Tainted Grail
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Tainted Grail

Die Artussage einmal anders erzählt…

 

König Arthur hat versagt. Er war zu machthungrig. Sein falscher Anspruch auf Avalon ging nach hinten los. Schon als seine Ritter und Siedler an der Insel ankamen, erschien alles anders als geplant. Statt wertvollen Ressourcen und ein ruhiges Land erwartete sie nur die ewige Finsternis, genannt Wyrdness. Und mit der Wyrdness absonderliche Kreaturen, die mit der stets steigenden Macht des Dunklen die schlimmsten Alpträume aller Menschen in die Realität umsetzten.

Von den wenigen Dörfern, Straßen und Gemeinschaften, die einst auf Avalon errichtet wurden, ist nichts mehr übrig. Nur noch äußerst wenige Menschen sind noch nicht der Wyrdness zum Opfer gefallen. Zu diesen wenigen Überlebenden gehörst auch du. Geh da raus, versuche zu retten was möglich ist, finde die Ursache der Wyrdness und vor allem: Bitte vermeide zu sterben.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Eine große Stärke von Tainted Grail ist die düstere Atmosphäre, die das in Finsternis getauchte Land hervorragend repräsentiert. Da sich die Entwickler ein sterbendes Low Fantasy-Land als Grundprämisse für ihre Setting gewählt haben und das Ganze auch so dunkel wie möglich präsentieren wollen, haben sie sich damit auch einer ordentlichen Herausforderung gestellt. Immerhin ist es deutlich schwieriger ein ernstes und bedrückendes Gefühl aufzubauen als ein locker-flockiges Spiel über die Bühne zu bringen.

Auch dass die Protagonisten in Tainted Grail, durch den Roguelike Faktor des Spieles, weder eine große Persönlichkeit haben, noch eine langanhaltende Verbindung zum Spieler aufbauen können, ist hierbei ein erschwerender Faktor. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Ästhetik von Tainted Grail wohl seine größte Errungenschaft ist. Gerade weil es durch sein finsteres Setting eher einzigartig bleibt und dieses Element auch noch hervorragend umsetzt, kann es sich damit von vielen anderen Titeln abheben.

Wie ernst das Spiel es damit meint, bemerkt man schon im Intro. Dieses erzählt davon, wie die versuchte Eroberung König Arthurs auf Avalon hochgradig schief ging und sich die einstigen Recken des großen Königreich Camelots in einer Realität wiederfanden, welche in der Finsternis zu schmelzen scheint. Diese Erzählung wird dargestellt durch eine stimmige Animation auf den blätternden Seiten eines Buches. Wer sich darauf einlässt, ist noch vor dem richtigen Spielbeginn in dem Setting versunken.

Doch auch im Spiel selbst werden diesbezüglich keine halben Sachen gemacht. Tainted Grail punktet mit einer düsteren Welt, finsteren Charakteren und einer Atmosphäre zum Anfassen. Selbst in den Kämpfen bleibt sich das Spiel im Design, der dazugehörigen Spielkarten, sowie der Charaktere auf dem Kampffeld weiterhin treu und fährt auch hier eine hochwertige und düstere Schiene. Seine ergreifende Ästhetik ist definitiv das Beste bisher…

…zumindest mit einer Ausnahme. Das UI des Spiels ist teilweise etwas unnötig unübersichtlich. Beispielsweise wird zu jedem Spielstart die Meldung „NEW QUEST“ mehrfach und groß auf der oberen Bildschirmhälfte dargestellt. Diese ist nicht wegzucklicken und da man in einem Roguelike Spiel gerne Runs desöfteren neustartet, wird diese Anzeige schnell obsolet, weil es sich zu diesem Zeitpunkt um die immergleichen Start-Quests handelt.

Auch gibt es im Kampf eine dauerhafte Anzeige der eigenen Angriffs- und Rüstungswerte. Jedoch werden sowohl die tatsächlichen Schadenszahlen von den Feinden und dem Spieler selbst für die entsprechende Runde angezeigt und da diese sich erst aus den erstgenannten Werten erechnen, ist eine Anzeige derer absolut überflüssig. Und wenn der Spieler doch unbedingt die Chance haben soll, diese Werte im Kampf zu überprüfen, dann kann man ihn das optional über eine Einblendung machen lassen und muss es nicht dauerhaft als Teil der festen UI eingebunden haben.

 

– Gameplay –

Womit wir aber auch schon am bisher größten Knackpunkt von Tainted Grail sind: Seinem Gameplay. Zum Einen sind die grundlegenden Ideen nicht sonderlich innovativ. Zum Anderen ist das Gameplay zusätzlich auch noch ziemlich unhandlich und schlecht gebalancent. Dabei sollte es in dem Genre doch mehr als genug Vorlagen geben, an denen man sich anlehnen hätte können. Man muss das Rad nicht immer komplett neu erfinden.

Hat man sich durch die eher dürftige Charaktererstellung durchgeklickt, muss man seine Klasse samt Rune wählen. Aktuell steht der Warrior mit drei Runen, sowie der Druide mit zwei Runen zur Auswahl. Während die Klasse die Werte und den möglichen Kartenpool für das Kampfsystem vorgibt, stattet die Rune den Charakter mit einer kleinen passiven oder aktiven Fähigkeit aus. Beispielsweise teilt man mit der Berserker-Rune als Warrior mehr Schaden aus, desto weniger HP man selbst hat. Hat man hier seine Auswahl getroffen, landet man auf der Karte.

Die Karte ist, so wie es sich für Roguelikes gehört, in jedem Run zufällig generiert. Zwar sieht die Welt auf dem ersten Blick wirklich schön aus, so kann sie aber auch aus verschiedensten Gründen schnell zur Frustration führen. Verlässt man nämlich seinen sicheren Spawn und beginnt seine Reise durch die dunklen Lande Avalons, so kann es gerne passieren, dass man immer wieder mit seinem Charakter stecken bleibt.

Dies hat als Ursache, dass es teilweise wirklich schwer zu erkennen ist, welche Grafiken begehbar sind und welche nicht. Dazu kommt noch, dass manche Hindernisse wirklich großzügige Hitboxen haben. Steht einem beispielsweise ein Baumstumpf im Weg, muss man gleich den doppelten Umfang annehmen, um ihn effektiv umgehen zu können ohne auf seine Kollisionsbox zu treffen.

Das kann auch gerade dann stören, wenn man eigentlich gerade einem Gegner ausweichen möchte, die Hitbox eines Hindernisses jedoch unterschätzt und deswegen in den Kampf gezwungen wird. Dazu kommt natürlich, dass auch die Triggerbereiche der Feinde und aller anderen Events auf der Karte hin und wieder sehr großzügig wirken. Bei normalen Events wie NPCs oder Quest-Locations ist das kein Problem, doch gerade in einem Roguelike Spiel gibt es öfter Momente, in denen man einem Kampf aus dem Weg gehen möchte, von daher ist das wirklich störend.

Triggert man einen solchen Gegner auf der Karte, landet man im Kampfsystem. Das Kämpfen in Tainted Grail basiert auf einem rundenbasierten Kartenspiel. Sprich man hält einige Handkarten, hat pro Runde eine gewisse Menge an Karten die man spielen kann und erhält durch Level Ups oder als Questbelohnungen weitere Karten, um sich das effektivste Deck zu bauen. Hierbei ist auch die zu Beginn gewählte Klasse wichtig, da sich das Startdeck und der mögliche Kartenpool je nach Klasse stark unterscheidet.

Doch auch das Kampfsystem ist noch nicht so ausgefeilt wie es hätte sein können. Während man aktuell bei der Auswahl des Druiden noch groß gewarnt wird, dass dieser noch nicht vollständig gebalanced sei, ist bei dem Warrior keine solche Warnung zu finden. Dabei fühlt sich diese Klasse auch immer noch mindestens genauso wenig gebalanced an wie sein kultischer Freund.

Beispielsweise kann man nach dem Aufsammeln einiger Stun-Karten so ziemlich jeden Gegner aus dem Weg räumen, da man diese dann einfach in einer ewigen Stun-Schleife fangen kann. Gerade hier sollte mal ein Blick auf seine Genrekollegen geworfen werden. Beispielsweise auf Slay The Spire – Ebenfalls ein kartenbasiertes Roguelike Spiel, welches trotz deutlich größerer Varianz und Vielfalt an Karten grundsätzlich deutlich besser ausgewogen ist.

Trotz all dieser Kritikpunkte sollte man sich aber vor Augen halten, dass Tainted Grail regelmäßig mit größeren Updates ausgestattet wird. Noch vor wenigen Wochen gab es einige weitere Faktoren, die mich an diesem Spiel gestört haben, welche aber mittlerweile nicht mehr vorzufinden sind. Es ist also anzunehmen, dass die meisten Probleme im Gameplay nur temporäre Störfaktoren bleiben.

 


 

– Besonderheiten –

Der stärkste Aspekt an Tainted Grail ist seine schön-finstere Welt und packende Atmosphäre. Während viele andere Indie- und Early Access Spiele stattdessen eher auf flockig bunte Welten und sarkastische Geschichten setzen, da sich diese deutlich einfacher umsetzen lassen, setzt Tainted Grail auf eine ernsthafte Welt in ihrem schlimmsten Zeitalter. Das Spiel nimmt sich todernst und schafft das auch so zu transportieren, dass die Atmosphäre einen wirklich packen kann, wenn man sich darauf einlässt.

Während viele Gameplay-Elemente des Spiels eher repetitiv und teilweise subotimal umgesetzt sind, gibt es eine Erscheinung auf der Spielkarte, die mir ziemlich gut gefällt. Damit meine ich die sogenannte Wyrdness , die als blau-schwarze Masse ein Großteil der Welt eingenommen hat. Dabei handelt es sich um die finstere Energie, die sich die Kontrolle über die Welt zu Eigen gemacht hat.

Diese Wyrdness wertet nicht nur die sowieso starke düstere Atmosphäre noch ein Stück auf, sondern hat auch einen Impact auf das Gameplay. Beispielweise erhält man 50% mehr Schaden, wenn man in ihr in Kämpfe gerät. Gegen die Wyrdness selbst kämpft man nur mit Licht an. Dazu gibt es entweder einige wenige tragbare Objekte, die einem die Finsternis vom Hals schaffen oder stationäre Punkte mit Licht, welches die Wyrdness verdrängt. Dazu gehört unter Anderem der eigene Spawnpunkt.

 


 

– Support –

Tainted Grail gehört ursprünglich zu einer Reihe von Brett- und Kartenspielen beziehungsweise Pen and Paper Formaten von Awaken Realms. Jedoch ist es das Erste aus dieser Reihe, welche sie selbst in Form eines Videospiels auch auf den digitalen Markt losmachen. Aus ihrer Feder stammt auch das ursprüngliche Brettspiel zu The War of Mine, welches ebenfalls als Videospiel erschienen ist, wenn auch von einem anderen Studio entwickelt.

Somit ist Tainted Grail das erste Videospiel aus der eigenen Schmiede und damit auch bisher das Flaggschiff des Entwicklers und Publishers Awaken Realms. Auch wenn es wohl nicht das einzige zu bleiben scheint, da bereits auch Nemesis: Distress angekündigt ist – Ebenfalls ein Videospiel zu einem ihrer PnP Formaten. Was man den Entwickler definitiv zu Gute halten muss, ist ihre kommunikative Ader. So gibt zum Einen einen sehr aktiven Steam-News-Hub zum Spiel, sowie einen eigenen Discord-Server, auf welchem man in direkten Kontakt mit den Entwicklern treten kann.

 

– Fazit –

Tainted Grail ist meiner Meinung nach ein schwieriger Fall. Das Spiel hat definitiv Potential richtig gut zu werden und würde mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn die vielen kleinen Problemchen die das Spiel aktuell noch mit sich herumträgt, beglichen werden würden, ein absolut starkes Erstlingswerk von Awaken Realms in Sachen Videospiele darstellen können. Die angepeilte Qualität ist ja bereits schon an der wirklich hochwertigen Präsentation und der starken Atmosphäre zu erkennen.

Jedoch krankt das Spiel aktuell noch an komischen Hitboxen und Triggerzonen, unbalancten Kämpfen, manch komischen UI-Entscheidungen und allgemein an wirklich einzigarten Inhalten. Gerade im Bereich des Gameplays hat es nicht wirklich Innovation zu bieten und liegt wohl hinter jedem gängigen Vertretern seines Genres. Die 20€, die das Spiel kosten, sind meiner Meinung nach zu viel für den aktuellen Inhalt.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Man muss dem Spiel aber definitiv zu Gute halten, dass es eine enorme Rate an größeren Updates und Patches erhält. Noch vor wenigen Wochen gab es wirklich ätzende Bugs im Bereich des Hauptmenüs und Spielstarts, welche mittlerweile komplett Geschichte sind. Auch hat sich allgemein in der vergleichsweise kurzen Zeit, in der ich das Spiel jetzt verfolgt habe, schon wirklich viel getan und auch Elemente, welche ich als halbwegs final angesehen hatte, wurden vollständig entfernt oder großflächig geändert.

Von daher, würde ich zu dem aktuellen Zeitpunkt empfehlen, sich das Spiel definitiv vorzumerken und im Auge zu behalten, aber mit dem Kauf abzuwarten. Nur wer keine Probleme mit meinen angesprochenen Kritikpunkten hat oder selbst gerne einmal in diese dunkle Version der Artussage abtauchen möchte, kann bereits jetzt schon zum Einkaufsbutton springen. Alle anderen können mit freudiger Erwartung in einigen Monaten einen höchstwahrscheinlich starken Ableger des Roguelike Genres empfangen.

 


 

 


 

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Über Chesra

Schon in sehr jungen Jahren begann ich mich nicht nur für Videospiele, sondern auch der Kunst und Wissenschaft hinter diesen zu interessieren. An meinem ersten eigenen Spiel begann ich im Alter von 8 Jahren zu arbeiten und richte seitdem meine Hobbys und meine berufliche Zukunft nach dieser Richtung. Auch wenn ich in den Jahren seitdem schon sehr viel dazu gelernt habe, bin ich immer noch wie am ersten Tage an jedem neuen Spielkonzept interessiert und liebe es noch immer in ein völlig neues Spiel einzutauchen!

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