Factory Town
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Factory Town

Die gesellschaftliche Evolution

 

Ein kleines und beschauliches Dorf inmitten des satten Grüns, einfache Leute, die ihrem Tagwerk nachgehen. Schon viel zu lange ist diese Situation dem Bürgermeister ein Dorn im Auge, Stagnation statt Fortschritt. Nach vielen schlaflosen Nächten, hat er die entscheidende Idee; das Dorf muss sich zu einem Industriestandort entwickeln.

Baumaterial rauscht über die Rutschen, Holzstämme ins Sägewerk und Gestein zum Steinmetz, die erste Grundversorgung ist gesichert. Die Produktion der Fließbänder läuft auch schon. Der Blick aus dem Rathaus gefällt dem Bürgermeister, das Dorf hat sich weiterentwickelt. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sie sich Factory Town nennen können.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Beim Start des Spiels erscheint sofort das Hauptmenü, im Hintergrund dreht sich fröhlich eine Kostprobe einer Karte. Ein kleines Idyll, was nur darauf wartet ausgebeutet zu werden. Die Rohstoffe werden dringend in der Stadt benötigt, um den Wohlstand und die Zufriedenheit der Einwohner zu sichern.

Im Menü können zahlreiche Dinge eingestellt werden, angefangen bei der Grafik und dem Audio, bis hin zum Interface und Gameplay. So kann das Spiel an die jeweilige Leistung des Computers angepasst werden. Auch wenn Factoy Town auf den ersten Blick nicht allzu viele Ressourcen für sich beansprucht, ist es gut, diese Optionen zu haben.

Factory Town selbst präsentiert sich in einem bunten, jedoch schlichtem Design. Üblich für Strategiespiele wird alles Isometrisch dargestellt. Die Kamera lässt sich dabei beliebig ausrichten, so können die zahlreichen Details im Spiel entdeckt werden. Oder man verschafft sich einen Überklick über die Produktionsstätten und tüftelt weiter daran herum.

Allgemein geht der Look in Richtung Comiclook, dabei ist alles stets übersichtlich und klar zu erkennen. Das Interface zeigt alle wichtigen Infos auf einen Blick an. Trotz der zahlreichen Ressourcen, welche sich im Spiel befinden, wird hier eine angenehme Waage gehalten. Durch eine clevere Suchfunktion, können Gebäude sehr schnell gefunden und errichtet werden.

Im unteren Bereich befindet sich eine frei definierbare Leiste. Es können bis zu neun Gebäude oder Funktionen, wie Geländeanpassung, dort abgelegt werden. So kann man alles im Handumdrehen an seine Bedürfnisse anpassen. Unten links befinden sich die Grafiken zur Wirtschaft und aktuellen Produktion, beides ist im späteren Verlauf sehr wichtig, um den Überblick zu waren.

Leider sind die Produktionsstätten selber etwas wenig animiert. Trotz der Grafik, welche auch an die Siedler Reihe erinnern kann, entsteht so nicht das Bedürfnis stundenlang dem Spiel zuzusehen. Jedoch herrscht schnell Wusellei im Spiel, da die Einwohner eine tragende Rolle im Wirtschaftssystem spielen, dazu unter Gameplay genaueres.

Gleich zu Beginn des Spiels, wird einem schöne und äußerst passende Musik um die Ohren gehauen. Dabei sind die Titel abwechslungsreich und nicht zu schnell nervend. Naturgemäß hat man dennoch nach einer gewissen Zeit alle Titel gehört. Glücklicherweise lässt sich diese in den Audio Optionen frei einstellen, gleiches gilt für Soundeffekte.

Im Grafikmenü können überraschender Weise viele Dinge eingestellt werden, auch wenn Factory Town nicht zu den Spielen gehört die eine hohe Anforderung an die Hardware stellen. Zudem läuft das Spiel sehr stabil, zu keiner Zeit gab es Abstürze oder FPS Einbrüche. Bugs oder andere Fehler sind auch nicht vorhanden, bzw. nicht aufgefallen.

 

– Gameplay –

Direkt zu Anfang hat man in Factory Town die sprichwörtliche Qual der Wahl, es gibt zwar bislang nur einen Spielmodus, Survival, aber die Karte, worauf gespielt werden möchte, kann bis ins kleinste Detail angepasst werden. Angefangen vom Kartentyp mit groben Beschreibungen, ist es möglich die eine Karten im Spiel eigenen Editor zu erstellen.

Je nach gewählten Kartentyp unterscheidet sich die Spielweise und auch der Schwierigkeitsgrad, so ist eine flache Karte deutlich einfacher zu bebauen, als eine Gebirgslandschaft mit Seen und Flüssen. So kann jeder die Herausforderung nach seinen Wünschen und Vorstellungen anpassen, hinzu kommen unterschiedliche Kartengrößen.

Ist die Wahl getroffen, geht es auch schon ans Spielen. Das Rückgrad des Wirtschaftssystems, sind die Einwohner, welche mit den verschiedensten Dingen versorgt werden wollen. Je nach Versorgungsgrad werden die unterschiedlichen „Tiers“ freigeschaltet. Dabei spielt das Rathaus eine tragende Rolle, dieses wird immer geupradet und stellt so das nächste „Tier“ zur Verfügung.

Die ersten Stufen stellen dabei eine geringe Herausforderung dar. Mit jedem „Tier“ steigt der Anspruch und das Abverlangen des Spiels spürbar an. Factory Town schafft dabei den Spagat zwischen einsteigerfreundlich und bleibt für Veteranen dennoch interessant. Im späteren Verlauf wird es immer schwieriger die Übersicht zu behalten, daher ist eine gute Planung sehr wichtig.

Ob das nächste „Tier“ erreicht werden kann, hängt nicht nur von den verfügbaren Ressourcen ab, welche immer variieren, sondern auch von der Zufriedenheit der Untertanen. Um möglichst zufriedene Einwohner zu haben, müssen die Bedürfnisse nach Nahrung und Baustoffen befriedigt werden.

Einfache Nahrungsmittel, wie Mehl, stellen die Einwohner nicht so zufrieden, wie Brot. Bemerkbar macht sich das im Verbrauch der Ware und dem Zugewinn an Geld. Denn jede Ware, welche den Bürgern zur Verfügung gestellt wird, wird durch Steuereinnahmen vergolten. Die Bevölkerung kann jedoch nur eine gewisse Menge aufnehmen.

Das heißt, es können nicht hunderte von Brote in den Markt gepumpt werden, Dieser hat eine Kapazitätsgrenze und wenn diese erreicht ist, nimmt er keine Ware mehr an. Ebenso wie das „Tier“ für Gebäude, gibt es das auch für Ware. Mehl ist zum Beispiel nur „Tier“ eins, Brot hingegen „Tier“ zwei. Je höher das „Tier“, welches man erfüllt, desto zufriedener sind die Bürger.

Ein Marktplatz hat einen Einflussradius, in dem er die Ware mit welcher er beliefert wird, an die Bewohner abgeben kann. Dabei gibt es keine Transportwege, d.h. Brote etc. werden quasi zu den Häusern teleportiert. Wohingegen die Ware zum Markt per Träger, Karren oder Fließband transportiert werden muss. Das System dahinter ist sehr transparent und zugänglich.

Parallel zum Marktplatz gibt es noch den Baumarkt. Das System dahinter unterscheidet sich hingegen nicht, nur die Art der Ware, welche dort angeboten wird. Jede Ware erfüllt ein anderes „Tier“ Bedürfnis, In der Regel bringen hoch verarbeitete Produkte deutlich mehr Geld ein und erfüllen hohe „Tiers“, sind jedoch schwieriger herzustellen.

Ziel in Factory Town ist es, ähnlich wie im Urvater Factorio, alle Prozesse zu automatisieren und zu optimieren. Somit richtet sich auch Factory Town klar an Spieler, die gerne herum tüfteln. Mit jedem „Tier“, was dadurch erreicht wird, wird der Zugang zu neuen und komplexeren Mitteln gewährt. Angefangen bei Karren, bis hin zur Magie.

Dabei bietet jedes System neue und einzigartige Funktionen, welche sinnvoll eingesetzt werden wollen. Ab „Tier“ drei werden einfache Fließbänder freigeschaltet, Träger und Karren können eingespart werden. Träger sind direkt mit der Einwohnerzahl verknüpft, da immer nur eine bestimmte Anzahl an Häusern gebaut werden kann, müssen diese gut eingesetzt werden.

Aber nicht nur die Träger selber verbrauchen Wohnraum, auch die Gebäude, welche Ware produzieren, meistens muss ein Einwohner dort arbeiten. Einwohnersystem, Zufriedenheit durch Waren und die zur Verfügung stehende Arbeitskraft-Ressource hängen stark voneinander ab. Ein gutes Wirtschaften ist unerlässlich, um weiter voranzuschreiten.

Es gibt äußerst viele Stellschrauben, um die Abläufe innerhalb eines Prozesses zu optimieren, dies fängt bei Wegen für die Träger an, macht auch nicht halt vor den einzelnen Gebäuden, worin die Anzahl an Arbeitern erhöht werden kann, um die Produktionsgeschwindigkeit zu erhöhen und geht hin bis zu Fließbändern und Loren.

Karren können vier Items transportieren und sollten im besten Fall auf Steinstraßen unterwegs sein, dort ist die Geschwindigkeit am höchsten. Karren können jedoch nicht durcheinander fahren und suchen sich im Zweifel einen anderen Weg, auch wenn dieser von der Straße wegführt. Das Straßensystem muss also ausreichend Ausweichmöglichkeiten bieten.

Ähnlich verhält es sich beim Lorensystem, als zusätzliche Besonderheit gilt hier zu beachten, dass die Loren Bergauf recht schlecht sind, soll heißen, sie sind lahm wie Schnecken. Das gesamte Schienennetz muss ebenerdig gebaut werden, um das optimale Ergebnis zu erreichen. Dafür können die Loren bis zu zwanzig Items transportieren, besonders gut für weite Strecken.

Im Lategame folgen noch die Dampfkraft, sowie ein Magiesystem, Beide stellen noch größere Herausforderung dar, welche gemeistert werden wollen. So müssen neue Rohre verlegt werden, um den erzeugten Dampf zu transportieren, Es kann eine ziemliche spaßige Bastelei werden, wenn die Produktionen sehr eng beieinander stehen.

Eine wahre Bereicherung sind die sogenannten Logistikblöcke, diese erleichtern erheblich den Aufwand, um die Ware sinnvoll zu verteilen. Splitter, Greifer, Pusher, oder auch Sortierer, geben dem ganzen System erst die Würze und setzen der Kreativität keine Grenzen.

Um Platz zu schaffen, kann das Gelände im Spiel bearbeitet werden, dies ist natürlich mit einem kleinem Unkostenbeitrag behaftet. Außerdem lassen sich Rohstoffe, welche im Weg stehen ebenso entfernen. Zum Glück, können Rohstoffe aber auch wieder platziert werden. In diesem Fall ist der Unkostenbeitrag jedoch höher als andersherum.

 


 

– Besonderheiten –

In Factory Town sind das Wirtschaftssystem und die Einwohner eng miteinander verwoben, es gibt immer ein Limit an Einwohnern, welche entweder als Arbeiter oder Träger eingesetzt werden können. Das Limit lässt sich entweder durch das Upgraden des Rathauses anheben, wodurch mehr Häuser gebaut werden können, oder durch Upgrade selbiger.

Wenn ein Einwohnerhaus geupgradet wird, steigt das Verlangen an Waren an. Zu Beginn reichen noch einfache Lebensmittel, später benötigen die Einwohner noch Baumaterialien oder Arznei. Dabei hat die gelieferte Ware Einfluss auf den erwirtschafteten Gewinn. Mehl bringt nur wenige Goldstücke ein, ein Brot schon Eindutzend.

Um die Übersicht zu wahren, gibt es vier verschieden Geldmünzen. welche sich farblich unterscheiden. Damit werden im späteren Verlauf des Spiels, bei den Einnahmen, keine astronomisch hohen Zahlen erzeugt, ein cleveres System. Die Münzen werden für unterschiedlich Dinge und Einsatzmöglichkeiten benötigt.

So verbrauchen diverse Gebäude bei der Produktion Münzen, quasi als Unterhalt. Auf der anderen Seite benötigt man diese natürlich, um Gebäude zu platzieren, außerdem für das Terraforming und Platzieren bzw. Abreißen von Rohstoffen. In Factory Town greift dabei ein Zahnrad ins andere und es ist am Spieler eine gut geölte Maschine am Laufen zu halten.

 


 

– Support –

Factory Town ist wieder ein Paradebeispiel eines Early Access Titels, und dabei ist Erik Asmussen alleiniger Entwickler und Publisher. Es folgen regelmäßig Updates, welche vorher zuvor angekündigt und erklärt werden. Zudem erfolgen die Updates recht eng getaktet und bieten häufig einen großen Umfang an Inhalten und Problembehebungen.

Wie viele andere auch, bietet der Entwickler einen offiziellen Discord Server an, um mit der Community im engen Kontakt zu bleiben. Außerdem findet sich im Steam-Forum eine Roadmap, so kann jeder sehen, wohin die Reise gehen soll, bevor das Spiel erworben wird, wirklich sehr transparent und löblich.

Das Spiel selbst befindet sich schon in einem etwas weiteren Stadium, was auch erklärt, warum es aus technischer Sicht bereits sehr gut läuft. Geplant ist eine Early Access Phase von ca. einem halben Jahr, d.h. Factory Town soll noch in diesem Jahr fertig sein. Je nachdem, wie die Community das Spiel aufnimmt, kann sich die Phase zugunsten von Gameplay verlängern.

 

– Fazit –

Factory Town macht bereits im jetzigen Zustand einen riesen Spaß. Schon alleine das Setting ist unüblich und sorgt für frischen Wind, Mittelalter und Fantasy bieten ein hohes Potenzial an Möglichkeiten an. Diese werden in Form eines Magiessystems auch genutzt. An vielen Stellen merkt man, dass der Entwickler sehr genau weiß, was er vor hat und wie dies umgesetzt werden sollte.

Da das Spiel klar von dem Gründer dieses Genre inspiriert wurde, Factorio, muss es sich zwangsläufig damit messen. Es richtet sich tendenziell eher an Leute, die nicht diese riesige komplexe Maschinerie in Factorio bezwingen wollen, sondern auch mal etwas entspannen möchten. Das soll aber nicht heißen, Factory Town sei nicht komplex.

Gerade im Mittleren bis späten Spielverlauf, zeigt dieses Spiel was in ihm steckt, daher ist es eine gute Mischung aus beidem und bietet auch Anfängern die Möglichkeit erste Kontakte mit diesem Genre zu machen. Zudem bietet ein kleines optionales Tutorial zu Beginn des Spiels eine weitere Möglichkeit um gut ins Spiel zu starten.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in der Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Einer der wenigen Kritikpunkte, ist das fehlende Spielziel. Klar man baut sein Dorf zur Stadt aus und versorgt die Bürger mit allem was die Welt hergibt. Dies ist aber ein Ziel seiner selbst Willen. Im Vergleich zu Factorio, wo man gegen Aliens bestehen muss und den Planeten, worauf man gestrandet ist, verlassen soll, fehlt ein solches übergeordnetes Ziel.

Dennoch kann ich und das ohne jede Art von Einschränkungen, Factory Town empfehlen. In allen Bereichen macht es Spaß und packt die Dinge richtig an, die schöne Optik und die tolle Musik tragen den Rest dazu bei. Wer also ein Spiel sucht, um seinem Optimierungsdrang freien Lauf zu lassen, aber nicht gleich die Übersicht verlieren möchte, ist hier genau richtig.

 


 

 


 

Druidnix

Über Druidnix

Noch heute denke ich an die vergnüglichen Stunden mit meinem Bruder vor unserem doch erst recht spät erhaltenen SNES zurück. Besonders die RPGs haben uns damals gefesselt, aber auch Mario und Luigi waren oft zu Gast. Mit dem Computer kam ich deutlich später in Kontakt, anfangs sogar ohne Internet, vermag sich heute kaum einer Vorzustellen. Heutzutage ist der Computer mein Medium Nummer Eins, vor allem Aufbauspiele, wie meine geliebte Anno Serie, oder zahlreiche tolle Indie Spiele begeistern mich. Meine Begeisterung hat mich letztliche dazu gebracht Spiele auf Herz und Nieren zu prüfen.

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