Hades
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Hades

Hydra sehen und sterben.

 

Willkommen zur antiken Seifenoper göttlichen Ausmaßes. Auftritt Zagreus. Sohn, Prinz und Halbgott in einem, hat genug vom immer gleichen Trott der Unterwelt. Er bricht aus. Sein Vater Hades, seines Zeichens Gott, Herrscher und passenderweise Namensgeber für Totenwelt und Supergiants neuesten Titel, ist unerbittlich und verständnislos. Ganz im Gegenteil dazu steht die gut gelaunte und schillernde Verwandtschaft vom Olymp, die dem Jungspund mit Rat, Tat und Intrigen zur Seite steht.

Doch von der Bühne zurück zum eigentlichen Spiel: Hades. Supergiant betreten mit ihrem aktuellen Titel direkt drei neue Terrains: Early-Access, Roguelike Dungeon Crawler und das exklusive Erscheinen im Epic Store. Soviel kann ich schon vorab sagen: Erfolg auf ganzer Linie. Supergiant wachsen erneut über sich hinaus.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Wem bereits beim Genre die Motivation abhanden kam, dem rate ich dranzubleiben. Hades ist zwar ein Roguelike oder eher “lite” mit allem was man davon erwartet: hektisches Gameplay, zufällig generiert, sterben, sterben, sterben… Doch schafft es Supergiant erneut, dies in eine Sage einzubetten, deren Verlauf und Ausgang man mit Spannung und Interesse verfolgt.

Um der eingangs losen Geschichte einen passenden Rahmen zu geben, führe ich die Handlung noch ein wenig aus. Zagreus will erreichen, was vor ihm noch keinem gelang: seinen Vater überwinden und die Unterwelt verlassen. Dieser wirft ihm neben Spott und bitterbösen Worten auch eine Vielzahl an Gegnern vor die Füße.Hinter dem versuchten Ausbruch steckt allerdings mehr als jugendlicher Freiheitsdrang. Im Laufe eures wiederkehrenden Abenteuers erschließt sich immer deutlicher, warum jeder, auch die pompöse, strahlende und nicht zuletzt überhebliche Verwandtschaft eure wiederholten Anläufe nicht nur mit Worten unterstützt. 

Jedem, selbst eurem unerwartet zutraulichen Schoßtier Cerberus, wird dabei eine Stimme verliehen. Eure Bande zu den einzelnen Figuren wachsen oder werden zumindest glaubhaft erklärt. Dabei muss man kein Doktorand für antike Geschichte sein, um sich in der Unterwelt wohlzufühlen.

Da ist euer Ausbilder Achilles, dessen Erfahrung aus hunderten Schlachten im Kampf gegen die lebendigen Untoten hilft, während ihr mit Dionysos trinkt, Aphrodite schöne Augen macht und Sisyphos über seine Abenteuer mit dem Felsen ausquetscht. Jeder hat etwas zu erzählen und es wird nie das gleiche sein. Aber dazu später mehr.

Was wäre eine Mär über den Prinz der Totenwelt, wenn man diese nicht bestaunen könnte? In liebevoller Kleinstarbeit wurde, ganz wie man es auch von Supergiants restlichen Titeln gewohnt ist, nicht mit wunderschönen Grafiken gespart. Handgezeichnete 2D-Hintergründe, Figuren und Ebenen überzeugen mit Details, stimmigen Farben und nahtlosen Übergängen.

Tartaros, der dunkle Start eurer Reise, wirkt wie eine monumentale Krypta, voll mit Geistern und gequälten Seelen. In der nächsten Ebene findet ihr euch an den flammenden Ufern des Pyriphlegethon wieder, voll mit Lava, Explosionen, Qualm – und weiteren gequälten Seelen.Jede Kleinigkeit ist animiert, die Modelle der Gegner wirken flüssig und nicht auf einer Ebene platziert, einzig manche Kampfanimation unseres Helden könnte noch ein wenig Polishing vertragen. Für einen Early Access Titel ist dies aber bereits das Sternchen an der eins.

Ohne Sound kann die Kulisse auch noch so schön sein, der Funke wird nicht überspringen. Darren Korb. Wer bereits andere Titel von Supergiant gespielt hat, wird diesen Namen bereits schätzen und lieben. Allen anderen kann ich nur raten, den Originalsoundtrack einmal ohne die Hektik des Spiels zu genießen.

Progressive Rockelemente wechseln sich mit traditionellen Instrumenten ab und erzeugen einen ganz eigenen Stil, der wundervoll zu der vielschichtigen und komplexen Welt von Hades passt, doch auch die Soundeffekte müssen sich nicht hinter der großartigen Musik verstecken.

 

– Gameplay –

Im Kern hält sich Hades an die bekannten und erfolgreichen Grundbausteine vieler Roguelikes. Den Spieler erwarten zufallsgenerierte Räume mit immer stärker werdenden Gegnern und Bossen. Zagreus kann – vorzugsweise mit einem Controller – angreifen, mit einem Dash ausweichen und segnet das Zeitliche, sobald seine Lebenspunkte auf 0 sinken.

Nicht nur Monster sondern auch Fallen zerren an seiner Lebensleiste. Währenddessen sammelt man fleißig Dunkelheit, Schlüssel und Gold, deren Nutzung Zagreus noch gottgleicher machen. Für Fans des Genres ist nun bereits alles geklärt, eine detaillierte Betrachtung des Spielablaufs schadet dennoch nicht.

Es beginnt bei der Wahl eurer Waffe. In der aktuellen Version kann der Spieler aus bis zu 5 verschiedenen und unterschiedlichen Mordwerkzeugen wählen, die alle der griechischen Mythologie entlehnt wurden. So könnt ihr den mächtigen Bogen Heartseeker auswählen, um Feinde auf Distanz zu halten, einen Schild, um eingehende Attacken zu blocken oder einfach zu Zagreus Standardschwert greifen.

Wie alles in Hades wurden auch eure Gegner an bekannte Gegenstücke aus der Mythologie angelehnt. Verlorene Seelen, fliegende Totenköpfe und Kentaurenköpfe sind aktuell Bestandteil des noch wachsenden Kaders Hades’ und stellen euch vor unterschiedlich schwierige Situationen. In eurem Versuch, der Unterwelt zu entkommen, besteht jedoch keine Möglichkeit, eure Waffe zu wechseln.

Dies mag auf den ersten Blick sehr begrenzt erscheinen, stehen euch doch nur eine Attacke, ein aufgeladener Angriff und eine Spezialaktion zu Verfügung. Tatsächlich sind diese 3 Kernkomponenten bereits genug, um Spaß aufkommen zu lassen. Tragt ihr z.B. den Speer, so sticht Zagreus bei einem normalen Angriff zu, erzeugt bei einer Aufladung einen kurzen Wirbel und kann beim Spezial den Speer in gerader Linie werfen und zurückrufen.

Richtig interessant wird es aber erst, wenn eure Aktionen durch göttlichen Beistand beeinflusst werden. Wie das funktioniert? Nach jedem abgeschlossenen Raum gibt es eine zufällige Belohnung, deren Art ihr bereits am Symbol erkennen könnt. Neben der Chance auf Heilung, erhöhte Maximallebenspunkte oder Gold, das ihr z.B. beim wortkargen Charon gegen nützliche Dinge eintauscht, belohnen euch die Götter des Olymps mit nützlichen Traits, die euren Spielstil nicht nur beeinflussen, sondern komplett verändern.

Plötzlich kann Zagreus den Schuss seines Bogens nicht mehr aufladen, schießt aber deutlich schneller und stößt Gegner weg. Der Block des Schildes schützt nur kurz, reflektiert aber jeglichen Schaden, oder eure Angriffe vergiften die Gegner und töten über Zeit.

Ich hatte bisher kaum Durchgänge, in denen sich mein Build, also die Zusammenstellung von Waffe und Traits, glich. 5 Waffen und aktuell 7 Götter, hinzu kommen weitere Veränderungen, die ich euch noch nicht verraten möchte – da bleibt eine Menge Platz für Individualisierung. Zu Beginn werdet ihr sicher häufiger den Anfang sehen.

Fähigkeiten sind verschieden und nicht jeder wird beim ersten Boss so oft das Zeitliche segnen wie ich es tat, doch ereilt euch der Tod manchmal schneller als erwartet. Wieder am Anfang, stärkt ihr euren Charakter mit den gesammelten Gegenständen, schaltet dauerhafte Boni und Waffen frei, lernt aus euren Fehlern und beginnt motiviert von vorn, denn dies ist der Kreislauf eines guten Roguelikes.

Glücklicherweise behaltet ihr beim Tod nicht nur all eure gesammelten Essenzen, eure Schlüssel und das Gold, ihr spielt auch einen weiteren, sehr wichtigen und faszinierenden Aspekt von Hades frei: die Story.  Jeder Fortschritt im Spiel hat nicht nur Auswirkungen auf eure Fähigkeiten, er treibt auch die Geschichte voran, die ich eingangs erwähnt habe. Die Integration der Geschichte in das Gameplay ist so gut, dass ich euch gern im Unterpunkt Besonderheiten mehr davon erzählen möchte.

 


 

– Besonderheiten –

Wie bisher jeder Titel von Supergiant eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte, geht es den Kaliforniern immer darum, den Spieler mit einer Geschichte in den Bann zu ziehen. Dies mag gerade bei einem Roguelike Dungeon Crawler nicht sonderlich leicht erscheinen, doch schafft Hades den Spagat zwischen Grind und Story mit Leichtigkeit.

Ihr besitzt im Spiel einen Kodex, sozusagen eine Enzyklopädie all der Dinge, Personen und Gegner, mit denen ihr in Kontakt kommt. Erschlagt ihr eine gewisse Anzahl an Gegnern, erfahrt ihr mehr über die Waffen und Monster; redet ihr mit Göttern und anderen Gestalten, entfaltet sich deren ganz eigene Geschichte.Das Interessante daran ist, dass ihr im Kodex seht, wie oft ihr erneut in Kontakt treten müsst, um mehr zu erfahren. Im Gegensatz zu anderen Spielen lest ihr dann allerdings nicht wieder und wieder die gleichen Nachrichten. In meiner bisherigen Spielzeit habe ich noch keinen(!) doppelten Satz gelesen.

Stattdessen teilt jeder Bewohner von Unterwelt und Olymp seine ganz eigene Beziehung zu euch. Manche der Götter reden schlecht über ihre Verwandten, einige treiben womöglich auch ein falsches Spiel mit euch. Ein Boss, an dem man wiederholt scheitert oder der irgendwann keine Gefahr mehr darstellt, reagiert anders auf euch und hat ebenso neue Worte wie euer verfluchter Vater Hades selbst, hinter dessen Abneigung gegen eure Flucht mehr steckt, als es zuerst den Anschein haben mag.

So hat man nicht nur den Ansporn, mehr Gegner zu erschlagen, man möchte ganz nebenbei auch noch seinen Kodex füllen und alle Verwicklungen offenbaren, die hinter der wunderschön gestrickten Geschichte stecken.

Sicherlich haben einige von euch bereits den Begriff Ambrosia gehört, der Speise der Götter, die häufig auch als Trank vorkommt. Nun, tatsächlich ist sie nicht nur bei Göttern sondern allen Bewohnern von Olymp und Unterwelt begehrt. Gelangt ihr in euren Durchgängen an eine dieser seltenen goldenen Flaschen, könnt ihr bei jedem Charakter im Spiel etwas dafür ertauschen. Was genau verrate ich im Einzelnen nicht, doch werden diese Gegenstände eine große Hilfe im Kampf gegen die Scharen der Unterwelt sein.Neben der Möglichkeit des Aufbesserns haben sich die schlauen Köpfe von Supergiant noch etwas anderes einfallen lassen. Jedes Mal wenn ihr es aus der Unterwelt geschafft habt, bekommt ihr eine weitere, einzigartige Ressource. Diese könnt ihr benutzen, um die Gegner stärker zu machen. Ja, richtig gelesen. Ihr erschwert euch selbst den Run, indem ihr den Gegnern mehr Hitpoints, Schilde und Schaden verpasst. Im Umkehrschluss erhaltet ihr dafür mehr Dunkelheit und könnt Zagreus verstärken. Motivation für alle jene, denen schwer nicht schwer genug ist.

Zu guter Letzt muss und möchte ich hier erneut den Soundtrack erwähnen. Viele Spiele haben eine nennenswerte Begleitung, doch Darren Korb hat für Hades Songs erschaffen, die es wert sind, als Besonderheit aufgeführt zu werden. Sei es der überraschend tanzbare Zwist von Wretched Shades, Orpheus’ traurige Klage im Namen seiner Geliebten oder die spürbar stärker werdenden Anstrengungen auf dem Fluss der Flammen, dieser Soundtrack ist auch abseits von Hades ein Genuss für die Ohren.

 


 

– Support –

Dies ist der nunmehr vierte Titel des bekannten Indie-Entwicklers Supergiant Games, jedoch mit zwei Besonderheiten. Keiner der vorherigen Titel war im Early Access und somit so massiv abhängig von dem Input der Community. Zeitgleich befindet sich Hades aktuell nicht auf Steam sondern verbleibt bis zum Erscheinen der Vollversion exklusiv im Epic Store.

Letzteres bedeutet für einige Spieler allerdings auch den erschwerten Zugang, um Feedback zu hinterlassen, denn bisher bietet Epic keine Nutzerreviews an. Um dem vorzubeugen, sind weitere Kanäle, allen voran Discord, besonders im Fokus des Entwicklerteams. Feedback ist gewünscht, gewollt, gefordert.

Wäre dies das Erstlingswerk eines aufstrebenden Entwicklerteams, würde ich mir Sorgen um den Fortlauf des Spiels machen. Dies allerdings sind passionierte und erfahrene Indie-Entwickler, was sich leicht an ausführlichen Patch-Notes, einer Roadmap und regelmäßigen Entwicklertagebüchern ablesen lässt.

Bisher ist das Spiel etwa zur Hälfte abgeschlossen. Zwei der vier möglichen Territorien kommen noch hinzu, sowie einige Waffen und Götter. Der endgültige Release ist leider erst für Anfang 2020 angesetzt, spiegelt aber auch die realistische Herangehensweise von Supergiant wider.

 

– Fazit –

Schon die Länge der Besonderheiten lässt im Kern darauf schließen, wie speziell Hades ist. Als Mischung aus Bastion und Dead Cell verbindet es die Stärken von beiden, indem tiefgründige Erzählung und süchtigmachendes Gameplay eine Einheit bilden.

Die Grafik strotzt nur so vor Details und lässt manch amüsante Situation zu, während ihr euch durch eine Vielzahl von wunderschön animierten Gegnern kämpft oder einen Plausch mit euren Fürsprechern haltet, stets begleitet von einem einzigartigen Soundtrack.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung“ klicken. Wahnsinn!

Die Erzählung ist nicht zuletzt ein Kernbestandteil von Hades, denn im Gegensatz zu so vielen Roguelikes dort draußen, könnt ihr hier wirklich eine Geschichte freischalten und miterleben, während die Finger bereits die nächste Runde gestartet haben.

Hades ist einer meiner Favoriten für 2019 und kann bis zu seinem Erscheinen nur noch besser werden. Der Inhalt, die Qualität und nicht zuletzt der Preis sind bereits jetzt auf einem Niveau, das andere, abgeschlossene Titel gern erreichen würden. Supergiant ist erneut über sich hinausgewachsen und hat gigantisches vollbracht.

 


 

Faust

Über Faust

Angefangen mit Master System, SNES und Playstation, fand irgendwann auch der PC Einzug in mein Wohnzimmer und ist seitdem mein Favorit wenn es um Videospiele geht. Ich liebe Klassiker wie Suikoden, Vandal Hearts und Final Fantasy, bin aber auch immer an neuen Titeln interessiert. Multiplayer sind nicht meine Stärke, daher spiele ich lieber RPGs, Aufbaustrategie und generell alles mit einer guten Story. Indie Games und Pixel Art haben einen besonderen Platz in meinem Herzen und Kickstarter kann man getrost als mein zweites Zuhause bezeichnen.

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