Phasmophobia
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Phasmophobia

Von Geistern gejagter Geisterjäger

 

Als Kind habe ich liebend gern The Real Ghostbusters geschaut. Schon damals hat mich die Geisterjagd und die vielen verschiedenen Arten von Geistern fasziniert soweit man es als Kind eben verstanden hat. Später als Heranwachsender am Wochenende dann nachts jeden Horrorfilm geschaut den es gab egal, ob nun mit oder ohne Geister.

Da ist es nur passend, dass Entwickler Kinetic Games uns zu Halloween 2020 auf eine Geisterjagd schickt, um sinnbildlich einmal selbst in die Fußstapfen von Dr. Egon Spengler oder Peter Venkman zu treten. Dabei gibt uns Phasmophobia allerlei Hilfsmittel an die Hand, um besagte Geister aufzuspüren, Beweise zu sammeln und uns so richtig zu fürchten. Die Frage ist nur: Kann das Spiel auf Dauer begeistern und bietet es genug Abwechslung oder lässt uns die Geisterhatz ganz schnell wieder kalt?

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Phasmophobia möchte uns gehörig das Gruseln lehren, somit benötigt das Spiel natürlich eine entsprechende Atmosphäre. Schließlich ist in kaum einem Genre das Zusammenspiel zwischen Sound, Grafik und allgemeiner Atmosphäre so wichtig, wie in dem des Horror-Genre. Im Großen und Ganzen machen die Entwickler hier auch sehr viel richtig. Dennoch gibt es durchaus Raum für Optimierungen, vor allem im Bereich der Grafik. Diese ist zwar zweckmäßig und gibt dem Spiel eine schaurige Grundstimmung.

Wenn man sich jedoch die Charaktermodelle und Animationen der Spielfiguren anschaut, ist dort eine Menge Luft nach oben. Auf der anderen Seite, geben deren teils unfreiwillig ulkige Animationen auch Anlass zur allgemeinen Belustigung. Die Umgebungen, in welchen wir die Geister ausfindig machen sollen, sind da deutlich besser gestaltet. Jedoch muss man auch hier sagen, dass sich bspw. im Schul- oder Irrenanstalt-Level die Räume extrem oft wiederholen. Im Endeffekt bestehen solche Level zu großen Teilen einfach nur aus dem selben Raum, der etliche Male per Copy&Paste eingefügt wurde schade. Solche Räume wie die große Sporthalle in der Schule sind da eine angenehme Abwechslung.

Da das Spiel aber zumeist in der Dunkelheit spielt, fallen diese grafischen Schwächen nicht so sehr ins Gewicht. Dafür sorgt auch die schaurig-schöne Soundkulisse, welche uns beispielsweise von Beginn an mit einem grundlegendem Dröhnen im Ohr in Anspannung versetzt. Auch die Umgebungsgeräusche wie knarzende Türen, Objekte die von Geistern umher geworfen werden oder eben auch die Interaktionen der Geister wie beispielsweise ein nettes Hauchen ins Ohr lassen einem nicht selten einen ziemlich kalten Schauer über den Rücken laufen. In dem Bereich haben die Entwickler also gute Arbeit geleistet.

Während meinen etwas mehr als 20 Stunden Spielzeit, sind mir bisher auch keine wirklichen Bugs oder Spielfehler aufgefallen. Lediglich das Beitreten in privaten Lobbys (von Freunden) war mitunter erst nach mehreren Versuchen oder gar nicht möglich bzw. wurde mit Fehlermeldungen quittiert. Grundlegend läuft das Spiel aber sehr rund und aufgrund der eher betagten Grafik, dürfte es auch auf vergleichsweise alten und leistungsschwachen PCs sowie Laptops gut laufen. Nur die Ladezeiten auf größeren Karten waren teils sehr lang, sodass man mitunter das Gefühl hatte, das Spiel wäre abgestürzt, man dann aber plötzlich doch im Spiel landete. Also einfach etwas Geduld haben.

 

– Gameplay –

Schauen wir uns jetzt aber das Gameplay an. Eine Runde kann mit bis zu 4 Leuten gespielt werden. Der Geist ist dabei stets KI-gesteuert. Das Spiel bietet derzeit eine Auswahl von 7 unterschiedlichen Karten, von denen immer zufällig einige zur Auswahl stehen. Jede Karte wird dann (ebenfalls zufällig) in einen Schwierigkeitsgrad Anfänger, Fortgeschritten oder Profi eingeteilt. Dazu später noch etwas mehr.

Sobald wir eine Karte ausgewählt haben, gilt es noch das Equipment einzupacken. Aktuell gibt es 22 verschiedene Gegenstände, welche man in einer Runde nutzen kann, um Geister ausfindig zu machen. Zur Auswahl stehen beispielsweise eine Taschenlampe, ein UV-Licht, Thermometer, Parabolmikrofon, Räucherstäbchen, eine Kopf-Videokamera und vieles mehr. Dabei gibt einem das Spiel eine gewisse Grundausstattung, welche man immer dabei hat. Andere Objekte, wie z.B. die Kopf-Videokamera muss man sich von seinem verdienten Ingame-Geld erst kaufen.

Nachdem dann also das Equipment eingesackt wurde, starten wir im Auflieger unseres Trucks am ausgewählten Einsatzort. Hier können wir uns zunächst vorbereiten. Der Truck dient dabei auch als Zentrale, in welcher wir während des Spiels allerlei Informationen abrufen können. Dazu zählt: unser geistiger Zustand, die aktuelle Geisteraktivität im Objekt oder das Prüfen der Videokameras sowie Bewegungs- und Infrarotsensoren, vorausgesetzt wir haben solche auch mitgenommen und im Level platziert. Auch bekommen wir hier allgemeine Infos zum Geist selbst und den Aufgaben, die wir zu erledigen haben.

In einigen Regalen finden wir hier alle Gegenstände, welche wir in die Runde mitgenommen haben. Egal von welchem Spieler diese gekauft wurden, kann jeder sie aufnehmen und verwenden. Es können jedoch maximal 3 Gegenstände zur gleichen Zeit getragen werden. Ich persönlich greife hier üblicherweise zu einer Taschenlampe, einem Fotoapparat und einem Gegenstand, mit dem man zügig erste Geisteraktivitäten aufspüren kann, wie einem Thermometer, einem EMF oder einer UV-Licht-Lampe.

Noch schnell den Türschlüssel vom Tisch geschnappt (den vergisst man nämlich gern mal), kann es dann auch schon losgehen. Abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Karte, gibt es nun einen Zeitraum, in welchem man sich gefahrlos im Objekt bewegen kann, um den Geist aufzuspüren. [Plüschhäschen] Auf Anfänger beträgt dieser 5 Minuten, bei Fortgeschritten 2 Minuten und bei Profi entfällt dieser Zeitraum komplett. Trotz der Schonzeit können natürlich aber Geisteraktivitäten auftreten. Dieser schützt also nur vor dem Tod, nicht vor Schockeffekten.

Wenn man dann losgezogen ist, liegt es bei einem selbst, wie man weiter vorgeht. Teilt man sich beispielsweise auf oder läuft lieber als Team durch das Objekt? Gerade bei großen Objekten wie der Schule oder der Irrenanstalt, ist das Aufteilen recht sinnvoll, da man sonst unter Umständen ewig braucht, um das ganze Areal abzudecken. Genau dieser Punkt also die eigene Entscheidungsfreiheit wie man vorgehen möchte macht das Spiel dabei von Runde zu Runde immer etwas anders.

Doch was tun, wenn man einen Geist entdeckt hat? Dafür gibt es das Journal, welches wir durch Druck auf J (Standardeinstellung) öffnen können. Darin finden wir allgemeine Infos, aber auch genaue Infos zu Stärken, Schwächen sowie Identifikationsmerkmalen eines jeden Geister-Typs. In der aktuellen Version des Spiels gibt es 12 verschiedene Geister-Arten, welche sich teils stark unterschiedlich verhalten. Mit dabei sind Gespenster, Dämonen oder auch ein Oni.

Auf der letzten Seite des Journals finden wir zudem die Beweise. Hier tragen wir die Beweise ein, welche wir in einer Runde finden und können daraus schlussfolgern, um welchen Geist es sich handelt. Ein Beispiel: Sollten wir beispielsweise auf dem EMF einen Ausschlag der Ebene 5 sehen und zudem noch Gefriertemperaturen in einem Raum vernehmen sowie Fingerabdrücke auf Türen, Fenstern, etc. finden, dann handelt es sich definitiv um eine Banshee.

Das Herausfinden der Geisterart ist dabei stets das Hauptziel. Zusätzlich gibt es aber jede Runde noch zufällig erstellte Nebenaufgaben. Einmal sollen wir den Raum in dem sich der Geist aufhält mit Räucherstäbchen ausräuchern, ein anderes Mal ein Waschbecken finden, aus dem dreckiges Wasser läuft oder ganz einfach den Geist fotografieren. Das Abschließen dieser Aufgaben gibt uns dann mehr Geld, welches wir in neues Equipment stecken können. In der Theorie kann man jedoch zu jeder Zeit einen Auftrag beenden, egal, ob man den Geist nun identifiziert hat oder nicht.

Aus diesem Gameplay-Loop besteht dann auch der Langzeitspaß des Spiels: Immer neue Aufträge annehmen, Geister ausfindig machen, Nebenaufgaben erledigen, um dann immer neues Equipment zu kaufen und dann in weiteren Aufträgen immer effizienter Geister ausfindig machen zu können.

Und zumindest für mich hat das bisher gut funktioniert, wobei ich sagen muss, dass ich auch einfach Spaß daran habe mich mit Freunden gemeinsam zu gruseln und erschrecken zu lassen. Genauso viel Spaß macht es übrigens, seine Freunde bzw. Mitspieler ab und an mal ordentlich zu erschrecken.

Schönen Gruß an dieser Stelle an meine beiden Mitspielerinnen Sophie und Kim, mit denen ich den größten Teil der Spielzeit verbracht habe. 😉

 


 

– Besonderheiten –

Ein Gameplay-Element, welches ich erwähnen möchte, ist die im Spiel integrierte Spracherkennung. Diese wird auf der einen Seite genutzt, um mit seinen Mitspielern zu kommunizieren und auf der anderen Seite, dient sie dazu, mit der Spirit Box (dt. Geisterbox) und dem Ouija-Brett zu interagieren. Die Box gehört dabei zur Standardausrüstung einer jeden Runde (muss also nicht gekauft werden). Das Ouija-Brett hingegen kann zufällig im Level gefunden und dann in der jeweiligen Runde genutzt werden.

Wenn man wirklich die volle Immersion im Spiel haben möchte, dann empfehle ich ausdrücklich von externen Tools wie Teamspeak oder Discord Abstand zu nehmen und auf die Ingame-Kommunikation zurückzugreifen. Im Spiel kann man dann mit Mitspielern in direkter Umgebung reden (Taste V) oder auf größere Entfernung über ein Walkie-Talkie (Taste B). Die Kommunikation über das Walkie-Talkie ist dabei auch mit einem typischen Rauschen versehen und kann durch starke Geisteraktivitäten unterbrochen werden.

Jedoch können nicht nur die eigenen Mitspieler einen reden hören, sondern auch die Geister selbst. Wenn der Geist also auf der Jagd ist und man fröhlich weiterredet, dann kann dies unter Umständen zu einem schnellen Tod führen. Und dann sind da ja noch die angesprochene Geisterbox und das Ouija-Brett. Mit diesen beiden Hilfsmitteln kann man direkt mit dem Geist kommunizieren, um so an Informationen zu gelangen. Dabei gilt die Geisterbox als Identifikationshinweis um die Geisterart zu bestimmen, sofern der Geist einem eine Antwort auf die gestellte Frage gibt.

Die Spracherkennung funktioniert dabei sowohl in Englisch, als auch anderen Sprachen wie beispielsweise Deutsch. Prominente Fragen sind dabei: Wo bist du?, Wie alt bist du? oder auch die Aufforderung Gib uns ein Zeichen!. Man kann außerdem den Namen des Geistes nennen, welchen man zu Beginn des Auftrags erfährt, was in der Regel dazu führt, dass man den Geist verärgert und er schneller angreift. Wer also mutig ist, kann das gern probieren.

Das Ouija-Brett funktioniert weitestgehend wie die Box, jedoch bekommt man keine gesprochene Antwort, sondern der Geist wird auf dem Brett die Antwort schreiben. Diese sind dabei auch ein gutes Stück konkreter und können z.B. den exakten Aufenthaltsraum des Geists verraten. Die Antworten bei Box und Brett sind dabei übrigens stets in Englisch, auch wenn die Frage zuvor in Deutsch gestellt wurde. Sollte ein Mitspieler übrigens sterben, so kann dieser nicht mehr mit den übrigen Mitspielern kommunizieren und streift fortan selbst als (harmloser) Geist umher, bis der Auftrag abgeschlossen wird.

Abschließend noch eine Sache über die ich noch kein Wort verloren habe, die aber nicht vergessen werden sollte. Phasmophobia ist nämlich komplett und ohne Einschränkung in VR spielbar. Wem also der Horror am normalen Bildschirm noch nicht genug Nervenkitzel beschert, der kann mit seiner VR-Brille noch eine Schippe oben drauf legen. Aktuell unterstützt das Spiel alle OpenVR und SteamVR Headsets sowie Controller. Nähere Details zur VR-Version muss ich an dieser Stelle aber schuldig bleiben, da ich selbst kein VR-Headset zur Verfügung habe.

 


 

– Support –

Seit dem Start des Early Access wurden dem Spiel bereits 2 Patches spendiert, welche jeweils eine lange Liste an Fehlern und sonstigen Problemen behoben haben. Ein dritter Patch ist laut offiziellem Discord zum Spiel in der Entwicklung und sollte zeitnah erscheinen und weitere Fehlerbehebungen liefern, damit das Spiel noch runder läuft. Die Entwickler sind hier also sehr vorbildlich bemüht das bestmögliche Spielerlebnis zu liefern.

Allgemein ist der Discord-Server sehr aktiv. Wer Probleme oder allgemeine Fragen zum Spiel hat, wird hier definitiv Hilfe finden. Das gleiche gilt für die Suche nach Mitspielern, Infos zu aktuellen oder bevorstehenden Updates oder das Übermitteln von Vorschlägen zur Verbesserung und Weiterentwicklung des Spiels. Ebenfalls gibt es eine Anleitung, wie man dem Beta-Server via Steam beitreten kann, um bevorstehende Updates zu testen.

Wer sich übrigens über den aktuellen Entwicklungszustand ausführlich informieren möchte, wird in der offiziellen Roadmap der Entwickler fündig. Diese ist randvoll mit allem woran derzeit gearbeitet wird oder in Zukunft gearbeitet werden soll.

 

– Fazit –

Phasmophobia ist eines dieser Phänomene, welches aus dem Nichts erscheint und das man zunächst nur schwer nachvollziehen kann. Doch sobald man es sich dann selbst angeschaut hat, kommt man davon nicht mehr los. Entwickler Kinetic Games hat hier fast alles richtig gemacht und ein überzeugendes Produkt in den Early Access geschickt mit dem man bereits im aktuellen Zustand dutzende Stunden Spaß haben kann vor allem gemeinsam mit Freunden.

Meine persönlichen Kritikpunkte am Spiel bestehen derzeit an der etwas altbackenen Grafik sowie dem Mangel an Abwechslung in den bisherigen Karten. Außerdem könnte das Spiel etwas mehr Variation im Bereich der Schreck- und Schockeffekte gebrauchen, damit man als Spieler nicht von Beginn an schon auf die meisten Dinge gedanklich vorbereitet ist, sofern man bereits ein paar Runden gespielt hat. Das ist aber wirklich Kritik auf hohem Niveau und soll in keiner Form die Leistung der Entwickler schmälern.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Ob der Hype und Ansturm auf das Spiel auch nach Halloween, in den kommenden Monaten aufrecht erhalten werden kann, wird sich jedoch zeigen müssen und hängt sicher auch davon ab, ob die Entwickler hier rechtzeitig neuen Content nachschieben können, damit das Spiel frisch bleibt und auch über die 30-40 Stunden Spielzeit hinweg noch Abwechslung bietet.

In meinen Augen wurde hier jedenfalls ein Titel abgeliefert, welcher das Early-Access-Programm verstanden hat und an dem man derzeit nur schwer vorbei kommt egal, ob man nun Horror-Fan ist oder noch einer werden möchte. Ich empfehle nämlich auch den vermeintlichen Angsthasen unter uns, dass ihr euren Protonenstrahler in die Hand nehmt, um euch mit Freunden in die Geisterhäuser wagt. In einer witzigen Gruppe ist der Horror dann auch gar nicht mehr so schlimm … oder etwa doch?

 


 

 


 

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Über Erdbeermilch

Mit 6 Jahren habe ich begonnen zu „zocken“. Meine erste Konsole war damals das NES und kurz darauf erhielt ich auch meinen ersten „PC“. Anschließend habe ich mich dann durch wirklich jede Nintendo-Konsole durchgearbeitet und bin bis heute großer "Big N"-Fan geblieben. „Super Mario“ und „Link“ haben meine Kindheit stark geprägt. Sorry, Microsoft und Sony. Über die Jahre habe ich mich dennoch immer weiter dem PC zugewandt. Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Spiele mit starkem Story-Fokus – von der Großproduktion, bis zum kleinen Indie-Hit. Einen ganz besonderen Platz nimmt dabei „Life is Strange“ ein. Und wenn ich mal genug von guten Storys habe, dann springe ich mit Freunden nur allzu gern in eine amüsante Runde „Dead by Daylight“.

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