ELDERBORN
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ELDERBORN

Geschichten aus der Gruft

 

Viele Titel machen es dem Spieler heute leicht, den Überblick zu behalten. Karte? Check! Waypoints? Check! Tutorial? Check! Nun will ich nicht sagen, dass all diese Dinge schlecht sind. Die moderne Spielerschaft hat sich verändert und erwartet gewisse Tools und Gimmicks, während man fröhlich durch Horden von Gegnern fetzt. Es gibt aber auch die Sorte von Spielern, die eben all dies nicht wollen. Diese werden mit großer Sicherheit Freude an ELDERBORN finden.

Denn hier erwartet den Spieler ein kompromissloser Mix aus schneller Action und Rätselpassagen, vertrackte Gänge und Horden von Monstern inklusive. Statt User Interface und Tutorial gibt es Heavy Metal, Nahkampf und die Gewissheit, dass hinter der nächsten Ecke bereits wieder ein Grund wartet, um den letzten Checkpoint zu laden. Ob dies auf Dauer motivieren kann und mit welchen Gefahren ihr noch in den staubigen Gängen von ELDERBORN rechnen müsst, lest ihr besser selbst.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

ELDERBORN erwartet den Spieler mit einer Welt, die ein bisschen von allem bietet, was Action und Fantasy hergeben. Antike, ägyptisch anmutende Bauten und Krypten wechseln sich ab mit riesigen, begehbaren Steinobelisken zyklopischen Ausmaßes. In sich wirkt dieser Mix stimmig, auch wenn die Grafik bisweilen ein wenig angestaubt wirkt. Nicht nur das nachfolgende Gameplay will offensichtlich die alten Helden des Genres feiern.

Um allerdings fair zu sein, muss man festhalten: nur zwei Leute bilden das komplette Team hinter Entwickler Hyperstrange, die mit Einfallsreichtum und Enthusiamus einiges aus der Unity-Engine rausholen. Manche Oberflächen und Monster wirken dabei dennoch, als wären sie vor etwa 10 Jahren in einem der bekannten Titel wie The Witcher oder bestenfalls Skyrim aufgetaucht. Dies tut dem eigentlichen Spielspaß jedoch keinen Abbruch, denn das Setting und die Atmosphäre bauen wunderbar aufeinander auf.Das Design der Monster wirkt bisweilen noch etwas uninspiriert, hält sich jedoch an gängige Klischees. Ausgetrocknete Leichen, Skelettkrieger und auch riesige Skorpione dürfen in dem Arsenal natürlich nicht fehlen. Gelungen finde ich bei der grafischen Umsetzung dann doch eine gewisse Form von Detailverliebtheit. So gibt es leuchtende Partikel an den Gegnern, die nach und nach abgeschlagen werden und dem Spieler intuitiv signalisieren, dass der Gegner so gut wie besiegt ist.

Die Umgebung selbst glänzt mit Abwechslungsreichtum und bietet handgebaute Dungeons. Hier ist nichts zufallsgeneriert, jeder Stein, jede Falle und jeder Topf Gold hat seinen Sinn. Staub rieselt von allen Wänden, denn Sand gibt es reichlich in ELDERBORN. Das ägyptisch anmutende Setting mixt sich an manchen Stellen mit eher infernalen Gefilden. Hier und dort kommen riesige Eisenketten aus den Wänden und führen ins Nichts, während Portale wie gefräßige Schlunde wirken.

Der Sound hat noch einiges an Arbeit vor sich. So hallen bereits Schreie und andere markerschütternde Laute durch die Gänge, doch so mancher Ton wirkt völlig deplatziert und an anderen Stellen herrscht generell eine gewisse Geräuscharmut. Lobend erwähnen muss und möchte ich natürlich den Heavy Metal-Soundtrack, der als treibende Kraft für das Gameplay fungiert. Tut er dies auch nicht immer wie geplant, kommt dabei dennoch eine actionlastige und motivierende Stimmung auf. Euch zeig ich es!Das Gamedesign ist an manchen Stellen leider sehr leicht zu durchschauen. Ein sehr langer Raum mit Gittern an beiden Seiten und am Ende wartet ein Schlüssel in Form eines Schädels darauf, von uns eingesammelt zu werden? Es ist sicher nicht notwendig zu erwähnen, dass sich alle Gitter öffnen und eine tödliche Meute in den Raum stürmt, sobald ihr den Schädel anhebt.

Innovativ will ELDERBORN wahrlich nicht sein. Altbacken und gleichzeitig mit Stil, werdet ihr stattdessen bei jeder brenzligen Situation mit oben genanntem Metal beschallt. Wenn die Musik erklingt, habt ihr immer ein Problem. Oder Dutzende.

Warum ich bisher nichts zur Story gesagt habe, ist leicht zu erklären. Die Geschichte ist wie das User Interface: nonexistent. Ihr seid ein namenloser Held, der in einer Krypta erwacht und sich seinen Weg nach oben kämpft, vorbei an verstaubten Untoten und tödlichem Stachelgetier. Mehr erfahrt ihr nicht von einer Steintafel, die mit etwas einfallsloser Schrift darauf hinweist, dass nur der Weg nach oben zum Ausgang führt. Aber wer braucht schon eine Story? Nun..

 

– Gameplay –

Da ELDERBORN zweifellos nicht mit narrativer Brillanz überzeugen will, muss das Gameplay umso überzeugender sein. Hier muss ich folgendes sagen. Die ersten Minuten, womöglich sogar die erste halbe Stunde, kamen mir dröge, einfallslos und repetitiv vor. Denn alles was eure Figur kann, ist schlagen, blocken und ausweichen. Da es nur Nahkampfwaffen gibt, tut ihr dies immer auf engstem Raum zum Gegner.

Je länger ich unterwegs war in den verwinkelten Gängen, Raum über Raum nach Schätzen durchsuchte, die bisher mangels Händler völlig wertlos sind, Monster um Monster erschlug und abwehrte, desto mehr Spaß machte es mir auch. Am Anfang ist es häufig ein zielloses Drauflosgehacke mit Linksklickinferno und WASD-Magie, das sich aber bald in taktisches Blocken und gezielte Schläge umwandelte.Wer die linke Maustaste gedrückt hält, entfesselt einen aufgeladenen Schlag, wer rechts drückt, blockt. Diese Basics kann man um einen Fußtritt und einen taktischen Konter erweitern. Letzterer erfordert besonders gutes Timing. Hierbei muss der Block direkt vor der gegnerischen Attacke erfolgen und belohnt dafür mit der Möglichkeit, den Gegner mit deutlich weniger Schlägen außer Gefecht zu setzen.

Der Fußtritt wird sehr schnell zu eurem besten Freund werden. Nicht nur kann er unliebsame Gegner gezielt von Vorsprüngen in den Abgrund befördern, er betäubt auch so ziemlich jeden Gegner und bringt nebenbei noch eine weitere taktische Komponente ins Spiel. Denn natürlich warten in den unzähligen vertrackten Gängen auch andere Gefahren auf euch, besser bekannt als Fallen.

Fallen sind Fluch und Segen zugleich, da ihr manchmal nicht genau ausmachen könnt, wo eine sein könnte. Pfeile sind hinter Wänden verborgen und Räume füllen sich plötzlich mit Sand. Gegner sind allerdings auch nicht gegen sie immun. Ein beherzter Tritt befördert jedes Skelett oder andere Untote auf so manche verdächtige Platte, nur damit diese dann zeitsparend mit Speeren beendet, was ihr sonst mühsam per Hand hättet erledigen müssen.Schlagen, Blocken, Treten und Ausweichen. Habe ich etwas vergessen? Nicht wirklich. Kompromisslos will dieses Spiel sein und bleibt es auch bis zum Ende der aktuell spielbaren Version. Ihr habt dabei die Wahl aus vier Waffen, die sich in puncto Geschwindigkeit und Durchschlag massiv unterscheiden. Hier muss auf jeden Fall noch gebalanced werden, denn bisher sind die schnellen Speerhände dank Stunlock und überragender Geschwindigkeit absolut im Vorteil.

Die handgebauten Dungeons und Puzzles haben ebenfalls einen Haken. Sicher, man erkennt auf den ersten Blick, dass hier nichts zufällig zusammengesetzt wurde, doch von wirklichen Rätseln lässt sich nur bedingt sprechen. Meist ist es wie bei dem guten alten Doom, dass ihr eine Tür nur mit einem Schlüssel öffnen könnt. Eine Horde Gegner und Fallen später habt ihr diesen hoffentlich gefunden und öffnet besagte Tür.

An manchen Stellen erwarten euch zerstörbare Wände oder ein Geheimgang, aber bisher haben weniger die Rätsel, sondern die zum Teil doch arg vertrackten Gänge dazu geführt, dass ich kurz meine grauen Zellen etwas mehr anstrengen musste. Im Fokus steht vor allem der Nahkampf und wie man ihn am besten meistert. Wie bereits eingangs erwähnt, macht dies sogar ordentlich Spaß und fühlt sich gut an.

 


 

– Besonderheiten –

Viel lässt sich hier leider noch nicht sagen. ELDERBORN befindet sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium und will vor allem erstmal mit den Kernmechaniken punkten, bevor es speziell wird. Dennoch möchte ich hier zwei kleine Faktoren aufzählen.

Da wäre der wirklich gute Metalsoundtrack, der so manch brenzlige Situation zum heroischen Akt werden lässt. Eine unerwartet große Masse an Gegnern stürmt auf euch zu, während ihr zu harten Riffs und tiefen Bässen eine Spur der Verwüstung durch die Reihen der Gegner zieht. Definitiv ein Pluspunkt!Ein weiterer, kleiner Bonuspunkt ist etwas, was ich weiter oben im Gameplay verschwiegen habe. Wenn ihr im richtigen Moment blockt, könnt ihr jeden Gegner mit deutlich weniger Schlägen außer Gefecht setzen. Interessant ist dabei, dass sich die Welt um euch herum verlangsamt. So bleibt euch auch mehr Zeit zum taktischen Vorgehen und es fühlt sich nebenbei einfach nur ziemlich gut an. Könner blocken sogar Pfeile und lassen diesen nervigen Bogenschützen den Stahl der Axt in Zeitlupe kosten.

 


 

– Support –

Hinter dem Studio Hyperstrange stecken Przemysław Miliński und Łukasz Jarząb, ihres Zeichens ehemalige Angestellte eines Warschauer Indie-Entwicklers, mit dem Traum, Kultklassiker mit dem packenden Gameplay von Dark Soul zu verbinden. Auch wenn bisher noch nicht zu viel davon zu spüren ist, lassen die beiden keinen Zweifel daran, wie wichtig ihnen dieses Projekt ist. Dafür waren sie in den letzten Jahren bereits auf bekannten Messen, wie z.B. der PAX unterwegs, um ihr Projekt vorzustellen.

Inwieweit sie dem Projekt gewachsen sind, bleibt vorerst abzuwarten. Ich habe eine gesunden Mix aus Skepsis und Vorfreude in mir. Die veröffentlichte Roadmap lässt zumindest auf eine Zukunft von ELDERBORN hoffen und in einem zuletzt veröffentlichtem Statement haben die Entwickler auch gezeigt, dass sie sich dessen bewusst sind, dass Kommunikation zu einem der Eckpfeiler im Early Access gehört.

 

– Fazit –

Elderborn ist bereits seit 2015 in der Mache und wurde so z.B. 2017 auch auf der Gamescom vorgestellt. Seitdem hat sich bereits einiges an dem Spiel getan, doch in Anbetracht des kleines Teams, wird es gewiss noch lange dauern, um hier von einem vollwertigen Titel sprechen zu können. Alles, von Grafik über Sound bis hin zum Gameplay, braucht mehr Zeit.

Pluspunkte sind für mich die kompromisslose Umsetzung des „Git Gud-Prinzips“ oder in anderen Worten: Learning by Dying. Kein HUD, kein UI und keine Karte sind für manche Spieler womöglich ein Horrorszenario. Für echte Fans sind es allerdings echte Kaufkriterien. Hinzu kommt: Es macht irgendwie Spaß. Das Gameplay fühlt sich gut an, denn die Wucht eurer Schläge hinterlässt nur Staub und ein befriedigendes Gefühl in euch zurück.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung“ klicken. Wahnsinn!

Selbst die altbackene Grafik und die teilweise etwas vorhersehbar konstruierten Stressmomente können ebenfalls nicht davon ablenken, dass dieses Spiel wirklich viel Potential hat, stellt man sich einfach nur mal eine interessante Hintergrundstory, zusätzliche Areale und Bosse vor, die mit dem eingängigen Kampfsystem gemeistert werden.

Fakt ist jedoch: Bereits nach 90 Minuten hatte ich das Ende des aktuell spielbaren Inhalts erreicht und habe mir dabei an gewissen Stellen sogar ein wenig Zeit gelassen, um den ein oder anderen Winkel genauer zu ergründen. Dies in Verbindung mit der Tatsache, dass ELDERBORN preislich mit 19,99 € auf einem Niveau rangiert, bei dem andere, vollwertige Indietitel unzählige Stunden an Spielspaß bieten, bringt mich dazu, aktuell von einem Kauf abzuraten, wenn ihr nicht absolute Fans des Genres seid.

 


 

 


 

Faust

Über Faust

Angefangen mit Master System, SNES und Playstation, fand irgendwann auch der PC Einzug in mein Wohnzimmer und ist seitdem mein Favorit wenn es um Videospiele geht. Ich liebe Klassiker wie Suikoden, Vandal Hearts und Final Fantasy, bin aber auch immer an neuen Titeln interessiert. Multiplayer sind nicht meine Stärke, daher spiele ich lieber RPGs, Aufbaustrategie und generell alles mit einer guten Story. Indie Games und Pixel Art haben einen besonderen Platz in meinem Herzen und Kickstarter kann man getrost als mein zweites Zuhause bezeichnen.

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