Wildermyth
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Rating: 3.0/5 (1 vote cast)

Wildermyth

Erschaffe Deinen ganz eigenen wilden Mythos

 

Ein digitales Tabletop-Spiel. Auf dem ersten Blick nichts Besonderes. Erweitern wir das Ganze um eine Rollenspiel-Komponente à la Das schwarze Auge oder Dungeons and Dragons, sieht die Sache schon etwas anders aus. Dynamisches Storytelling und drei anfangs unscheinbare Helden sorgen dafür, dass Du Deinen ganz eigenen Mythos erschaffen kannst und Deine eigene Geschichte erzählst. Klingt unmöglich für ein simples Tabletop-Game? Genau deswegen ist es ja auch digital und bietet somit Vorteile, die Du in einem analogen Brettspiel niemals erwartet hättest.

Wildermyth ist ein sogenanntes Charakter-getriebenes, prozedural-generiertes Taktik-Rollenspiel. Zumindest benennen die Entwickler ihr Werk auf diese Weise. Es soll außerdem dabei helfen, Deine wildesten Geschichten zu erzählen. Daher stammt wahrscheinlich auch der Name des Spieles: Wildermyth. In Form eines Brettspieles oder genauer gesagt, eines Tabletop-Rollenspiels haben wir die einzigartige Chance, eine Gruppe aus drei Freunden durch ihre Geschichten hindurch zu begleiten. Dabei hat jede getroffene Entscheidung natürlich Konsequenzen auf den Fortgang der Geschichte.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Wildermyth präsentiert sich auf unterschiedliche Weise. Das liegt vor allem daran, dass es verschiedene Phasen im Spiel gibt, die entsprechend auf andere Art und Weise dargestellt werden. Im Großen und Ganzen zieht sich allerdings ein klassisch-malerischer Look durch das Spiel. Alles wirkt, als wäre es per Hand gezeichnet und lässt einen gewissen Fantasy-RPG Pen & Paper-Look erkennen. Verträumt-romantisch, düster-bedrückend oder auch vertraut-wärmend findet die Farbgebung im Spiel seine passenden Töne. Darüber legt sich ein leicht bräunlich-sandiger Ton, der die Grund-Atmosphäre nicht zu sehr erstrahlen lässt.

Was beim Lesen vielleicht viel zu sehr aufgetragen oder geschwollen wirkt, stellt sich im Spiel selbst allerdings tatsächlich so dar. Landkarten, Charakterbögen oder ähnliche Darstellungen wirken so, als seien sie einem Pen & Paper-Regelwerk oder einem Tabletop-RPG entsprungen. Im Spiel selbst, trifft man immer wieder auf dieses Design. Insgesamt bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür, wie Tabletop-Spiele funktionieren und vor allem aussehen. In der Kampf-Phase werden sowohl die Helden als auch die Monster als „Aufsteller“ dargestellt, die sich, wie man es von Brettspielen kennt, von Feld zu Feld bewegen. Sehr analog.

Im Gegensatz dazu werden unsere Helden zwischen den einzelnen Phasen lediglich als Spielmarken auf einer Landkarte repräsentiert. Das erinnert ein wenig an Risiko, erhält aber nach wie vor den „alten“ Charme der Fantasy-Geschichte, die sich durch das Spiel zieht. Doch auch auf der Landkarte zeigt sich der sogenannte Fog of War als schöne umzeichnete Vernebelung der noch unbekannten Gebiete.

Zwischen Spielmarke und „Pappaufsteller“ gesellt sich eine Bildergeschichte, die nicht nur einen handgemalten Eindruck vermittelt, sondern auch jede Änderung an den Spielcharakteren berücksichtigt. Hat jemand einen Stirnreif bekommen, wird dieser dargestellt, ändert sich die Rüstung, wird dies ebenfalls berücksichtigt. Die dynamische Anpassung der Bildergeschichte, die quasi den Rahmen um das Spiel bildet ist recht beeindruckend und vielfältig. Gleiches gilt für die Spielfiguren im Kampf-Modus.

Der Sound im Spiel ist angemessen. Es gibt auf der Landkarte einen eigenen Track, im Kampf-Modus eine eigene Melodie und sogar ein Victory-Thema, das nach einer erfolgreichen Schlacht ertönt. Selbstverständlich hat auch Wildermyth ein Titel-Thema, doch dies fügt sich eher in die restlichen Melodien, als stark herauszustechen. Woran liegt das? Das Spiel nutzt malerische Hintergrundmelodien, die sich nur durch den markanten Einsatz von Celli oder Violinen auszeichnen. Diese sind in jeder Melodie präsent und fallen sofort auf. Da ausser ihnen allerdings nicht viel hinzu kommt und die Melodien dadurch sehr getragen wirken, bleibt ein eindeutiges Erkennungsmerkmal zwischen den einzelnen Stücken fast aus.

Generell ist die Soundkulisse relativ spärlich. Allerdings ist dies kein Manko. Schließlich darf man nicht vergessen, dass es sich hier nach wie vor um ein Tabletop-Game handelt. Das Aufsetzen der Figuren, das Öffnen einer Tür oder auch das Schießen diverser Geschosse haben durchaus einen eigene Sound. Ebenso haben Gegner oder Flammen, auch wenn sie nur als Spielfiguren repräsentiert werden, einen eigenen Sound. Das muss man in einem normalen Brettspiel erstmal nachmachen.

Cut-Scenes in dem Sinne, wie man es vielleicht von aktuellen AAA-Games erwartet, gibt es in Wildermyth nicht. Dafür ist das Spiel auch viel zu dynamisch. Da jede Handlung quasi einer eigenen Entscheidung voraus geht, ist es auch nicht möglich derlei viele Zwischensequenzen vorzuhalten. Allerdings möchte Wildermyth dies auch nicht. Cut-Scenes gibt es in Form von Bildern, die mit Sprechblasen und Erzähler-Textboxen versehen sind und somit die Geschichte voran treiben. Dies fügt sich auch sehr schön in das Ambiente des restlichen Spieles.

 

– Gameplay –

Das Gameplay von Wildermyth spaltet sich in drei verschiedene Abschnitte, die sich allerdings gegenseitig beeinflussen. Zum Einen gibt es das Element Storytelling, gefolgt von den Reisen auf der Landkarte, unterbrochen von Kämpfen. Jeder Abschnitt hat seine Berechtigung und ergänzt eines der anderen Elemente. Das Storytelling bildet den gesamten Rahmen. Sie erzählt die Geschichte und treibt das Spiel voran.

Durch unterschiedliche Entscheidungen während der Erzählung ändern sich aber nicht nur die Quests. So kann es beispielsweise sein, dass sich Beziehungen untereinander ändern, die eventuell dazu führen können, dass das Kind einer Partnerschaft sich später der Gruppe anschliesst. Genauso gut kann man während der Erzählung auch ein magisches Artefakt finden, dass den Zustand eines Helden dauerhaft verändert und andere Kampfwerte beschert. In Wildermyth ist vieles möglich.

Auf der Landkarte erhält man, je nach Quest, neue zu erreichende Ziele. Diese lassen sich oftmals nicht direkt bereisen und führen durch andere Gebiete, die zuvor via Scouting entdeckt werden müssen. Die Karte bietet viele Möglichkeiten und kennt fast nur eine Währung: Zeit. Diese läuft natürlich ab, um die aktuelle Quest zu bestreiten. Allerdings benötigen Reisen, Akquise, oder Absicherung einige Tage. Also erfordert dies taktische Planung. Je mehr Mitglieder an einem Ort sind, desto schneller kann man etwas erledigen. Man könnte aber auch in der Zeit mit einer Person ein nächstes Gebiet freilegen. Wenn diese dann allerdings auf Gegner trifft, muss sie dort dann alleine kämpfen.

Der Kampf findet klassisch auf einem Tabletop-Feld statt und ist rundenbasiert. Je nach Geschwindigkeit wird erst eine Spielfigur auf dem digitalen Brett bewegt und dann wird angegriffen. Wie es sich für ein Tabletop gehört, gibt es je nach Umgebung Gegenstände, hinter denen man in Deckung gehen kann, um den kommenden Schaden zu verringern. Gekämpft wird, bis eine Gruppe gewonnen hat. Im besten Fall sind wir dies und erhalten neue Gegenstände und Erfahrungspunkte, sowie neue Fähigkeiten sofern die Erfahrung weit genug voran geschritten ist. Oftmals werden auch die Gegner stärker damit es nicht zu einer imbalance kommt.

Sollte es während eines Kampfes dazu kommen, das ein Mitglied der eigenen Gruppe stirbt, ist das Spiel keineswegs verloren. Die Geschichte läuft weiter, allerdings in anderem Rahmen. Nun gehen nur noch zwei Leute dem Abenteuer nach und so oder so ähnlich wird dies auch erzählt. Vielleicht bekommt man die Möglichkeit, in einem geretteten Dorf nach Unterstützung zu fragen und erhält ein neues Mitglied in der Abenteuergruppe. Auch dies ist nicht unmöglich in Wildermyth.

 


 

– Besonderheiten –

Wildermyth ist nicht nur ein einfaches Tabletop-Spiel. Die Landkarte, auf der sich die Figuren bewegen, wird prozedual generiert und ist somit bei jedem neuen Start anders. Durch die individuelle Entscheidung im Storytelling, kann sich jeder Charakter anders Entwickeln. Doch das wohl interessanteste in Wildermyth bleibt das Altern der Charaktere.

Sei es pro Kapitel oder pro neuer Erzählung, die Charaktere werden älter. Dies wirkt sich nicht nur auf die Stats aus, sondern sie verändern sich auch optisch. Wenn die Charaktere ein bestimmtes Alter erreicht haben, ziehen sie nicht mehr in ein Abenteuer. Wenn man sich mit einigen Leuten gut gestellt hat, hat ein Charakter sogar eine Familie und dann zieht die Tochter oder der Sohn für unseren Charakter los.

Manche Kapitel im Spiel setzen sogar sogenannte Legacy Heroes voraus, damit man diese überhaupt spielen kann. Somit ist Wildermyth quasi Generationen-übergreifend. Dadurch ist man der gespielten Geschichte näher und bekommt eine gewisse „was habe ich mit euch schon alles erlebt“-Stimmung. Dafür, das es eigentlich „nur“ ein digitales Tabletop-Spiel ist, bietet es erstaunlich viel.

Eine weitere Besonderheit ist, dass sich die Figuren optisch ihren Umständen anpassen. Dabei handelt es sich nicht nur um Ringe, Mäntel, Stäbe oder Rüstungen. Zum Einen kann man an Hand der Figuren auch sehen, das und wie sie gealtert sind, zum Anderen sieht man auch Veränderungen, wie beispielsweise Artefakte an Körperteilen, wie zum Beispiel einen Feuerarm oder ein Eis-Auge.

Die Entwickler von Wildermyth zeigen sich sehr Community-freundlich. Sie bringen von sich aus im Spiel gleich alles mit, was das Modding-Herz begehrt. So können im Spiel direkt eigene Geschichten zusammengebastelt werden und bestenfalls kann man sie im Steam Workshop mit anderen Leuten teilen.

 


 

– Support –

Worldwalker Games brauchen sich vor ihrem Support überhaupt nicht zu verstecken. Es gibt immer wieder Patches oder Updates, die nicht lange auf sich warten lassen. Erstaunlich ist hierbei ganz häufig der Changelog, in dem aufgelistet ist, was sich alles im Vergleich zur letzten Version getan hat. Da handelt es sich nicht um zwei, drei oder vier Dinge sondern eher zum zwölf oder mehr Punkte. Wenn man das auf die Releasezeiten von ca. zwei Wochen sieht, ist das schon eine beachtliche Leistung.

Doch auch die Community ist sehr aktiv. Die Entwickler sind im ständigen Austausch via Discord mit ihr. Dazu kommen im Steam Community-Hub FAQs, Anleitungen zu bspw. How to create your own story usw. Man bekommt das Gefühl, dass Wildermyth wirklich eine Herzensangelegenheit der Entwickler ist.

 

– Fazit –

Wildermyth ist ein digitales Tabletop-RPG mit Taktik-Elementen und dynamischen Storytelling. Alle Elemente sind miteinander verzahnt und bilden so eine großartige Möglichkeit, aus einer kleinen, beginnenden Geschichte einen individuellen riesigen Mythos zu erschaffen. Durch das Altern der anfangs noch jungen Abenteurer, kann sich die ganz eigene Geschichte sogar über mehrere Generationen hinweg erstrecken und somit noch tiefer und komplexer werden. Durch die optische Anpassung der Spielfiguren im Laufe der Geschichte, bietet Wildermyth eine Möglichkeit, wie sie nur in einer digitalen Version eines Tabletop-Games genutzt werden kann.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung“ klicken. Wahnsinn!

Die malerische Grafik sorgt für das Fantasy-Ambiente, dass uns in eine wundervolle Welt voller Geschichten entführt und jede Geschichte neu erleben lässt. Wildermyth ist für jeden etwas, der schon immer eine Geschichte zu seinen Tabletop-Figuren erzählen wollte. Jetzt hast Du die Möglichkeit, das Schicksal Deiner Figuren in die eigene Hand zu nehmen und die beste Geschichte zu erzählen, die Du je erleben wolltest.

 


 

 


 

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Über LeKris

Anfang der 80er entsprungen, ist meine erste Konsole ein ATARI 2600 gewesen. Erste Gehversuche am PC waren an einem 386 Geh-zu-Fuß mit Dampfantrieb, ohne Soundkarte. Dort spielte ich Diskettenspiele und Point and Click Adventures wie Monkey Island. Seitdem ziehen sich Pixel-look und Storytelling durch meine Gaming-History. Ich bin aber auch in anderen Genres zu Hause und erfreue mich besonders an Indie-Titeln, die alles ein wenig anders machen, als man es vielleicht erwartet.

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