Breathedge
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Breathedge

Im Weltraum hört Dich nieMANNd gackern

 

Das Jahr: 2073. Der riesige Weltraumkreuzer „Unbekannt“ gerät in einen Asteroidengürtel und zerschellt. Teil des Kreuzers ist ein einfacher Mann, in einem kleinen Raumschiff. Sein Ziel: Die Bestattung seines Großvaters im Weltraum. Auch sein Schiff wird irreparabel beschädigt. Überlebende der „Unbenannt“: Niemand, mit Ausnahme dieses einen Mannes mit seinem geerbten, unsterblichen Familienhuhn. Wir begeben uns in ebendiese Rolle und sind in einem sprechenden, sarkastischen Raumanzug auf der Suche nach Rettung.

Bei Breathedge handelt es sich um ein Space-Survival-Game. Nach dem großen Unfall des Kreuzers ist es nun unsere Aufgabe, aus den Trümmern sinnvolle Hilfsmittel zu craften, um von dort wegzukommen, wo wir gestrandet sind. Die große Herausforderung dabei: Der Raumanzug hat nur für 50 Sekunden Luft. Genau das ist ‚The edge to breathe‘ woher das Spiel auch seinen Namen hat.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Bei Breathedge bemerkt man leicht unterschwellig, dass das Entwicklerstudio aus Russland stammt. Stereotypisch sind hier Farben wie rot, weiß, blau und orange vorherrschend. Auch die Charakterdarstellung erinnert ein wenig an die klischeehafte Vorstellung, wie man sie von russischen Bürgern und / oder Einrichtungen erwarten würde. Bereits hier macht sich der (selbst-)ironische Ton bemerkbar, der sich durch das gesamte Spiel hindurch zieht.

Optisch bewegen wir uns in der First-Person Perspektive durch eine 3D-Umgebung. Diese ist kontrastreich gestaltet und lässt den Weltraum in verschiedene Farben „erstrahlen“. Dadurch, dass sich das Spiel selbst nicht ernst nimmt, werden einige Darstellungen bewusst übertrieben und reichen teilweise sehr tief in den schwarzen Humor hinein.

Generell ist der Humor der Entwickler ALLgegenwärtig zu spüren. Dies präsentiert sich beispielsweise nicht nur durch die ironischen Kommentare des Raumanzuges, sondern auch durch die Situationen, in denen man die nicht mehr lebendigen Passagiere des Raumkreuzers antrifft. Einige sind schräg, andere sind obskur oder einfach nur ungewöhnlich. Darüber hinaus vermittelt der Ersteindruck, beim Verlassen des Raumschiffes, dass man sich auf einer riesigen Müllhalde im Outer Space befindet.

Wirkt diese Situation anfangs noch unübersichtlich und überfordernd, kommt mit der Zeit etwas Struktur in die Sache, je länger man sich mit den Trümmern in der Umgebung befasst. Es wird wesentlich interessanter und auch durch die ironisch anmutenden Kommentare des Raumanzuges, möchte man mehr erfahren. Hier greift ganz klar eine Open World-Exploration, die sich mit dem Crafting die Hand reicht.

Die Soundgestaltung ist umfangreich und macht einen recht vollständigen Eindruck. Es gibt viele, unterschiedliche Geräusche zu unterschiedlichen Tätigkeiten. Man hat nicht das Gefühl, dass irgendwo ein Sound dem Recycling zum Opfer gefallen ist, weil man einfach irgendwo einen Sound benötigt hat, nur um etwas hören zu können. So ziemlich jeder Objekt-Typ hat seinen eigenen individuellen Sound. Allerdings sollte man so realistisch sein und nicht einen anderen Metall-Sound erwarten, nur weil die Farbe und Form eine andere ist.

Neben einer englischen Sprachausgabe, die relativ gut und passig daher kommt, besitzt Breathedge auch Musik: Befindet man sich im eigenen Raumschiff, hat man die Möglichkeit, das sogenannte Weltraum-Radio anzuschalten. Dort laufen geshuffled verschiedene Songs ab. Auch wenn die Auswahl überschaubar ist, sind deren Stile recht unterschiedlich und reichen von volkstümlichen Akkordeon-Melodien über Gitarren-Klängen bis hin zu Pop-anmutendem House. Auch hier wird wieder einmal dezent auf das Land der Entwickler hingewiesen.

Ausserhalb, also im Weltraum, wird das Ganze mit einem ambienten Klangteppich aus Synthie-Streichern untermalt, was die Unendlichkeit des Weltraums sehr schön zeichnet und eine gewisse Zeitlosigkeit vermittelt und den Stress vergessen lässt. Nach 30 Sekunden ist es allerdings damit vorbei und weicht einer minimalistisch, düsteren Piano-Melodie, die Dramatik aufkommen lässt und die lebensgefährliche Situation des Sauerstoffmangels allzu gut vergegenwärtigt.

Zwischensequenzen gibt es ein paar wenige, welche allerdings in der Grafik des Spiels dargestellt werden und eher automated-moving-Gameplay sind. Sie erzählen den Fortgang der Story, die sich über bis zu sechs Kapitel erstreckt. Dafür bricht das Intro bereits jegliche Erwartungen des Spielers auf und das gilt auch für die vierte Wand. Selbst gewohnte Vorspann-Texte entsprechen nicht unbedingt dem, was man erwartet.

 

– Gameplay –

Neben einigen, kleinen Optionen, die man in Dialogen wählen kann, wechselt das Gameplay zwischen Crafting und Exploration. Man erhält im Spiel (teilweise sinnlose) Aufgaben, die als Quest-Ziel die Story voran treiben. Um diese umsetzen zu können, benötigt man Gegenstände, von denen man anfangs nicht weiß, wie man sie bekommen soll.

Doch beginnen wir von vorne:  Breathedge bietet vier verschiedene Schwierigkeitsstufen: Standard, Geschichte, Unmöglich und Frei. Während sich bei ‚Standard‘ alles in Waage hält, liegt bei ‚Geschichte‘ der Schwerpunkt auf der Story. Allerdings erhält man keine Achievements, da einige Parameter in diesem Modus unendlich sind. ‚Unmöglich‘ ist so schwierig, dass sogar der Kommentar des Schwierigkeitsgrades davon abrät und bei ‚Frei‘ kann man tun und lassen was man möchte. Sogar das Sterben ist ausgeschlossen. Dafür gibt es aber auch hier keine Errungenschaften.

Doch wozu braucht man dann einen Modus wie ‚Frei‘? Dazu später mehr. Das Quest-System in Breathedge sorgt für das Voranschreiten in der Story. Hier erhält man beispielsweise Aufgaben, bestimmte Gegenstände zu bauen. Dazu enthält das Raumschiff eine eigene Werkbank, an der man alles Mögliche craften kann, sofern die Blaupausen und entsprechende Rohstoffe vorhanden sind.

Da sich außerhalb ein riesiger Berg an Weltraummüll, hervorgerufen durch die zerstörten Schiffe, befindet, bleibt es gar nicht aus, einfach mal „Treibgut“ einzusammeln und zu recyclen. Doch die Zeit hierfür ist begrenzt: 50 Sekunden bleiben, um das eigene Raumschiff zu verlassen, Rohstoffe einzusammeln und wieder zurückzukehren. Klingt einfach? Ist es aber nicht. Zusätzlich muss man noch auf Hunger und Durst achten, welcher unnachgiebig größer wird und das Überleben bestimmt. Werden diese Parameter vernachlässigt, heißt es ganz schnell „Du bist tot, Genosse.“.

Glücklicherweise schweben gefrorenes Wasser und Weltraumnahrung durch die Trümmerteile und sollten somit das weitere Existenzminimum absichern. Jedes neue Objekt, das man findet, bekommt einen Eintrag im eigenen Wiki. Dies enthält allerdings Beschreibungen bereit, die zwischen hilfreich und „Danke für gar nichts“ wandern. Allerdings sind diese insgesamt insofern sinnvoll, als das sie den Spielverlauf nicht negativ beeinflussen.

Findet man auf seiner Erkundungstour durch die Trümmer Objekte, die sich in der Werkbank herstellen lassen, werden diese in Form einer Blaupause freigeschaltet und können fortan selbst gecrafted werden. Dies gilt sogar für augenscheinlich sinnfreie Dinge, wie Sessel oder Fernseher. Diese helfen zwar nicht weiter, sehen aber schick aus. Genau hier kommt dann auch der freie Modus zum Tragen, der craft-willige Innenausstatter auf den Plan ruft.

Im Laufe des Spieles trifft man immer wieder auf Unwegsamkeiten, wie zum Beispiel eine intakte Stromleitung. Da man sich an dieser nicht unfallfrei bedienen kann, braucht man ein Hilfsmittel: Das unsterbliche Familienhuhn. An einen Stock montiert, dient es ganz hervorragend als Dielektrikum. (Das KANN ein schwieriges Thema für die PETA sein, MUSS es aber nicht. Es wird im Spiel auf schwarzen Humor hingewiesen UND das Huhn ist bewusst unsterblich.)

Breathedge reißt einen hin und her zwischen „Ich muss vorankommen und Hilfsmittel craften!“ und „Ich möchte die Trümmer weiter erfroschen!“. So kommt man schnell auf die Idee, den eigenen Raumanzug aufzubessern. Sei es durch einen Antrieb oder weitere Sauerstoffreserven. Genau das erhält die Motivation im Spiel. Gewürzt wird dies durch eine unidirektionale Kommunikation und der persönlichen Neugier, wenn man ein wenig „Sherlock spielt“ und herausfinden möchte, was genau in den einzelnen Trümmern passiert ist.

Hinzu kommt, dass sich in fast jedem Trümmerabschnitt eine neue Möglichkeit für eine Blaupause versteckt, weswegen man alleine deswegen schon die verunglückten, zerstörten Raumschiffreste genau unter die Lupe nehmen sollte. Denn schließlich sind genau die Blaupausen es, die das Crafting erweitern.

 


 

– Besonderheiten –

Breathedge sticht in erster Linie dadurch hervor, dass es sich überhaupt nicht ernst nimmt. Es beschleicht einen das Gefühl, dass alles auf der Idee fußt, ein absurdes Weltraum-Spiel zu erstellen. Darüber hinaus sind die Geschehnisse bewusst überzogen und abwegig, was alles dem Humor geschuldet ist. Außerdem ist es das einzige Spiel, das von sich behaupten kann, ein unsterbliches Huhn zu haben, welches sich wunderbar als Allzweck-Werkzeug nutzen lässt.

Wer jetzt erwartet, dass man das gesamte Spiel nicht ernst nehmen kann, befindet sich auf dem Holzweg. Durch die namensgebende Zusatzkomponente wird man herausgefordert, sowohl taktisch, als auch strategisch beim Sammeln oder Exploren vorzugehen. Wie teile ich meine Luft ein? Wieviel passt noch in das Inventar? Riskiere ich Lebensenergie für mehr Sekunden?

Des Weiteren bietet Breathedge völlige Bewegungsfreiheit im Weltraum. Es ist dem Spieler komplett selbst überlassen, wo die Reise jenseits der eigenen vier Wände hingehen soll. Dabei kann man vor der Haustür sammeln oder sich weiter abseits wagen und neue Objekte entdecken. Vielleicht steckt doch mehr hinter der ganzen Sache, als nur ein einfacher Unfall im Asteroidengürtel?

Vergessen werden darf natürlich auch nicht der sprechende Raumanzug, der zu jeder neu entdeckten Situation immer wieder seine ironisch/sarkastischen Kommentare abgeben muss. Als wenn das nicht absurd genug wäre, bietet selbst das Crafting ganz besondere Eigenheiten oder hat schon einmal jemand aus einer Shawarma einen Antrieb gebastelt?

 


 

– Support –

Die Entwickler RedRuins Softworks, geben sich Mühe, die Vorschläge der Community mit einzubeziehen. Es ist möglich, sie via Facebook, Discord oder VK zu erreichen. Allerdings erhält man von ihnen auch schnellen Support über die Steam-Community. Dadurch, dass die Gruppe aus Russland stammt, sind ein großer Teil der Discord-Kanäle sowohl in kyrillischem Zeichensatz, als auch in russischer Sprache gehalten. Doch, um auch User anderer Regionen zu erreichen, gibt es zumindest auch einen englischsprachigen Kanal.

Die Updates zum Spiel erscheinen meist in Abständen von ungefähr einem Monat und beinhalten sowohl Bugfixes als auch neuen Content. Wenn mal etwas erscheint, dann ist es auch kein kleines Update. Allerdings macht sich auch hier der Humor bemerkbar. Jede Patch-Note hat immer irgendwo einen humoristisch geprägten Satz / Absatz. Da die Updates selbst durchaus ernst zu nehmen sind, lesen sie sich entsprechend unterhaltsam.

 

– Fazit –

Breathedge ist eine Space-Craft-Survival-Exploration der besonderen Art. Wer schwarzen Humor, absurde Gedanken und ausgefallene Ideen mag, kommt hier vollständig auf seine Kosten. Außerdem kann nicht jedes Spiel von sich behaupten, ein unsterbliches Huhn zu haben. Ebenfalls gut bedient ist man, wenn man Spaß am craften hat. Die Trümmerteile der Raumschiffe bieten umfassende Möglichkeiten, aus Müll „mehr“ zu basteln.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung“ klicken. Wahnsinn!

Ganz nebenbei erzählt Breathedge auch eine ganz eigene Geschichte, die sich Stück für Stück weiter aufdeckt, je mehr man erforscht und sich die Umgebung ansieht. Durch Verbesserungen am Raumanzug, wird das Vorankommen immer leichter und die zu entdeckenden Areale immer größer und umfangreicher. Breathedge bietet also allen Space-Craft-Explorations-Hungrigen gutes Futter und eine noch bessere Portion Humor, die mehr als einmal die vierte Wand durchbricht.

Schnapp dir den Raumanzug, sammle Müll und bastel dir deine eigenen Hilfsmitteln, um noch mehr Objekte zusammenzubekommen. Finde heraus, was beim Unfall wirklich passiert ist und erkunde die Trümmer der Raumschiffe, die vielleicht nicht erst seit heute dort herumtreiben. Vergiss dabei allerdings nicht, dass DU eigentlich nur von hier weg wolltest und dass der Sauerstoff verdammt knapp wird.

 


 

 


 

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Über LeKris

Anfang der 80er entsprungen, ist meine erste Konsole ein ATARI 2600 gewesen. Erste Gehversuche am PC waren an einem 386 Geh-zu-Fuß mit Dampfantrieb, ohne Soundkarte. Dort spielte ich Diskettenspiele und Point and Click Adventures wie Monkey Island. Seitdem ziehen sich Pixel-look und Storytelling durch meine Gaming-History. Ich bin aber auch in anderen Genres zu Hause und erfreue mich besonders an Indie-Titeln, die alles ein wenig anders machen, als man es vielleicht erwartet.

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