Halcyon 6
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VN:F [1.9.22_1171]

Halcyon 6

Sci-Fi Management im RPG-Stil

 

Halcyon 6 hat eine Menge Fleisch auf den Rippen mit all seinen RPG-Elementen, dem Basenbau sowie dem sehr weitläufigen Technologiebaum. Dabei kommen humorvolle Dialoge in einem ansprechenden Universum nicht zu kurz. Wo ich allerdings aktuell eine Problemstelle sehe und wo Halcyon 6 dagegen punktet, das erfahrt ihr jetzt.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine finale Version handelt, da dieses Spiel den Early Access verlassen hat. Unsere Wertung ist ebenfalls endgültig und wird sich nicht mehr ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Wichtige Informationen zu unserem Bewertungssystem gibt es hier.

 


 

– Präsentation –

Optisch setzt Halcyon 6 auf den inzwischen altbewährten Pixellook, der in diesem Fall allerdings nennenswerte Einschläge in bestimmte Richtungen vermissen lässt. Das Spiel schafft es nicht, durch eine clevere Farbauswahl oder einer Liebe zum Detail herauszustechen, sondern liefert nur die gewohnte Pixelkost.

Das heißt, dass das meiste Spielgeschehen sehr statisch bleibt, da alle Hintergründe und Geschehnisse nur sehr regungslos präsentiert werden. Egal ob nun auf der „Weltkarte“ oder in Gefechten – zu keinem Zeitpunkt wirken Schauplätze oder Gefechte lebendig. Halcyon 6 sieht zwar gut aus, in meinen Augen gehört zu guter Pixelart aber inzwischen mehr.

Klanglich bietet das Spiel den üblichen, Sci-Fi-lastigen Soundtrack, der Stimmung machen soll.Dabei bekommt man nichts außergewöhnliches zu hören, eher die Genretypische Kost. Etwas besser sind da die einzelnen Geräusche der Effekte während der Raumschlachten. Hier hat jeder Waffentyp seine eigenen Sounds – und diese machen gut etwas her.

Allerdings hört man sich an ihnen schnell satt, da schon in einzelnen Kämpfen die immer selben Geräusche zur Last werden. Die klangliche Präsentation ist solide, mehr aber auch nicht. Technisch läuft Halcyon 6 ausgezeichnet und macht keinerlei Probleme.

 

– Gameplay –

Halcyon 6 gibt uns von Anfang an nahezu alle Werkzeuge in die Hand und setzt wenig auf vorgeschriebene Wege. Wir haben unsere Raumstation, die gemütlich eine Sonne umkreist, und lernen Schritt für Schritt, welche Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen – und das sind nicht wenige. Viel Zeit verbringen wir dabei, recht trocken, beim reinen Verwalten unserer Basis, des Personals und dergleichen.

Dabei werden wir sehr stark an XCOM erinnert: unsere Raumstation hat nämlich mehrere unbesetzte Räume, die wir von unseren Offizieren erst freiräumen lassen müssen, ehe wir dann Strukturen darin errichten können. Hier können uns jedoch die ersten Überraschungen ereilen, was dann direkt zu den ersten Kämpfen führt.

Abseits der Gefechte in Raumschiffen haben wir nämlich auch Kämpfe gegen Aliens mit unseren Fußtruppen. Diese unterscheiden sich jedoch nicht von den Raumgefechten, da Halcyon 6 auch hier auf eher langatmige Rundenkämpfe im Stile eines alten Final Fantasy setzt. Sprich: es gibt eine Zugreihenfolge (die leider nicht einsehbar ist!) und sobald unsere Charaktere an der Reihe sind, dürfen sie eine ihrer Fähigkeiten einsetzen.

Das ganze wirkt sehr runtergebrochen, da jeder Charakter (oder auch jedes Schiff) maximal eine Hand voll Fähigkeiten hat, die sich dazu meistens nicht einmal nennenswert voneinander unterscheiden. Zwar gibt es bestimmte Debuffs, die wir unseren Gegnern auferlegen können – richtig viel Spannung mag sich bei den Gefechten jedoch nicht einstellen.

Selbst wenn sich im späteren Spielverlauf mehrere Schiffstypen in unserem Hangar tummeln und die Anzahl der einzelnen Fähigkeiten beeindruckend wirkt – am Ende ist es doch nur wieder ein Laser oder eine Rakete, die halt Schaden verursacht. Die einzelnen Statuseffekte sind zu wenige, um wirklich ins Gewicht zu fallen und das Gameplay ist zu langatmig, um im Stile eines FTL wirklich Spannung zu erzeugen.

Neben dem Basenbau haben wir noch einen ziemlich komplexen Technologiebaum, der mehr Gebäude, bessere Schiffe und auch sonst allerlei Boni ermöglicht. Dabei ist etwas befremdlich, dass außer nötigen Ressourcen keinerlei Zeitaufwand nötig ist, um die neuen Technologien zu erhalten. Der Technologiebaum wirkt so eher wie ein Laden, der uns bei genug Rohstoffen alles hergibt und weniger wie etwas, dass wir uns erarbeiten und erforschen.

Die Verwaltung unseres Personals ist ein zusätzliches Thema, welchem wir uns stellen müssen, allerdings ist auch hier nicht alles ausgeglichen. Zwar haben wir unsere Offiziere, die sich auch auf die Gebiete Taktik, Ingenieurswesen und Wissenschaft verteilen, doch im wesentlichen bestimmt das nur, welche Raumschiffe sie steuern können. Da Technologie nicht erforscht wird und auch für den Schiffsbau keine Ingenieure benötigt werden, wirken diese Aufteilungen eher unnütz.

Insgesamt wirkt das Spielkonzept dann aber doch recht zufriedenstellend. Indem wir Notrufen anderer Planeten(Kolonien) nachkommen, erweitern wir sozusagen unser Netzwerk. Denn: gerettete Kolonien dienen uns fortan als Ressourcen-Lieferanten. Von selbigen gibt es übrigens drei Stück: Material, Öl und dunkle Materie. Befremdlich ist bei diesem System allerdings, dass wir die Rohstoffe persönlich von den Kolonien abholen müssen, da ein automatischer Ressourcentransport nicht stattfindet.

Zwar wiederholen sich bestimmte Schemata recht häufig, da grundsätzlich irgendwelche Piraten einen Planeten ‚belagern‘ und man uns um Hilfe bittet, doch gelegentliche Highlights lockern das Geschehen etwas auf. So habe ich nach mehrfachen Gefechten mit der Bande eines Piraten ein sehr lukratives Angebot von eben selbigem Bandenboss erhalten, welches meine ganzen Missionsziele etwas auf den Kopf gestellt hat. Hier verstecken sich einige tolle Momente hinter einer Fülle von zufallsgenerierten Gegnerbewegungen und Hilferufen.

 


 

– Besonderheiten –

Ich habe es beim Gameplay schon erwähnt: die Schlachten funktionieren nicht wirklich. Doch warum? Zunächst wird das gewählte System dem Spielverlauf nicht gerecht. Ich sitze schon die meiste Zeit da, kämpfe mich durch teilweise sehr unübersichtliche Menüs und muss mich mit wirklich trockenem Management befassen (was toll ist!). Wenn dann eine Schlacht losgeht, ist ein Ausgleich gefragt – und den liefert Halcyon 6 nicht.

Denn die Kämpfe bleiben ebenfalls staubtrocken und das geht sogar soweit, dass mir irgendwann eigentlich egal ist, welche Fähigkeiten ich einsetze. Hauptsache ich lasse den Kampf schnell hinter mir. Da kommt aber dann auch das zweite Problem zum Tragen: meine Offiziere und deren Schiffe sind „Gesichtslos“. Zwar versucht das Spiel mir zu vermitteln, dass mit zunehmender Dauer der Offizier sein Schiff besser beherrscht und dass neue Crewmitglieder dazukommen, die passive Boni gewähren.

Doch davon sehe ich nichts, das sind am Ende nur Zahlen auf dem Papier, die meine Schiff in recht unbedeutenden Gefechten „besser“ machen. Der Bezug ist nicht gegeben. Ich möchte ein Schiff bauen, welches für einen Taktiker gedacht ist? Dann hole ich mir eben einen Taktiker – welcher das am Ende ist, wie er aussieht und was er kann interessiert mich eigentlich nicht, weil das Spiel mir gar keinen Grund dazu gibt.

Ich sage es ungern, aber der an XCOM angelehnte Basenbau steht weit im Schatten seines Vorbilds. Das liegt einfach gesagt daran, dass Halcyon 6 es nicht schafft, die richtigen Enden miteinander zu verknüpfen. Warum können meine Wissenschaftsoffiziere denn nichts zu ihrem im Namen steckenden Gebiet beitragen? Warum wird mein Personal nur darauf beschränkt, Schiffe zu bemannen oder eben Räume zu durchsuchen um gegebenenfalls mal ein Alien zu töten?

Zwar bringen mir einige der Räume am Ende greifbare Boni und die ausgebaute Basis macht natürlich etwas her, auch da sie ein Teil meines Fortschritts darstellt. Doch insgesamt betrachtet fühlt es sich wie ein Gameplay-Element an, welches in den Mix geworfen wurde, ohne sinnvoll mit dem Rest verknüpft zu sein.

Halcyon 6 wirkt auf mich persönlich ziemlich unübersichtlich. Alle Menüoptionen sind oben links in kleinen Symbolen nebeneinander gequetscht und weiterführende Fenster zeigen einem nicht immer gut ersichtlich, was an Informationen/Aktionen gegeben ist. Ähnlich sieht es auf der „Weltkarte“ aus – ein Wirrwarr aus Logos allerlei Schiffe macht es sehr schwer den Überblick darüber zu behalten, wo die eigene Flotte eigentlich gerade ist oder welche Planet eigentlich gerade nach Hilfe gerufen hat. Hier habe ich mich öfter im Stich gelassen gefühlt und habe mehr Zeit investieren müssen, als mir lieb wäre.

Gelegentlich bekommen wir auf unserer Raumstation Besuch von anderen Lebensformen. Diese Aliens senden dann jemanden zu uns, der sich mit uns unterhält oder eine Aufgabe für uns hat. Die Dialoge sind dabei ziemlich unterhaltsam, allem voran weil Halcyon 6 sich hier nicht mit einer ernsten und epischen Geschichte hinstellt. Wirkliche Diplomatie ist nicht gegeben, immerhin bekommen wir jedoch gelegentlich Quests von unseren Außerirdischen Mitstreitern.

 


 

– Fazit –

Auch wenn Halcyon 6 nicht in jedem Bereich restlos überzeugt, bietet es doch eine ziemlich gute Mischung. Der Basenbau bietet zwar nicht die ganz große Tiefe, sorgt aber für einen guten Fortschritt. Der Technologiebaum ist etwas eindimensional gestrickt, liefert jedoch gute Verbesserungsmöglichkeiten. Das Crewmanagement bleibt insgesamt etwas zu blass und greift zu wenig in andere Spielelemente ein und die Gefechte werden dem restlichen Spielverlauf nicht gerecht, allem voran da sie nicht genug Abwechslung mitbringen.

Meine Empfehlung: wer nichts gegen ein trockenes Spielerlebnis voller Inhalte hat, die meistens unabhängig voneinander agieren, der findet hier ein sehr tolles Spiel. Wer dagegen spannendere Gefechte braucht oder wem das alles noch etwas zu unkoordiniert wirkt, sucht hier leider vergebens, auch nach Release hat sich an den Mankos nicht viel geändert.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Ich weiß, die Review liest sich wie eine schlechtere Wertung. Doch ich wollte gezielt auf die vielen, kleinen Problemchen eingehen, die Halcyon 6 mit sich herumträgt. Die Wertung kommt so zustande, weil das Spiel a) schon eine ordentliche Menge Inhalt bietet und b) viele der Spielelemente durchaus ihren Reiz haben. Zwar bieten Spiele wie XCOM das bessere Management und die bessere Taktik und Titel wie FTL liefern auf jeden Fall die spannenderen Raumschlachten – doch Halcyon 6 tanzt auf mehreren Hochzeiten und liefert damit ein starkes Paket, auch wenn selbiges unter seinen Möglichkeiten bleibt.

 


 

 


 

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