The Lighthouse
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The Lighthouse

Traumberuf: Leuchtturmwärter

 

Es könnte kaum schöner sein: Ein Trip zu einem rustikalen Leuchtturm, umschlungen von haushohen, eiskalten Wellen, welche das tosende Meer an die Küste drückt. Der wundervolle Ausblick auf den nicht enden wollenden Horizont und ein Anflug von Seefahrer-Romantik. Traumhaft, oder? Doch die Entwickler von Shadow Knights Studio haben da noch ein Wort mitzureden und stellen dem Leuchtturm ein altes Anwesen zur Seite.

Schon sehr bald nach unserer Ankunft werden wir merken, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht. Ein spannender Mix aus Detektiv-Abenteuer und Horror-Trip steht uns bevor – und lässt uns auch so schnell nicht mehr los. Für wen The Lighthouse ein Blick wert ist, lest ihr in meiner schaurig-schönen Review.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

In The Lighthouse erwartet uns eine Spielwelt inmitten der 1960er Jahre, der Zeit von alten Transistorradios, den Beatles, Filmen wie Winnetou und Easy Rider oder auch dem weltberühmten Woodstock-Festival. Diesen Abschnitt der Weltgeschichte setzen die Entwickler grafisch sehr gut um. Gerade zu Beginn fühlt man sich schnell, wie in einem alten Schwarzweiß-Krimi, nur eben mit deutlich mehr Farbe.

Das klobige, rote Telefon auf dem Schreibtisch, direkt daneben eine Schachtel Zigaretten und Fallakten überall im Büro verstreut. Recht bald wird das heimelige Büro allerdings gegen eine sehr viel düstere Umgebung getauscht, nämlich eine alte Villa nebst Leuchtturm. Auch hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Grafisch erlaubt sich The Lighthouse kaum Schnitzer. Die allgemeine Grafikqualität ist durchweg sehr gut. Schatten- und Lichtspiele tragen immens zur Atmosphäre bei. Daumen hoch.

Kommen wir zur musikalischen Begleitung und dem Sound. Shadow Knights Studio überlässt hier nichts dem Zufall und liefert einen lizenzierten Soundtrack von Mimi Page ab. Die US-amerikanische Sängerin und Songschreiberin ist vor allem für ihre klaviergetriebenen, atmosphärischen Klanglandschaften bekannt. Und davon wird im Spiel viel Gebrauch gemacht.

Persönlich gefällt mir diese Art der musikalischen Untermalung sehr gut und zweifellos passt diese perfekt zu einem Horror-Spiel, noch dazu, wenn es größtenteils in einer heruntergekommenen Villa spielt. Auch bei der allgemeinen Geräuschkulisse stellen sich einem des Öfteren die Nackenhaare auf. Sei es das Knarzen von alten Holzdielen oder die typischen Geräusche in Küstennähe, wenn Wellen auf die Felsen in der Brandung stoßen. Ganz großes Kompliment an die Entwickler und Sound-Designer.

Eine Sache, die mir persönlich eher weniger gefallen hat, waren die teils sehr behäbig und langsam anmutenden Animationen. Diese fühlten sich irgendwie oft nicht wirklich gut an. Weiterhin muss ich bemängeln, dass man derzeit im Spiel (noch?) keinen eigenen Körper besitzt. Wenn man also an sich selbst herunter oder auch in einen Spiegel schaut, so wird man nichts sehen. Das finde ich sehr schade, da ein solch recht einfaches Stilmittel sehr dazu beiträgt, dass ein Spiel sich allgemein runder anfühlt.

Alles in allem, lief das Spiel aber von Anfang bis Ende (des aktuellen Contents) ohne Probleme. Ich habe die Grafikeinstellungen bis auf das Maximum hochgeschraubt und hatte in keiner Szene des Spiels FPS-Einbrüche. Auch Bugs sind mir bei meinem Durchlauf nicht untergekommen. Merkwürdig war nur, dass der Druck auf F12 bei mir nicht nur zu einem Steam-Screenshot führte, sondern auch ein merkwürdiges Overlay auf den Bildschirm zauberte, welches bei erneutem Druck auf F12 aber wieder verschwand.

 

– Gameplay –

Als ich meinen Test für The Lighthouse begann, ging ich davon aus, dass dies vor allem eine Art Detektiv-Spiel werden würde. Ja, ich muss gestehen, dass mir der Horror-Tag auf der Steam-Seite völlig entglitten war. Entsprechend überrascht wurde ich dann, als es plötzlich sehr viel düsterer wurde. Aber beginnen wir von ganz vorne. Nach einem kleinen Intro wirkte es tatsächlich erst einmal so, als würde ich hier auf ein Detektiv-Abenteuer gehen. Ich bekam den Auftrag ein verschwundenes Mädchen aufzuspüren. So weit, so gut, dachte ich mir also.

Kurz darauf brach ich auf, zu dem Ort an dem das Mädchen zuletzt gesehen wurde. Dort angekommen, erwartete mich ein majestätischer Leuchtturm, welcher direkt an einer alten, baufällig wirkenden Villa steht. Mein Fahrer blieb noch ein wenig im Auto sitzen, damit die Scheinwerfer mir den langen Weg zum Eingang erhellen konnten. Dann erlosch das Licht und ich war auf mich allein gestellt. Die Reise ins Unbekannte konnte also beginnen.

Bezogen auf den allgemeinen Spielablauf, setzt das Spiel auf die Erkundung wie in einem „Walking-Simulator“, gemixt mit den Schockeffekten und psychedelischen Trips eines Layers of Fear (ebenfalls von uns getestet). Dazu gesellen sich zwei weitere Gameplay-Aspekte. Auf der einen Seite gibt es eine Art Crafting-System, bei dem sich aber erst noch zeigen muss, wie sinnvoll es im fertigen Spiel integriert werden kann, auf der anderen Seite gibt es natürlich auch die obligatorischen Rätsel. Dieser Mix an Spielelementen fühlte sich in meinem Test sehr abwechslungsreich an. Keiner der Aspekte wurde zu sehr strapaziert.

Schauen wir uns also die einzelnen Aspekte kurz etwas genauer an. Das Erkunden fällt recht klassisch aus. Hier und da gibt es ein paar störende unsichtbare Wände zur Abgrenzung der Spielwelt, was sich aber wohl auch nicht hunderprozentig vermeiden lässt. Ansonsten ist das genaue Untersuchen der Umgebung natürlich der Schlüssel, um alle wichtigen Gegenstände und Objekte zu finden. Ich vermute, dass sich das Umsehen mit der weiteren Entwicklung des Spiels noch mehr lohnen wird, wenn zusätzliche Interaktionsobjekte ins Spiel integriert werden. Das Interessanteste, was es derzeit zu finden gab, waren diverse Dokumente.

Das Crafting-System erschien mir bisher das schwächste Element im Gameplay zu sein. Es wurde zwar als „Crafting“ beschrieben, aber am Ende wirkte es eher wie das übliche Menü, in dem eben Gegenstände miteinander kombiniert werden müssen, um die Geschichte voranzutreiben. Etwas, wie beispielsweise Verbandszeug oder dergleichen, konnte man bisher nicht herstellen. Wer weiß, womöglich wird das später noch umgesetzt. Vielleicht verkommt es am Ende aber auch nur zu einem normalen Inventar zum Kombinieren.

Kommen wir zum wohl wichtigsten Punkt in einem Horrorspiel und das ist der Horror-Faktor. The Lighthouse vereint hier sowohl eine unheimlich, schaurige Atmosphäre, welche vor allem von dem ominösen Leuchtturm ausgeht, als auch die im Genre üblichen Jumpscares (Schockmomente). Letztere kommen aber nicht übermäßig an jeder Ecke vor, sondern wurden für meinen Geschmack gut positioniert und waren deshalb mitunter durchaus unerwartet und nicht etwa störend. Auch hier sei noch einmal die extrem gute Sound-Gestaltung erwähnt, welche den Horror sehr gut transportiert. Freunde des gepflegten Gruselns werden hier also gut bedient.

 


 

– Besonderheiten –

Ich möchte an dieser Stelle noch anmerken, dass ich normalerweise keine Singleplayer-Horror-Spiele zocke. Dafür bin ich meist einfach ein zu großer Angsthase, vor allem, wenn diese auch noch aus der Ego-Perspektive gespielt werden. The Lighthouse hat mich das eine oder andere Mal richtig gut zusammenzucken lassen, aber ich fühlte mich insgesamt nicht derart gestresst, dass ich hätte aufhören wollen. Nach einem Schocker, fuhr das Spiel stets das Tempo kurzzeitig auch wieder herunter, damit ich mich als Spieler sammeln konnte. Somit ist es unter Umständen auch für weniger abgebrühte Spieler geeignet.

 


 

– Support –

Derzeit bietet das Spiel einen Prolog, sowie die ersten beiden Story-Akte. Laut Steam-Seite, sollen noch 3 weitere Akte und ein Epilog hinzukommen, damit es am Ende insgesamt 7 Akte werden. Auch weiterer Content wird nicht ausgeschlossen, basierend auf dem Feedback der Community. Während der Entwicklung sollen ebenfalls weitere interaktive Objekte für alle Akte, mehr Zwischensequenzen und Achivements (Erfolge), sowie weitere Sprachen im Spiel hinzugefügt werden.

Aktuell gibt es ausschließlich eine englische Sprachausgabe sowie die dazugehörigen Untertitel, an beidem habe ich nichts auszusetzen – im Gegenteil – die englischen Sprecher haben mir bisher sehr gut gefallen. Eine Option zur Sprachauswahl für die Untertitel ist zwar bereits jetzt vorhanden, diese bewirkt derzeit aber noch nichts, lässt aber erahnen, welche Sprachen noch hinzugefügt werden sollen – Spoiler: Deutsch wird offenbar auch dabei sein.

Ich möchte an dieser Stelle auch noch kurz erwähnen, dass die Entwickler parallel an einer VR-Version des Spiels arbeiten. Diese scheint allerdings nicht 1:1 das selbe Spiel wiederzuspiegeln. Stattdessen setzt man dort ein „Escape-Room“-Prinzip um. Ob es das normale Spiel ebenfalls irgendwann in VR geben wird, kann man derzeit wohl noch nicht sagen.

 

– Fazit –

Mich persönlich hat The Lighthouse sehr positiv überrascht und das obwohl ich etwas ganz anderes erwartet hatte. Die Präsentation des Spiels hinterlässt insgesamt einen runden Eindruck, auch wenn hier und da noch etwas Feinschliff notwendig ist. Die grafische Gestaltung, Licht- und Schattenspiele, sowie die musikalische Untermalung zusammen mit dem lizenzierten Soundtrack lassen kaum eine Beanstandung zu.

Wohin die Geschichte uns am Ende führen wird, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nicht wirklich sagen. Der Prolog und die ersten beiden Akte lassen aber bereits einige Spekulationen zu und ich bin wirklich gespannt zu sehen, wohin die Reise gehen wird und was es mit dem mysteriösen und namensgebenden Leuchtturm auf sich hat. Die Entwickler von Shadow Knights Studio beweisen bisher jedenfalls ein gutes Händchen für eine interessante Horror-Story und diese hat das Potenzial mit den späteren Kapitel noch deutlich ausgebaut zu werden.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Beim Kauf muss einem aber auch bewusst sein, dass man derzeit für etwas über 20€ nur sehr begrenzt Content bekommt. Meinen Durchlauf hatte ich nach gut 1 1/2 Stunden abgeschlossen, obwohl ich mich bereits recht gründlich umgesehen habe und von der „Rennen“-Funktion kaum Gebrauch gemacht habe. Dies ist aktuell aber vor allem auch dem Fakt geschuldet, dass es eben noch recht wenig Objekte zum Interagieren gibt.

Ich hoffe sehr, dass die Entwickler ihr Versprechen umsetzen und hier noch deutlich mehr Details ins Spiel bringen, damit die Spieler etwas zum Entdecken haben. Für all diejenigen, die einem aufstrebendem Studio unter die Arme greifen möchten, ist The Lighthouse aber auch jetzt bereits als kleiner Geheimtipp empfehlenswert.

 


 

 


 

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Über Erdbeermilch

Mit 6 Jahren habe ich begonnen zu „zocken“. Meine erste Konsole war damals das NES und kurz darauf erhielt ich auch meinen ersten „PC“. Anschließend habe ich mich dann durch wirklich jede Nintendo-Konsole durchgearbeitet und bin bis heute großer "Big N"-Fan geblieben. „Super Mario“ und „Link“ haben meine Kindheit stark geprägt. Sorry, Microsoft und Sony. Über die Jahre habe ich mich dennoch immer weiter dem PC zugewandt. Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Spiele mit starkem Story-Fokus – von der Großproduktion, bis zum kleinen Indie-Hit. Einen ganz besonderen Platz nimmt dabei „Life is Strange“ ein. Und wenn ich mal genug von guten Storys habe, dann springe ich mit Freunden nur allzu gern in eine amüsante Runde „Dead by Daylight“.

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