Cartel Tycoon
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Cartel Tycoon

Habt ihr den Stoff? Ich habe das Geld!

 

Dieses Land nimmt als Bezahlung für Reichtümer, die deine kühnsten Träume übersteigen, Blut in Anspruch. Grab tief, träum groß – Mit diesen Worten begrüßt Cartel Tycoon alle zukünftigen Drogenbosse, welche sich in einem fiktiven Land, welches in vielen Punkten sehr stark Mexiko ähnelt, einen Namen machen wollen. Doch der Markt ist hart umkämpft und die Konkurrenz schläft nie!

Erkämpfe dir durch die zehn Regionen, die das Land trennen, eine stabile Infrastruktur, welche kriminelle Konkurrenten, neugierige Polizisten und mögliche Engpässe überstehen muss. Nutze deine Kreativität und wähle zwischen verschiedenen Stoffen, verschiedenen Möglichkeiten des Schmuggelns und Versteckens und verschiedenen Arten der Geldwäsche, um deinen persönlichen Traum eines Drogenbosses in den 90er Jahren endlich wahr werden zu lassen!

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Wer Fan der klassischen Gangsterfilme der 80er und 90er Jahre ist, wird sich schnell in Cartel Tycoon zurecht finden können. Die verwendete Sprache und das Vokabular, die verschiedenen Charaktere und Orte, die Funktion der Stadt und Stadtteile – all das erinnert an das Bild der mexikanischen Kartelle wie sie in solchen Filmen dargestellt wurden. Alles sehr vereinfacht und mit Sicherheit fragwürdig, dafür aber auch mit einer starken kriminellen Faszination.

Um die kriminelle Welt der 90er Jahre zum Leben zu erwecken, hat sich das Entwicklerteam Moon Moose für einen lückenlosen Comiclook entschieden. So werden Cutszenes wie das stimmige Intro des Spieles in leicht animierten ästhetischen Comicbildern erzählt. Auch die verschiedenen Charaktere, welche im späteren Verlauf des Strategiespieles auftauchen so wie einige weitere kleine Aspekte im aktiven Spielerlebnis glänzen durch den Comicstil.

Im Story-Modus schlüpft der Spieler in die Rolle von César Garcetti und begleitet ihn über den gesamten Spielverlauf dabei und hilft ihm dazu, sein eigenes Drogenimperium aufzubauen. Auch dieser Fokus auf einen einzigen Charakter, welcher sich gegen die schnüffelnde Exekutive, aggressive Konkurrenten und falsche Verbündete behaupten muss, ähnelt sehr den Verlaufen der klassischen Gangsterfilmen – Frei nach dem Motto: Vom Tellerwäscher zum Millionär!

Nach dem äußerst stimmigen Intro findet ein Großteil der weiteren Geschichtserzählung durch Dialogsequenzen statt, welche meist nach Erfüllung verschiedener Aufgaben auftauchen und die Chroniken rund um César Garcetti in Informationsaustauschen zwischen ihm und diversen Gesprächspartnern fortführen. Dabei ist zu erwähnen, dass die deutsche Lokalisierung aktuell noch nicht vollständig fehlerfrei ist und hin und wieder kleine Fehler in den deutschsprachigen Texten auftauchen.

Auch außerhalb der Comic-Passagen glänzt Cartel Tycoon mit einem sehr sauberen und optimal strukturiertem Design. Hinzu kommt ein wirklich guter Soundtrack, welcher vor allem mit Cumbia- und Latin-Musikstücken überzeugt. Spätestens mit dieser musikalischen Untermalung fühlt man sich sofort im südamerikanischen Drogen-Milieu angekommen, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass der Soundtrack auf einer langen Spielzeit eventuell irgendwann etwas eintönig werden könnte.

 

– Gameplay –

In seinem finalen Zustand soll das Spiel augenscheinlich vier verschiedene Spielmodi anbieten können – Neben dem bereits angesprochenen Storymodus rund um César Garcetti soll es noch einen Sandbox-, einen Survival- sowie einen Multiplayer-Modus geben, in welchem man also wohl auch in Mehrzahl seinen Spaß mit dem Rauschgifthandel haben kann. Aktuell stehen aber nur der Story- und der Sandbox-Modus zur Verfügung.

Allgemein ist es sehr auffällig, dass das Spiel noch unvollständig ist. Nicht nur im Auswahlmenü der Spielmodi gibt es noch ausgegraute Elemente. Auch innerhalb des Spielgeschehens tauchen immer wieder Bestandteile auf, welche ausgegraut oder mit einem „DEMNÄCHST VERFÜGBAR“ beschriftet sind und aktuell nur als Platzhalter innerhalb des kleinen Aufbau-Simulators fungieren.

Die beiden bisherigen Spielmodi unterscheiden sich noch nicht großartig voneinander. Während man im Story-Modus einen festen Startpunkt hat und die Aufstiegsgeschichte von César Garcetti spielt, ist es im Sandbox-Modus möglich, sich sein Startgebiet und den eigenen Charakter zu wählen. Aktuell gibt es aber auch dort nur zwei Charaktere sowie minimale Anpassungsmöglichkeiten bezüglich ihrer Fähigkeiten zu Auswahl.

Im Story-Modus gibt es stattdessen den angesprochenen ästhetisch inszenierten Einstieg im Comiclook. In diesem lernt man César Garcetti kennen, welchen man von nun an in seiner kriminellen Laufbahn begleitet. Ab diesem Moment ähneln sich die Spielweisen in beiden Modi sehr – Jeweils gilt es sich ein eigenes Drogenimperium aus seinem Startgebiet heraus aufzubauen, um im besten Falle irgendwann alle zehn Gebiete des Landes zu kontrollieren und sich gegen Polizei, andere Drogenhändler und Bürgermeister zu behaupten.

Der einzige Unterschied liegt nur noch darin, dass einem im Story-Modus eine Reihe von Quests erwartet, welche sehr gut dabei behilflich sind, sich seine kriminelle Infrastruktur aufzubauen – Gerade daher empfehle ich es sehr mit dem Story-Modus anzufangen, um mindestens die Grundlagen von Cartel Tycoon zu lernen. Auch wenn sich der Sandbox-Modus natürlich ein gutes Stück befreiter spielen lässt mit seinem beliebigen Startgebiet und ohne die Quests.

Wie in nahezu jedem anderen Aufbau-Simulator folgt die Spielweise einem ziemlich einfachen Prinzip. Es gilt vorausschauend zu planen und etwas Zahlenschubserei um sich gegen die anwachsenden Herausforderungen zu behaupten. Dazu kommt der Aufbau der eigenen Handelswege und Gebäude auf der Spielkarte. Hierbei möchte ich erwähnen, dass das Setzen der Häuser und Straßen erstaunlich smooth von der Hand geht und im Gegensatz zu einigen anderen Genrevertreter nicht unnötig an irgendwelche Raster oder Regeln gebunden ist.

Ebenso wie in so ziemlich jedem anderen Genrevertreter ist die Hauptressource von Cartel Tycoon das schnöde Geld. Jedoch teilt sich das Geld in diesem Spiel in schmutziges Geld und in sauberes Geld auf. Je nach Anwendungsbereich schwanken die Kosten, Zeiträume oder polizeiliches Interesse für gewisse Dinge, je nachdem ob man sauberes oder schmutziges Geld für diese Dinge nutzt. Wobei in nahezu allen Fällen sauberes Geld mehr wert ist als sein kriminelles Pendant.

Um dreckiges, also durch illegale Aktion generiertes, Geld in sauberes Geld zu verwandeln, gilt es, dieses abseits aller polizeilichen Augen zu „waschen“. Dies macht man vor allem innerhalb der Städte. In jedem der zehn Gebiete des Landes steht eine solche Stadt. Um in dieser Stadt an Macht zu gewinnen und Gebäude wie Hotels, Casinos oder sogar Kirchen zu bauen, in denen sich das eigene Geld waschen lässt, ist es nötig sich mit den Bürgermeistern dieser Städte auseinanderzusetzen.

Der Kontakt zu den Bürgermeistern ist durch viele verschiedene Aspekte beeinflusst – vor allem aber durch die Werte der Loyalität und des Terrors. Der Wert der Loyalität steigt mit der eigenen allgemeinen Größe. Ob man Gebäude in Städte kauft, große Geldsummen für gute Zwecke spendet oder eigene Dörfer baut – all dies generiert einen Wachstum der Loyalität.
Zu offen und aktiv darf man jedoch nicht auftreten, ansonsten steigt der Terror-Wert.

Auf den Terror-Wert wird eingezahlt, sobald man öffentlich mit kriminellen Aktionen in Verbindung gebracht werden kann – Sei es Drogenhandel, bezahlte Überfälle oder Bestechung. Ein hoher Terror-Wert kann dabei wirklich gefährlich werden und auch gerne mal einen ganzen Run vernichten. Denn so höher dass damit verbundene Terrorlevel steigt, desto öfter werden eigene Gebäude durchsucht, Waren beschlagnahmt, Grenzen geschlossen oder in letzter Instanz sogar eine tödliche Jagd des FBIs auf die Drogen-Leutnants gestartet.

Abseits des Geldes gibt es natürlich auch noch verschiedene Kategorien an Drogen oder auch legale Waren, welche hauptsächlich dafür genutzt werden, um die illegalen Stoffe verborgen über die Grenzen der Regionen transportiert zu bekommen. Für die besten Taktiken gilt es auch stets das gesamte Land im Auge zu behalten, um so die Zustände der einzelnen Regionen, Städte und Bürgermeister zu beobachten.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich noch das System der Leutnants. So werden die wichtigen Charaktere der Kartelle genannt. Sie tragen einen Namen und können durch verschiedene Fähigkeiten wie gesicherte Transporte, Banküberfälle, die Verteidigung der Umschlagsplätze oder versteckte Morde glänzen. Der eigene Charakter gilt dabei als der erste und logischerweise wichtigste aller Leutnants.

Neben noch einigen fehlenden Spielelementen wird für Cartel Tycoon wohl aktuell noch mit dem Balancing herumexperimentiert. Während Spielberichte älterer Versionen über einen unfairen Anstieg des Terror-Levels berichten, hatte ich damit keinerlei Probleme mehr. Dafür empfand ich das Spiel nicht als sonderlich herausfordernd. Mein einziges Problem lag darin, dass ich irgendwann zwar Unmengen an dreckigen Geld hatte, es jedoch nur relativ langsam gewaschen bekam.

Ansonsten ist das Spiel aber äußerst bugfrei. Es gibt nur einige logistische Aspekte, welche ich nicht ganz nachvollziehen kann. Unter anderem die Tatsache, dass aktuell nur drei Spielstände möglich sind. Immerhin gibt es im Jahr 2021 keinen Grund mehr die Anzahl der Spielstände zu beschränken und gerade in einer Aufbau-Simulation mit irgendwann vier verschiedenen Spielmodi sehe ich nicht die Notwendigkeit den Spieler in diesem Aspekt zu beschneiden.

 


 

– Besonderheiten –

Cartel Tycoon wird vor allem durch sein absolut einzigartiges Setting getragen. Endlich ist es mal kein Freizeitpark oder eine Großstadt, die es aufzubauen gilt, sondern das eigene kriminelle Drogenkartell in einem südamerikanischen Flair. Mir fällt keine einzige Aufbau-Simulation ein, welche auch nur in einem ähnlichen Setting stattfindet. Gerade Fans der Gangsterfilme aus den 80er und 90er Jahren werden sich mit diesem Spiel begnügen können.

Außerdem glänzt es durch seinen sehr schönen Comicstil. Gerade die Intro-Sequenz des Story-Modus baut eine echt spannende Atmosphäre auf und punktet durch eine einzigartige Ästhetik. Sequenzen dieser Art dürfen gerne noch häufiger in das Spiel eingestrickt werden. Auch gewinnen die einzelnen Charaktere wie die Leutnants durch ihre Comic-Darstellungen gut an Charakter im Vergleich zu Charakteren aus anderen Aufbau-Simulationen zum Beispiel.

 


 

– Support –

Cartel Tycoon ist das erste und bisher einzige Spiel des kleinen Entwicklerteams Moon Moose. Aber auch wenn es noch lange nicht fertig ist und einiges an Überarbeitung benötigt, sieht es durch eine häufige Anzahl an Updates sowie die Unterstützung des Indietitel-Publisher tinyBuild aktuell sehr gut danach aus, dass das Spiel in den nächsten Monaten eine gute Entwicklung durchmachen wird.

Wer an diesem Entwicklungsprozess teilhaben, jede Neuigkeit mitbekommen oder sich mit anderen Spielern über Cartel Tycoon austauschen möchte, kann dies entweder auf dem offiziellen Twitter-Accounts des Spieles oder auf dem dazugehörigen Discord-Server tun. Abseits davon ist natürlich auch immer der Steam-Hub eines solchen Titels immer einen guten Blick wert.

 

– Fazit –

Ich fühle mich bezüglich Cartel Tycoons hin- und hergerissen. Einerseits punktet das Spiel durch sein absolut einzigartiges Setting, welches es auch im gesamten Spielverlauf sehr gut ausspielt. Hinzu kommt ein sehr schöner Comic-Grafikstil, ein dazu sehr stimmiger Soundtrack, gespickt mit Cumbia- und Latin-Musikstücken, sowie ein sehr smoother Baumodus und eine Menge Potenzial.

Jedoch gibt es aber auch einige fehlende Spielelemente, welche nur als Platzhalter zu sehen sind – Unter anderem noch der gesamte Multiplayer-Modus. Auch ist das Balancing des Spieles eher wechselhaft – aktuell etwas sehr einfach meiner Meinung nach. Es sind viele zukünftige Ideen erkennbar und die Spielelemente, die bereits etabliert sind, funktionieren größtenteils auch sehr gut.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in der Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Im Zweifelsfrei sollten Interessenten eventuell noch den einen oder anderen Monat warten, bevor sie sich Cartel Tycoon zulegen. Aber auch jetzt ist es sicher kein Fehlkauf und macht schon eine Menge Spaß, auch wenn es noch lange nicht sein gesamtes Potenzial ausschöpft. Wer allgemein etwas mit dem inhaltlichen Genre anfangen kann, sollte sich den Titel also auf jeden Fall vormerken.

Wem die Drogen/Gangster/Kartell-Thematik gar nicht liegt, braucht sich aber auch keine weiteren Gedanken dazu machen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das nicht für jeden etwas ist. Wem es nur um das reine Gameplay eines Aufbau-Simulators geht, der wird sicherlich andere – bessere – Titel finden können, um mit diesen seinen Spaß zu haben. Inhaltlich ist Cartel Tycoon aber definitiv einzigartig und trägt damit eine Menge Potenzial mit sich, auch wenn es dieses noch lange nicht vollständig ausfüllt.

 


 

 


 

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Über Chesra

Schon in sehr jungen Jahren begann ich mich nicht nur für Videospiele, sondern auch der Kunst und Wissenschaft hinter diesen zu interessieren. An meinem ersten eigenen Spiel begann ich im Alter von 8 Jahren zu arbeiten und richte seitdem meine Hobbys und meine berufliche Zukunft nach dieser Richtung. Auch wenn ich in den Jahren seitdem schon sehr viel dazu gelernt habe, bin ich immer noch wie am ersten Tage an jedem neuen Spielkonzept interessiert und liebe es noch immer in ein völlig neues Spiel einzutauchen!

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