich das Kampfsystem eigentlich ganz gut selbst und zum Anderen wird man durch das Tutorial im ersten Kampf, der im entsprechenden Run getriggert wird, zu einer Reihe von Aktionen gezwungen. Jenachdem wann der Kampf in dem Run stattfindet, sind einige der Aktionen jedoch unnötig und drücken dem Spieler einen Nachteil rein, dem er nicht entkommen kann, da er den einzelnen Schritten des Tutorials folgen muss.

Die zweite Möglichkeit „EXTRACURRICULAR ACTIVITY“ beinhaltet dagegen schon einen gesamten Spielverlauf. Die Details folgen später, aber das Gute an diesem Modus ist es, dass der Spielverlauf immer so aufgebaut ist, dass man zu Beginn noch nicht mit vielen Herausforderungen rechnen muss und sich die Schwierigkeit des Runs erst mit der Zeit steigert.

Ab der dritten Möglichkeit „QUICK PLAY“ geht der Spaß erst so richtig los. In diesem Modus sind Charakter, die antike Gottheit, die Hintergrundgeschichte und alles weitere komplett zufällig generiert. Je nach Kombination kann man also direkt zu Beginn schon ordentliche Probleme haben oder ist gezwungen, gewisse Risiken einzugehen, um sich ein zuverlässigeres Lategame sicherzustellen.

Die vierte Möglichkeit trägt keinen Namen, ist aber im Grunde der dritte Modus, nur dass man sich den Run komplett selbst konfigurieren kann. Hier wählt man sich zuerst den Seed, der dem Aufbau der Welt und dem Ablauf der Geschichte zugrunde liegt. Als nächstes wählt man sich seinen Charakter. Jeder Charakter trägt in einem Attribut ein Bonus sowie in einem anderen ein Malus. Außerdem startet jeder mit einer Besonderheit. Diese kann entweder ein bestimmter Gegenstand, ein Begleiter oder ein passiver Bonus sein.

Anschließend ist noch der Spielmodus zu wählen. Hier steht entweder der Classic Modus zur Auswahl – In diesem gilt es fünf Mysterien zu lösen, um anschließend die antike Gottheit des Runs aus Shiokawa vertreiben zu können. Zu diesen Mysterien gehört unter Anderem auch die Geschichte mit der Scissor Women aus der ersten Entscheidungsmöglichkeit. Der andere Spielmodus, den man auswählen kann, ist der Endless Mode, in dem es einfach nur darum geht, so viele Events wie möglich am Stück zu überleben. Außerdem folgt wohl irgendwann noch ein Scenario Mode, welcher kurze eingebettete Abenteuer in dem Run bietet. Aktuell ist dieser Modus aber noch nicht verfügbar.

Mit Ausnahme der allerersten Möglichkeit und des Endless Mode ist der Ablauf eines Runs also immer gleich. Es gilt die fünf Mysterien zu lösen, um damit den Zugang zur antiken Gottheit zu gelangen, welche die Stadt in den Wahnsinn gestürzt hat. Auch wenn es nur eine bestimmte Anzahl an Gottheiten und Mysterien gibt, so können sich Runs – vor allem nach den letzten beiden Spielmöglichkeiten – stark voneinander unterscheiden.

Denn auch die Events, also die einzelnen Szenen sind zwar ortsgebunden, aber absolut zufällig angeordnet. Ob oder wann sie stattfinden, hängt stark davon ab wie oft der Spieler den entsprechenden Ort besucht. Außerdem lassen sich diese Events meist durch mehrere Möglichkeiten lösen, wobei abweichende Lösungswege oft einen bestimmten Begleiter oder einen Skill voraussetzen, sodass es auch immer ein gutes Stück mit Glück zu tun hat, ab wann man auf was zugreifen kann. Den Wiederspielwert erhöht es aber definitiv dennoch.

Um in dem Spiel wirklich navigieren zu können, muss man ein Mysterium aktuell ausgewählt haben. Ansonsten ist es dem Spieler nur möglich, auf sein Haus oder den mysteriösen Leuchtturm der Stadt zuzugreifen. Die Mysterien lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien aufteilen. Es gibt jene, die in Shiokawa selbst spielen und es gibt einige Mysterien, welche einen eigenen Standort, wie beispielsweise ein kleines Dorf im Wald, haben. Versucht man eines von diesen zu lösen, ist man auf die Möglichkeiten des Standorts beschränkt.

Verfolgt man jedoch ein Mysterium in der Stadt selbst, so kann man frei in der gesamten Stadt navigieren. Dazu gehören 10 Locations, welche oft noch weitere kleine Orte wie Läden oder die lokale Polizeistation zur Auswahl geben. Untersucht man eine der Locations, startet man zufällig einen der dortigen Events. Events können sowohl keine Interaktionsmöglichkeit, sowie die bereits angesprochenen verschiedenen Lösungen auf Skill- oder Begleiterbasis bis hin zu Kämpfen beinhalten.

Das Kampfsystem von WORLD OF HORROR ist ein klassisches Rundenkampfsystem wie man es beispielsweise auch aus JRPGs oder anderen ähnlichen Genres kennt. In diesem Spiel hat der Spieler eine kleine Zeitleiste, welche er beliebig mit seinen Fähigkeiten füllen kann. Jede Waffe, jeder Zauber und jedes Item hat dabei einen eigenen Zeitwert und benötigt jenachdem mehr oder weniger Platz auf der Zeitleiste.

Bei einigen Skills spielt auch die Reihenfolge eine wichtige Rolle, beispielsweise der Vorbereitungs-Skill, welcher den folgenden Angriff in der Zeitleiste definitiv treffen lässt. Ist seine Zeitleiste voll, muss er seine Runde beenden und seine ausgewählten Aktionen werden in entsprechender Reihenfolge abgespielt. Anschließend folgt die Runde des Gegners. So kommen definitiv auch kleine taktische Kombos zustande, auch wenn der Anspruch in diesem Bereich natürlich keinesfalls der eines taktischen RPGs oder ähnlichem in Konkurrenz steht.

Die Werte auf die sich hierbei bezogen werden, sind die klassischen Attribute wie man sie auch aus vielen anderen Spielen kennt. Erwähnenswert ist jedoch der Reason-Wert. Dieser ist neben der Stamina, den klassischen Lebenspunkten, eine zweite lebensnotwendige Variable. Reason bildet die geistige Gesundheit ab und sinkt diese oder Stamina auf null, ist das Spiel verloren.

Die wechselnden antiken Götter, Mysterien und Events sowie die angesprochenen Zauber, bleibende Verletzungen, Flüche oder Begleiter und viele weitere Variablen bilden eine solche Dynamik, dass es wirklich eine hohe Anzahl an Runs braucht, bis WORLD OF HORROR beginnt, sich repetitiv anzufühlen.

 


 

– Besonderheiten –

Eines der Elemente, welches WORLD OF HORROR ausmacht, ist die einzigartige Darstellung des Cosmic Horrors. Gerade der Manga-Stil von Junji Itō ist explizit genug und lässt gleichzeitig genug Details für die Fantasie offen, sodass sich diese Bilder im Kopf vervollständigen. Es ist ja auch kein Zufall, dass dieser Stil bereits in Buchform äußerst erfolgreich ist. In Kombination mit Horrorgestalten ähnlich zu denen aus H.P. Lovecrafts Feder macht dies die einmalige Gruselerfahrung des Spieles aus.

Außerdem punktet das Spiel mit einem anpassbaren 2-Bit-Retrostil, da es dem Spieler zusätzlich die Möglichkeit bietet, sein Farbschema für jeden Run selbst zu wählen und das Spiel und dessen Bilder jedes Mal in einem neuen Licht zu erleben. Neben der Abwechslung im Ablauf des Gameplays ist auch dies ein weiterer Filter, der das Spiel davor rettet, zu schnell eintönig zu werden.

 


 

– Support –

WORLD OF HORROR ist ein Spiel, welches dank dem Indie-Publisher ysbryd games sein großes Release feiern durfte. Sie sind unter anderem auch für die Veröffentlichung von Spielen wie Masquerada: Songs and Shadows oder VA-11 HALL-A verantwortlich. Sie haben sich dem Support solcher kleinen Indie-Entwickler wie panstasz verschrieben und helfen ihnen, ihre Spiele auf verschiedenen Plattformen zu releasen.

Weitere Details lassen sich auf der eigenen Homepage finden. Außerdem bietet der Entwickler dort eine kostenfreie Demo an, welche für diejenigen interessant sein könnte, die sich noch nicht sicher sind, ob WORLD OF HORROR ein Spiel für sie ist. Wer weiterhin über Updates und andere Neuigkeiten zum Spiel informiert werden möchte, dem empfehle ich den offiziellen Twitter-Account des Entwicklers oder den dazugehörigen Discord-Server.

 

– Fazit –

Für bekennende Fans des Mangaka Junji Ito oder des Autors und Erfinder des Cthulhu-Mythos H.P. Lovecraft ist WORLD OF HORROR definitiv ein Muss! In der Abbildung und Kombination dieser beiden Kunststile des Horrorgenres ist das Spiel einzigartig und lädt in eine authentische und atmosphärische Welt ein. Auch Retro-Fans kommen bei diesem Spiel definitiv auf ihre Kosten, denn es bietet einen wirklich schönen 1-Bit- beziehungsweise 2-Bit-Stil und lässt dem Spieler auch noch einige Freiheiten in der Gestaltung von diesem.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in der Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Die Atmosphäre, die Geschichten, der Grafikstil und das Setting sind die großen Stärken des Spieles. Wer jedoch weder etwas mit den ehrwürdigen Vorbildern anfangen kann noch großer Retro-Fan ist und sich WORLD OF HORROR einzig und alleine wegen dem Gameplay zulegen möchte, könnte enttäuscht werden, falls er im Laufe des Spieles nicht von dem Setting gehooked wird. Das Gameplay ist zwar solide, bietet aber weder in dem Kampfsystem noch in den anderen Events die nötige Tiefe, um als alleiniges Element überzeugen zu können.

So oder so ist WORLD OF HORROR aber definitiv eine einzigartige Erfahrung innerhalb des Horror-Genres und bleibt seinem Namen definitiv treu. Der Entwickler panstasz hat hier die besten Stilelemente seiner größten Vorbilder vereint und damit ein einzigartiges Kunstwerk erschaffen.

 


 

 


 

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Über Chesra

Schon in sehr jungen Jahren begann ich mich nicht nur für Videospiele, sondern auch der Kunst und Wissenschaft hinter diesen zu interessieren. An meinem ersten eigenen Spiel begann ich im Alter von 8 Jahren zu arbeiten und richte seitdem meine Hobbys und meine berufliche Zukunft nach dieser Richtung. Auch wenn ich in den Jahren seitdem schon sehr viel dazu gelernt habe, bin ich immer noch wie am ersten Tage an jedem neuen Spielkonzept interessiert und liebe es noch immer in ein völlig neues Spiel einzutauchen!

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