Infected Shelter
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Infected Shelter

Blut und Birnensaft

 

Es gibt Spiele über die könnte man Essays verfassen. Eine bewegende Geschichte, eine tiefsitzende, berührende Moral oder herausforderndes Gameplay sind nur einige Aspekte, die mir dabei in den Sinn kommen. Meist reist diesen Titeln bereits ein gewisser Ruf voraus und es fällt schwer, oben erwähnte Punkte unvoreingenommen zu betrachten.

Dann aber gibt es Spiele, die aus dem Nichts erscheinen, sich nicht eine Sekunde ernst nehmen und gar nicht erst versuchen, dich mit Fakten und Inhalten zu langweilen. Stattdessen punktet, was viele Titel manchmal völlig unterschätzen: reiner, destillierter Spielspaß. Infected Shelter ist so ein Kandidat. Warum ich dieses blutige Indiekleinod bereits nach wenigen Sekunden in mein Herz geschlossen habe und es euch vielleicht ähnlich gehen wird, lest ihr in den kommenden, garantiert gewaltfreien Abschnitten.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Infected Shelter ist as indie as it can get. Dies sticht bereits beim kurzen und leicht trashigen Intro ins Auge, indem unbewegte Bilder mit rudimentärem Sound untermalt werden. Eine wenig revolutionäre Geschichte erzählt von muskelbepackten Banditen, die „unschuldige“ Wissenschaftler als Geiseln nehmen und dabei einen Stoff freisetzen, der Menschen und Tiere in willenlose Monster verwandelt.

Im Kern ist Infected Shelter ein Mix aus Roguelite und Brawler mit leichten RPG-Sprenkeln in einem witzigen, postapokalyptischen Setting. Bahnbrechende Details sind nonexistent, jedoch entschädigt das Spiel mit absurd gezeichneten Spezialeffekten und übertriebenen Finishing Moves, die ihresgleichen suchen. Schnell wird klar, warum die Entwickler Mortal Kombat, Castle Crashers und Dead Cells als Grundideen angeben.Im Hauptmenü allerdings erwarten uns Grafiken, die in Teilen eher an ein Handyspiel erinnern. Auffällig ist dabei jedoch bereits die schiere Absurdität der vorhandenen Charaktere, aber dazu später mehr. Viel gibt es sonst nicht zu sehen. Ein paar Optionen wie Vollbild, V-Sync und Sound sind vorhanden, ansonsten sucht man weitere Stellschrauben vergeblich. New Game scheint nun umso verlockender.

Dort landet man sofort in einem Camp von Überlebenden, deren erschreckend kleine Zahl hoffentlich noch anwächst. Unser Held, Antiheld oder einfach nur Person zur falschen Zeit am falschen Ort wirkt nicht sonderlich kampftauglich,  dafür  jedoch umso amüsanter. Infected Shelter bietet einen grafischen Mix aus Castler Crashers und Serial Cleaner, bei dem sich 2D-Grafiken auf einer angeschrägten Ebene bewegen.Die Gegner sind recht hübsch, manchmal aber etwas holprig animiert. Die Auswahl beschränkt sich aktuell auf wenige Typen und Biome, was dem Spielspaß keinen Abbruch tut. Die eingangs erwähnten Finisher und die Gewalt an sich mögen geschrieben zwar unangenehm klingen, doch rate ich jedem einen Blick auf den aktuellen Trailer. Mit viel Ironie und Witz wird so ziemlich jedes postapokalyptische Klischee der letzten 15 Gamingjahre aufs Korn genommen.

Die Hintergrundmusik ist überraschend gut, fast schon tiefgründig im Vergleich zum eher witzigen Gesamteindruck. Dennoch ist die Auswahl an Titeln begrenzt. Die Soundeffekte reichen von urkomisch bis völlig unsinnig, sind aber zu keiner Zeit fehl am Platz. Man merkt, dass nur 2 Menschen hinter dem Projekt stecken und der Großteil der Arbeit ins Gameplay fließt.

 

– Gameplay –

Infected Shelter macht einfach irrsinnig viel Spaß. Das ist keine besonders konkrete Beschreibung, aber ein Gefühl was man doch mal erwähnen kann. Außerdem lässt sich gar nicht so viel zum Gameplay erzählen und ihr wollt doch sicher nicht direkt beim Fazit ankommen? Okay, brechen wir die wichtigsten Punkte kurz und straff herunter.

Infected Shelter könnt ihr allein oder mit bis zu 3 Freunden gemeinsam im lokalen Koop-Modus spielen. Dabei rate ich sehr dazu ein Gamepad zu benutzen, da die Steuerung mit Kombos, Würfen und Ausweichrollen an Klassiker wie Streets of Rage oder Indies wie Mother Russia Bleeds erinnert.Aktuell stehen nur 2 distinktive Helden zur Auswahl, die es dann in 3 zufälligen Ausführungen gibt. Zur Wahl stehen das Country-Girl mit Gitarre und der verrückte Opa im Rollstuhl, dessen Enkelin gleichzeitig fürs Schieben und Ausführen der Martial Arts verantwortlich ist. Verzichten müsst ihr aktuell z.B. noch auf den einbeinigen Soldaten, da weitere Charaktere erst in kommenden Updates folgen werden.

Der Nahkampf mit seinen Kombos ist anfangs sehr effektiv, doch damit ihr nicht nur mit bloßen Händen kämpfen müsst, steht eine Vielzahl an Waffen zur Verfügung. Diese erhaltet ihr von besiegten Gegnern, schaltet sie an NPCs frei oder bekommt sie als Entschädigung aus einer Kiste. Diese Box ist sehr hilfreich, da ihr sie nach Abschluss eines jeden Raumes erhaltet und so schon wisst, womit ihr im nächsten Abschnitt loslegen könnt.

Ähnlich wie bei The Binding of Isaac kämpft ihr euch also munter von Raum zu Raum, erledigt Untote, Wildschweine und Soldaten mit einer Auswahl aus Nah- und Fernkampfwaffen, die nicht nur aus Äxten, Schaufeln, Maschinengewehren und Kettensägen bestehen und sammelt dabei allerhand unterschiedliche Dinge als Belohnung ein.So bekommt ihr infizierte Gene, Abzeichen und Blaupausen. Mit den Blueprints schaltet ihr alles frei, was Infected Shelter eurer Spielfigur als Hilfe zur Seite stellt, mit den Genen könnt ihr diese dann aktivieren und wirklich nutzen. Schön ist, dass ihr beim Ableben die Gene und Blaupausen behalten dürft. Die Abzeichen verschwinden komplett, außer euer Charakter besitzt eine spezielle Fähigkeit, die ihn davor bewahrt.

Eure Figur hat Zugriff auf besondere Kleidung, Spezialfähigkeiten, Spezialwaffen, passive, dauerhafte Verbesserungen, Reliquien und und und… Laut Entwickler Dark Blue Games sind es aktuell 150 unterschiedliche Blaupausen, die ihr nach und nach einsammeln könnt, was sehr zur Motivation und zum Spielspaß beiträgt. Was euch da geboten wird, ist stellenweise im wahrsten Sinne zum totlachen.

Bleiben also noch die Abzeichen, mit denen ihr in Shops Gegenstände erwerben könnt, die manchmal auch in bzw. nach Kämpfen zu finden sind. So gibt es Nahrung, mit der ihr euch heilen könnt, spezielle Anhänger die Stats wie Crit-Chance und Ausdauer erhöhen, Waffen und ganz besonders toll: Begleiter.Begleiter sind kleine Tiere, die mit euch herumschweben und in bestimmten Zeitabständen besondere Attacken abfeuern. So löst die kleine Katze beim Gegner Blutungen aus, ein Manta schießt mit elektrostatischen Wellen Blitze und der treueste Freund des Menschen, ein kleiner Hund, schleckt nach erfolgreichem Levelabschluss das Gesicht und heilt dabei HP. Süß!

Mini- und Levelbosse sind natürlich auch vorhanden und stellen euch vor mal mehr, mal weniger lösbare Aufgaben. Ich bin bei meinem zweiten Durchgang bis zum dritten Boss gekommen und hatte das Gefühl, schon außerordentlich mächtig zu sein. Dies heißt nicht, dass ihr einfach durchmarschiert. Es zeigt jedoch, dass die AI aktuell mit ganz bestimmten Taktiken leicht zu überwältigen ist.

Abgerundet wird das Gesamtbild von einigen Geheimräumen und Fallen, sowie einer Vielzahl an Flüssigkeiten, deren Wirkung ihr vor dem Verzehr nicht kennt. Spoiler: ihr werdet garantiert nicht immer geheilt. Solltet ihr auf eurer blutig-absurden Reise in die Jagdgründe eingehen, startet ihr wieder im Camp und wählt einen neuen Helden, um euch erneut schlagend und schießend durch die Gegnerhorden zu metzeln.

 


 

– Besonderheiten –

Wem beim Lesen nicht aufgefallen ist, dass Infected Shelter etwas besonderes ist, dem mag ich hier noch wenige aber spezielle Dinge aufzählen. Fangen wir an mit den bereits mehrfach erwähnten Finishing Moves, die tatsächlich stark an die besten Zeiten von Mortal Kombat erinnern. Wer sich damals alle Finish Hims als Video angesehen hat oder gar den Cheat dafür kannte, weiß worauf ich hinauswill.

Schlagt oder schießt ihr Gegner bis zur Bewusstlosigkeit, können diese mit einem Knopfdruck ausgeschaltet werden. Diese Aktion wird dann mit einem völlig absurden Move belohnt, der brutal klingt, dank der Grafik aber einfach nur witzig wirkt. Außerdem sind damit einige positive Eigenschaften verbunden.So schaltet ihr relativ früh die Fähigkeit frei, HP zu regenerieren, wenn ihr einen Gegner besonders absurd ausschaltet. So kommt ein ständiges „Oh yes“-Gefühl auf, wenn ihr hackt, schneidet oder brutzelt. Wenn man dann noch lokalen Koop dazu nimmt, sind Lacher auf jeden Fall vorprogrammiert, wenn Augen und Gehirne durch die Luft fliegen.

Des weiteren könnt ihr im Verlauf des Spiel Mitstreiter freischalten, die sich dann in eurem Basiscamp tummeln und allerhand Boni bieten. So dürft ihr bereits aus einigen Waffen auswählen, Special-Moves einsacken und garantiert ungetestete aber deutlich verbesserte Flüssigkeiten von einer Forscherin mitnehmen.

Zu guter Letzt möchte ich positiv hervorheben, wie absurd witzig das gesamte Spiel ist. Sei es die Fähigkeit Adler herbeizurufen oder der Kettensägenschwingende Großvater im Rollstuhl, die Möglichkeit, Köpfe und Arme als Waffe einzusetzen oder eine schwebende Sardine zu beschwören – nichts nimmt sich hier zu ernst.

 


 

– Support –

Nur zwei Entwickler stecken hinter dem kleinen ungarischen Studio Dark Blue Games: Lajos Nádasi und Zoltán Ruzsányi sind verantwortlich für alle Aspekte des Spiels und haben dementsprechend viel zu tun. So amüsant wie das Spiel ist auch die Tatsache, dass ihre bisherigen Titel eher an Hidden Object Games oder bekannte Browserspiele erinnern, die kaum unblutiger sein könnten.

Leider existiert daher auch kein Discord und jegliche Kommunikation findet über das Steamforum statt. Dies geschieht allerdings schnell und zufriedenstellend. Inwieweit sich der Titel noch entwickelt, lässt sich daher aktuell schlecht abschätzen. Wie bei anderen Indies muss man auch hier mit mehr Zeitaufwand und der damit nötigen Geduld rechnen.

Dies schlägt sich dann bisweilen in einigen Bugs nieder, die auch mir in einigen Runs aufgefallen sind. Meist war es nichts gravierendes, doch ist hier ganz klar die Hilfe der Community gefragt, da bei aktiver Entwicklung häufig kaum Zeit für Test und Polish übrig bleibt. Inwieweit das Team dahingehend erweitert werden kann, bleibt abzuwarten.

 

– Fazit –

Infected Shelter ist ein kleiner Titel mit viel Herz und Humor. Das Ziel, eine witzige Kombination aus großen Vertretern unterschiedlicher Genres in ein Roguelite zu gießen, ist eine ambitionierte Aufgabe für ein so kleines Team. Gemessen an meiner initialen Begeisterung kann ich jedoch bestätigen, dass das Projekt auf einem sehr guten Weg ist.

Das Gameplay ist, wie bei anderen Roguelikes üblich, repetitiv aber spaßig und herausfordernd. Die schiere Vielzahl an freischaltbaren Goodies, Skills und Waffen ist motivierend und lädt dazu ein, unterschiedliche Spielstile anzuwenden. Nutze ich eher den Nahkampf und überlegene Kombos oder bleibe ich auf sicherer Distanz? Die Wahl liegt beim Spieler.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung“ klicken. Wahnsinn!

Einzig die Zahl an vorhandenen Fehlern, die eingeschränkte AI und noch eher geringe Zahl an Biomen und Gegnertypen trübt den Spielspaß ein wenig. Dafür besteht die Möglichkeit, zu einem kleinen Preis mit bis zu 3 Freunden gleichzeitig auf der Couch wahnwitzige Kämpfe und geradezu absurde Momente zu erleben, die garantiert für einige unterhaltsame Abende sorgen werden. Finish Him!

 


 

 


 

Faust

Über Faust

Angefangen mit Master System, SNES und Playstation, fand irgendwann auch der PC Einzug in mein Wohnzimmer und ist seitdem mein Favorit wenn es um Videospiele geht. Ich liebe Klassiker wie Suikoden, Vandal Hearts und Final Fantasy, bin aber auch immer an neuen Titeln interessiert. Multiplayer sind nicht meine Stärke, daher spiele ich lieber RPGs, Aufbaustrategie und generell alles mit einer guten Story. Indie Games und Pixel Art haben einen besonderen Platz in meinem Herzen und Kickstarter kann man getrost als mein zweites Zuhause bezeichnen.

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