Nanotale
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Nanotale

Fishing Cactus bittet erneut zum Diktat

 

Ihr textet am PC gern stundenlang mit euren Freunden in den sozialen Medien oder Chat-Räumen, ohne, dass eure Finger müde werden, seid aber auch waschechte Zocker? Nun, dann könnte Nanotale vielleicht genau das Richtige für euch sein.

Die Entwickler von Fishing Cactus wagen sich erneut in ein eher ungewöhnliches Genre, dem Schreib-Spiel. Bereits vor einigen Jahren lieferte das Studio mit Epistory – welches wir übrigens ebenfalls getestet haben – einen kleinen Geheimtipp ab. Aber kann der Mix aus Adventure und virtuellem Diktat wirklich (erneut) funktionieren und begeistern? Kann ein Spiel, bei dem hauptsächlich getippt wird Spaß machen? Das erfahrt ihr in meiner Review. Viel Spaß beim Lesen.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Nanotale präsentiert sich, ähnlich seinem geistigen Vorgänger (Epistory), in einem recht einzigartigen, aber erneut stimmigen Grafikgewand. Die gesamte Umgebung wirkt teilweise so, als wäre sie von Hand gezeichnet worden. Einige der Objekte (Bspw.: das Blattwerk) sind zwar bei genauerem hinsehen teils sehr offensichtlich nur flache Texturen, aber dem zur Seite stehen zusätzlich sehr schön dargestellte und animierte Charaktere, Monster und weitere Vegetation. Ich persönlich finde, das ist ein gelungener Mix, welcher mir auch von Beginn an sehr gut gefallen hat.

Der Grafikstil wird darüber hinaus auch von der musikalischen Untermalung getragen. Diese ist zwar oft eher minimalistisch, aber wenn es drauf ankommt, kann sie auch anziehen und bringt dann eine eher temperamentvolle Stimmung rüber. Zumindest in der aktuellen Early-Access-Fassung bewegt man sich hauptsächlich durch ein Waldgebiet, welches, bezogen auf die Geräuschkulisse, glaubwürdig umgesetzt wurde. Man hört, ob man über befestigte Wege wandert, durch Pfützen platscht oder über Holz steppt. Man hört ebenfalls hier und da, typische Geräusche, die man in einem Wald eben erwarten würde – raschelndes Blattwerk, das Quieken einiger Tiere und so weiter …

Bei der Performance des Spiels habe ich nicht wirklich etwas zu bemängeln. Die Ladezeiten hielten sich meist im Rahmen und auch die FPS (frames per second -> Bilder pro Sekunde) während des Spiels blieben soweit stabil. Lediglich bei größeren Szenenwechseln gab es minimale Framedrops, welche aber wirklich nicht ins Gewicht fielen und dem Spielfluss somit keinen Abbruch getan haben. Alles in allem scheint man bei der Optimierung grundsätzlich auf einem guten Weg zu sein.

 

– Gameplay –

Ich erinnere mich noch, früher, als ich noch ein Schüler war und die Klassenlehrerin im Deutsch-Unterricht ein Diktat ankündigte. Kaum etwas war so unangenehm (und ein wenig nervig), wie ein Diktat in der Schule. Das viele, zügige Schreiben, bloß keine Fehler machen und eine halbwegs anständige Handschrift sollte es auch sein. Was genau das mit Nanotale zu tun hat? Nun, das ist schnell und einfach erklärt. Nahezu das gesamte Gameplay des Spiels wird sich, auf die eine oder andere Art, rund ums Schreiben entwickeln.

Das fängt bereits im Hauptmenü, in den Spiel-Optionen oder im Pause-Bildschirm des Spiels an – jede Aktion kann wie gewohnt über die Maus-Steuerung umgesetzt werden, aber man kann diesen auch einfach über die Tastatur eintippen. Wenn man also „Weiter“ wählen möchte, einfach „Weiter“ auf der Tastatur eingeben. Entfernen wir uns aber einmal von den Menüs und schauen uns das eigentliche Kern-Gameplay des Spiels an. Wie bereits verraten: Es wird viel getippt – sehr viel.

Die Reise beginnt mit einem (viel zu knappen) Intro, in welchem uns erklärt wird, dass wir eine angehende Archivarin sind. Unsere Aufgabe ist es, die Flora und Fauna des Waldes zu erforschen und zu katalogisieren. Unsere anfängliche Begleiterin macht uns daraufhin mit der grundlegenden Steuerung vertraut. Kurz darauf wird uns dann das erste Mal die Schreib-Steuerung erläutert.

Mit der Leertaste können wir zu jeder Zeit in den Schreibmodus hinein und wieder heraus wechseln. Bei aktiviertem Schreibmodus, sind wir fest an eine Stelle gebunden, können uns also nicht bewegen, stattdessen aber Wörter eingeben. Verlassen wir den Schreibmodus, können wir uns neu positionieren und bei Bedarf erneut in den Schreibmodus wechseln.

Welche Wörter uns weiterbringen, können wir dabei einfach vom Bildschirm ablesen. Wenn sich beispielsweise ein Gegner in der Nähe befindet, dann steht direkt neben ihm ein stets passendes Wort wie bspw. „Drohne“. Tippt man das Wort vollständig ein, wirkt die Spielfigur eine Art Zauber, wodurch der Gegner Schaden erleidet.

Je nach Gegnertyp, muss man diesen Vorgang wiederholen, bis der Gegner stirbt. In der aktuellen Early-Access-Fassung gibt es davon bereits einige, angefangen von dem üblichen Kanonenfutter, welches keinerlei spezielle Fähigkeit besitzt, über schnelle Gegner, welche auf einen zu sprinten, bis hin zum bulligen Kollos, welcher einen großen Stoß nach vorne ausführt, um uns sofort auszuknocken.

Natürlich bekämpfen wir nicht nur Gegner. Unsere anfängliche Hauptaufgabe bleibt es, Flora und Fauna zu erforschen. Begegnen uns also ein paar interessante Blumen, Sträucher oder auch Lebewesen, dann näher wir uns, drücken die Leertaste und bekommen erneut ein Wort dazu angezeigt. Bei den Pflanzen dreht es sich dabei sehr oft um Eigenschaften oder Aussehen der jeweiligen Pflanze.

Das Spiel wählte die Begriffe durchaus zufällig, versucht aber trotzdem einen sinnvollen Zusammenhang zum jeweiligen Objekt zu schaffen. Das hilft dabei die angezeigten Wörter intuitiv einzugeben. Wenn man Flora und Fauna katalogisiert, bekommt man dafür Erfahrungspunkte (EP). Füllt sich die EP-Leiste, steigt man eine Stufe auf und bekommt die Gelegenheit aus einer Anzahl von verschiedenen Verbesserungen zu wählen.

Diese Verbesserungen beeinflussen dabei zumeist den Kampf oder allgemein den Schreibmodus. Anfänglich bekommt man beispielsweise die Wahl, ob man Gegner bei einem Treffer ein Stück zurückstoßen, oder man einfach generell mehr Schaden anrichten möchte, dafür dann aber auf den Rückstoß verzichtet.

Für mich persönlich fühlte sich die Wahl bisher aber oft zu einfach an. Ich war nicht wirklich in einer Situation, in welcher ich eine schwierige Entscheidung zwischen zwei Verbesserungen treffen musste. Ich denke, hier wird aber ohnehin noch einiges an Balancing im Laufe der weiteren Early-Access-Phase betrieben werden.

Fernab der Kämpfe und dem Katalogisieren gibt es aber noch einen weiteren wichtigen Eckpfeiler im Spiel und das sind – wer hätte es gedacht – Rätsel. Während man durch die Wildnis des Waldgebietes streift und alles mögliche an Getier und Gestrüpp jagt, wird man des öfteren Gebiete entdecken, welche auf den ersten Blick nicht erreichbar scheinen. Im gleichen Atemzug stolpert man immer wieder über Energie-Kristalle, sowie Feuer- und Wasserblumen. All diese Objekte (und in Zukunft sicher noch mehr) kann man im Schreibmodus beeinflussen, um neue Bereiche zu erreichen oder Rätsel zu lösen.

Lässt man zum Beispiel eine Wasserblume platzen, dann fließt das Wasser in das umliegende Gebiet und lässt manchmal hohes Gras wachsen. Im Gras kann man sich dann vor Gegnern verstecken, wodurch sie einen nicht mehr angreifen. Auf der anderen Seite kann man mit dem Entzünden einer Feuerblume solches Gras auch wieder abbrennen, um darin befindliche Gegner effektiv zu bekämpfen.

Mit ein wenig um-die-Ecke-denken lassen sich so beispielsweise auch einzelne Grasflecken verbinden, welche man anschließend mit einer Feuerblume in einer Art Kettenreaktion abfackelt, um einen zuvor blockierten Zugang von wuchernden Wurzeln freizuräumen.

Um das Rätsel-System aber noch weiter auszuweiten, erhält man im Laufe des Spiels unterschiedliche Fähigkeiten, welche man im Schreibmodus zu diversen Zaubern kombinieren kann. Es gibt bspw. die Möglichkeit an der Position eines Objekts eine kleine oder große Explosion zu verursachen. Man kann stattdessen aber auch eine Art Magiestrahl von der eigenen Position aussenden, um etwas hinter dem Zielobjekt zu treffen.

Ich muss allerdings auch sagen, dass, für meinen Geschmack, zu wenig Aufwand in das richtige Erklären dieses Features geflossen ist. Ich hoffe, dass die Entwickler hier noch etwas nachbessern und ein umfangreicheres Tutorial anbieten, da man so ganz sicher etwaige Frustration bei Spielern vermeiden kann – zumal die richtige Nutzung des System essentiell für das Spiel und dessen Rätsel ist.

 


 

– Besonderheiten –

Wir haben nun ausführlich darüber gesprochen, dass in Nanotale viel geschrieben wird, aber ich halte es für notwendig hier noch einmal explizit zu erwähnen, dass von einem potenziellen Spieler im Umgang mit der Tastatur durchaus einiges abverlangt wird. Mit der berühmten Adler-Suchtechnik wird man im Spiel nicht viel Spaß haben.

Die Fähigkeit mit mehreren Fingern, und im besten Fall blind, schreiben zu können, sorgt für eine deutlich bessere Spielerfahrung. Spieler mit langsamer Schreibgeschwindigkeit könnten möglicherweise schnell frustriert sein. Alternativ kann man das Spiel aber auch als Training ansehen, um die eigenen Schreibgeschwindigkeit mit der Zeit zu erhöhen.

Ansonsten hat mir sehr gefallen, dass man mit dem weiteren Erforschen der Flora und Fauna immer neue Infos über die jeweiligen Objekte bekommt und so immer weiter in die Spielwelt eintauchen kann. Leute, welche in Spielen jedes noch so kleine Info-Schnipsel mitnehmen möchten, werden hier also gut bedient. Als nicht sonderlich gut gelungen, empfand ich bisher das allgemeine Storytelling. Es gibt aktuell keinerlei Sprachausgabe im Spiel.

Lediglich einige, wenige Gesprächs-Texte von anderen Charakteren erzählen ein paar Info-Fetzen, welche aber auch eher dem Ausschmücken dienen. Ich habe mich während des Spielens sehr oft dabei ertappt, dass ich gar nicht so richtig wusste, was mein nächstes Ziel ist. Auch die Weltkarte, welche man sich jederzeit aufrufen kann, ist oft eher verwirrend, und wenig behilflich.

 


 

– Support –

Die Entwickler von Fishing Cactus sind beileibe keine Neulinge im Gebiet der Schreib-Spiele. Wie eingangs erwähnt, haben sie zuvor bereits Epistory entwickelt, welches seinerzeit, nach meiner Meinung, über jeden Zweifel erhaben war. Man kann also davon ausgehen, dass sie grundsätzlich das Know-how besitzen, um auch beim zweiten Anlauf eine tolle Geschichte mit angemessenem Tiefgang zu kreieren.

Die aktuelle und zukünftige Entwicklung des Spiels wird auf Steam sehr regelmäßig mit Dev-Blogs begleitet. Die Entwickler sind also sehr pro-aktiv, wenn es darum geht die Community über Neuigkeiten zu informieren. Das ist sehr löblich und (leider) nicht selbstverständlich dieser Tage. Im Steam-Forum des Spiels gibt es darüber hinaus auch eine grobe Übersicht, was genau für Content und Verbesserungen während der Early-Access-Phase noch geplant sind.

 

– Fazit –

Nanotale ist, ähnlich seinem Vorgänger, ein sehr spezielles Spiel, welches sicher auch nicht jedem Spieler zusagen wird. Eine gute Handhabung der eigenen Tastatur ist hier das A und O. Für diejenigen, die damit keine Probleme haben oder bereit sind sich zu verbessern, ist das Spiel aber eine interessante Erfahrung, in der man sich gern verliert, um der Geschichte zu folgen. Die Präsentation ist durchweg sehr gut gelungen, die Grafik und musikalische Untermalung greifen perfekt ineinander und schaffen so eine gelungen Atmosphäre.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Der Umfang des Spiels ist zum Test-Zeitpunkt mit 2-4 Stunden Gameplay noch recht überschaubar, das gilt allerdings auch für den Preis. Das Spiel fühlt sich trotz der Early-Access-Phase bereits sehr rund an. Bugs oder gar Abstürze konnte ich nicht feststellen. Allerdings leistet sich das Spiel ein paar unnötige Patzer beim so wichtigen Storytelling und auch der allgemeinen Zugänglichkeit für neue Spieler.

Gerade bei einem derart speziellen Spiel wie Nanotale, sollte man neuen Spielern den Zugang so leicht wie nur möglich machen. Ich wünsche mir, dass die Entwickler hier noch Wege und Mittel finden, um dies zu erreichen. Ansonsten bin ich sehr gespannt, wohin die Reise noch gehen wird und ob es seinem Vorgänger Epistory im finalen Zustand gerecht wird.

 


 

 


 

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Über Erdbeermilch

Mit 6 Jahren habe ich begonnen zu „zocken“. Meine erste Konsole war damals das NES und kurz darauf erhielt ich auch meinen ersten „PC“. Anschließend habe ich mich dann durch wirklich jede Nintendo-Konsole durchgearbeitet und bin bis heute großer "Big N"-Fan geblieben. „Super Mario“ und „Link“ haben meine Kindheit stark geprägt. Sorry, Microsoft und Sony. Über die Jahre habe ich mich dennoch immer weiter dem PC zugewandt. Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Spiele mit starkem Story-Fokus – von der Großproduktion, bis zum kleinen Indie-Hit. Einen ganz besonderen Platz nimmt dabei „Life is Strange“ ein. Und wenn ich mal genug von guten Storys habe, dann springe ich mit Freunden nur allzu gern in eine amüsante Runde „Dead by Daylight“.

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