Beacon
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Beacon

Ein Strang mit vielen Enden

 

Mut zur Mutation – so oder so ähnlich hätte der Titel ebenfalls lauten können. Bei Beacon werdet ihr euch daran gewöhnen müssen, dass eurer Charakter äußerlich verschiedene Phasen einer Verwandlung durchläuft, wenn ihr dessen Stärken und Schwächen effektiv nutzen wollt. Wen stören schon ein paar Klauen und Tentakel, geht es nicht ohnehin um die inneren Werte?

Apropos. Was steckt nun also hinter oder besser gesagt in Beacon, dem optisch sehr ansprechenden Twin-Stick Rogue-lite Shooter von Monothetic? Ob Freja Akiyama, Bruchpilotin und Hauptfigur, erfolgreich den Weg nach Hause findet oder ihr dank mangelnder Motivation die Puste ausgeht, könnt ihr im folgenden Review nachlesen.

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Auf den ersten Blick weiß Beacon zu gefallen. Die Low Poly Optik und allgemeine Ästhetik des Spiels schafft es, einen fließenden Übergang von Organik und Technologie äußerst glaubwürdig zu vermitteln, auch wenn die farbenfrohe Pracht im Trailer einen etwas besseren Eindruck hinterlassen hat.

Farbwahl und Leuchtkraft, ebenso die Gestaltung einiger Lebewesen sind dennoch nicht immer von Vorteil. Im Abschnitt Gameplay werde ich daraus resultierende Probleme hervorheben, doch besteht kein Zweifel daran, mit wie viel Einfallsreichtum die einzelnen Level und ihre Bewohner glänzen.

Beim UI hätte man allerdings mehr Zeit investieren können. Fast schon lieblos wirkt der Mix aus Weiß und Gelb, stellenweise entsteht der Eindruck, dass es mehr Platzhalter als finales Produkt ist. Das Interface steht im harten Kontrast zur lebendig gestalteten Welt.

Warum Masse und Maschine grafisch so gut harmonieren müssen, erklärt sich aus der kurzen Hintergrundgeschichte. Unsere Pilotin ist auf einem Planeten abgestürzt, dessen ehemalige Bevölkerung offensichtlich von ansäßigen Alienorganismen beim Bergbau gestört und schlussendlich vertrieben wurde.

Es dauert allerdings keine zehn Minuten, da stellt Freja fest, dass sie bereits bei der Landung umgekommen ist. Die Kloneinrichtung ihres Schiffs ist jedoch intakt und hat auf Basis der vorhanden Daten ein Abbild ihres Alter Egos erstellt. Im Vollbesitz all ihrer vorherigen Fähigkeiten empfängt sie nun ein Signal.

Diesem Signal und der damit verbundenen Möglichkeit vom Planeten zu entkommen, folgt Freja nun. Dass sie am Wegesrand noch viele weitere, gescheiterte Klone antrifft, wird sie irgendwann kaum noch verwundern. Aus den Fehlern der anderen lernend, dringt sie immer weiter in die abstrakte Alienwelt vor. Behaust von verschiedenen Rassen mit unbekannten Hintergründen und Motiven, wird schnell deutlich, dass diese eins vereint: Ihr seid die erklärte Beute.

Die Lore in Beacon wird stimmig erzählt und glaubwürdig verpackt. So waren unterschiedliche Firmen, ähnlich wie bei Borderlands, auf der Oberfläche des Planeten und haben dort Ausrüstung in Form von Waffen und anderen nützlichen Dingen zurückgelassen.Diese sind witzig, interessant und detailliert beschrieben; die Welt entfaltet einen ganz eigenständigen schwarzen Humor. Hinzu kommt, dass Freja ständig Aufzeichnungen ihrer „Vorgänger“ findet, die sich über Kleinigkeiten freuen, Details erklären, Hoffnung schüren oder zerstören. Alles in allem eine wirklich positive und flüssige Art, dem Spieler die Story nebenbei zu vermitteln.

Der Sound ist nicht unbedingt etwas womit sich Beacon rühmen kann. Klar, die Musik ist in Ordnung und passt sich auch den Gegebenheiten an. So wird bei erhöhter Gefahr ein schnelleres Stück gespielt, allerdings erscheint mir der Übergang relativ abgehackt.

Auch die Soundeffekte und Geräusche der Waffen sind nicht schlecht, aber auch nicht herausragend gut. Es tut seinen Zweck und hilft dabei, euch eine halbwegs lebendige Welt vorzugaukeln.

 

– Gameplay –

Diesen Absatz muss ich zuallererst mit einem großen Minuspunkt einleiten. Twin-Stick Shooter deutet bereits im Namen darauf hin, dass ein Controller verwendet werden kann. Könnte. Wir bleiben besser im Konjunktiv. Denn meine ersten Minuten waren eher von Frust als Lust geprägt.

Dabei liegt es noch nicht einmal so sehr an der unharmonischen Drehung, an der ich eine halbe Ewigkeit justiert habe, bis es sich einigermaßen gut anfühlt. Die größten Probleme liegen beim übertrieben genauen – und somit eher ungenauen – Zielen.

Statt nur in eine gewisse Richtung zu zielen, muss auch die Länge des Schusses vorgegeben werden, gesteuert natürlich mit einem Stick. Wirklich gut geht dies im wahrsten Sinne nicht von der Hand. Dies kann man zum Teil mit dem eingebauten Autoaim umgehen.Per Tastendruck wird der halbwegs anvisierte Gegner dann aufgeschaltet und die Figur lässt sich beim Schießen frei bewegen. Dies macht allerdings weder riesig Spaß noch fühlt es sich in irgendeiner Form schnell und actionreich an. Wer also auf Maus und Tastatur besteht, geht hier den richtigen Weg.

Denn wenn das Gameplay einmal von der Hand geht, weiß Beacon durchaus zu überzeugen. Die bunten, verstrickten Level bieten eine Vielzahl an unterschiedlichen Gegnern, derer man sich entledigen will und muss. Dabei hilft eine Vielzahl von unterschiedlichen Waffen und Objekten.

So bekommt ihr neben der allseits beliebten Standardpistole natürlich ein Sturmgewehr, Flammenwerfer, Kanistergranaten oder Laser. Mit zum Repertoire gehören auch ausgefallene oder organische Helfer, wie ein Eierspuckender Schlauch, dessen explosive Wirkung nicht zu verachten ist.

Mit euren Wortverstärkern kämpft ihr euch durch aktuell fünf unterschiedliche Level, besiegt Gegner, überwindet Fallen, sammelt Hinweise und Waffen ein. Ein kurzer Blick auf die Karte genügt meist, um sich zurechtzufinden, da ihr relativ früh ein Signal vom Ausgang bekommt. Ebenso werden nahe Kisten oder mögliche DNA-Stränge angezeigt, aber dazu später mehr.

Die Gegner selbst sind häufig recht aggressiv und greifen aus unerwarteten Richtungen an. Vor allem kleinere, schnellere Vertreter wie Käfer oder raptorenähnliche Läufer kosten oft mehr Leben als sie müssten, wenn man mit dem Gamepad unterwegs ist.

Der ein oder andere Boss wartet dann auch auf euch und will mit möglichst viel Geschick besiegt werden. Auch hier rate ich dazu, Beacon eher mit Maus und Tastatur zu spielen, will man die volle Kontrolle behalten. Leider gibt es neben der Steuerung noch einen zweiten größeren Kritikpunkt. Die Kameraführung.

An der Stellung der Kamera könnt ihr nichts verändern, was mich mehrere Male zur Weißglut gebracht hat. Die Kombination aus der Controller-Steuerung mit dem schiefen Winkel der Kamera ließ mich mehr als einmal in Abgründe fallen, weil sich die Figur anders verhält als erwartet.

Unsichtbare Vorsprünge, enge Wege, in denen sich plötzlich Gegner befinden und „Geheimräume“, die eigentlich gar nicht geheim sind, aber nur durch Zufall betreten werden, sind nur einige der Knackpunkte. Es gibt Situationen in denen die Kamera auch einen guten Job macht, aber ich wünschte mir die Möglichkeit der Rotation.Dass dies nicht möglich ist, erschließt sich aus Grafikstil und Levelaufbau. Oben angesprochene Geheimräume gibt es tatsächlich. Häufig werden diese mit einem kleinen Klingeln angedeutet und beinhalten neben Hinweisen und Objekten noch mehr Gegner.

Der Grafikstil selbst war einige Male eher Fluch als Segen, als es darum ging, rauszufinden, wer Freund, Feind oder einfach keins von beidem ist. Manch wundervoll animierte Pflanze ist nur ein Katapult, kein Monster. Meistens. Es gibt so viele Farben und bunte Flüssigkeiten, dass ich nicht immer die erwarteten Wirkungen bekam.

Dies gehört allerdings zum Genre dazu. Erfahrung machen, daraus lernen und hoffentlich nicht vergessen, damit man nicht ungewollt in den nächsten Gifttümpel tappt. Insgesamt bleibt beim Gameplay eine eher gemischte Erfahrung zurück. Gerade bei einem optisch so polierten Twin-Stick Shooter hatte ich mir da ein wenig mehr erhofft.

 


 

– Besonderheiten –

Der große Pluspunkt ist allerdings das innovative und ausgefeilte System der Mutation. Auf eurer Reise sammelt ihr eine Vielzahl an DNA-Proben ein, die entweder von besiegten Gegnern und Bossen droppen, oder als Belohnung in versteckten Räumen und Kisten warten.

Nach Abschluss eines Levels oder dem häufig eintretenden Tod dürft ihr bis zu fünf dieser Proben in eure DNA einfügen. Der Hintergrund dafür ist klar: der nachfolgende Klon soll genmanipuliert und somit stärker, schneller oder anderweitig begabter sein als sein Vorgänger.

Die Proben kommen mit unterschiedlichen Eigenschaften wie Stamina, Geschwindigkeit, Stärke, die jedoch nicht nur ins positive ausschlagen. Hier gilt es sich oft zu entscheiden. Will ich auf Nahkampf gehen, nutze daher also Proben für Angriff und Vitalität, egal ob meine Fähigkeit zum Sprint dabei sinkt? Oder bau ich mir einen raschen aber fragilen Jäger?

Egal wie ihr euch entscheidet, die Mutation kommt meist nicht ohne Nebenwirkungen daher. So hatte ich bereits einen Sensor statt eines Kopfes, mit dem ich nicht mehr von Wachtürmen erfasst wurde. Leider wurde meine Figur dadurch auch anfällig gegen EMP.

Vorhersehbar sind diese Veränderungen meist nicht. Ihr könnte häufig mit den Werten der einzelnen DNA-Stränge planen, die Mutation selbst bleibt eher dem Zufall überlassen. Es scheint allerdings, dass die Herkunft der Proben ausschlaggebend ist. Organische DNA bewirkt eher Veränderungen wie Klauen, Tentakel oder Krabbenbeine. Jap. Krabbenbeine.

So bleibt das Spiel mit der DNA zwar in gewisser Weise ein Poker, erhöht aber auch den Wiederspielwert erheblich. Außerdem werden die Veränderungen optisch sehr schön in Szene gesetzt und euer Mutant erhält unterschiedliche Boni wie höhere Sprünge oder Resistenz gegen Feuer.Neben der offensichtlichen Vielseitigkeit der Genmanipulation, bietet Beacon eine Vielzahl an Items, deren Wirkung ebenso beeindruckend wie fatal sein kann. Allen gemeinsam sind die teilweise geradezu großartigen Beschreibungen und Erklärungen, die aus einem fiktiven Wissenschaftsmagazin stammen könnten.

Anders als bei herkömmlichen Power-Ups kommen diese Stoffe meist auch mit negativen Wirkungen daher. So bekommt ihr für 20 Sekunden uneingeschränkte Ausdauer, seid danach aber für 20 Sekunden dauerhaft erschöpft. Risk and Reward, sofern man es richtig einschätzen kann. Generell ist die Geschichte von Beacon überraschend stark und gut erzählt.

Mehr als einmal habe ich geschmunzelt, wenn Kaiser eine ihrer Waffen angepriesen hat oder Freja ihre Erfahrungen für den nachfolgenden Klon festhält. Diese Aufzeichnungen muss man stellenweise erst einmal finden, doch runden sie die lebendige Welt von Beacon gekonnt ab.

 


 

– Support –

Das kleine Team hinter Monothetic steckt viel Zeit und Kraft in Beacon, allerdings nicht immer Vollzeit. Dies erklärt auch, warum Beacon nach so langer Zeit auf itch.io noch weitere 6-10 Monate im Early Access verbleiben soll. Ich finde den Ansatz allerdings völlig richtig, da Steam die bekanntere und größere Plattform ist und mehr Feedback bietet.

Bisher ist der Auftritt dort tadellos. Das Spiel erhält in kurzen, regelmäßigen Abständen Updates und die Entwickler kommunizieren über Twitter, Discord und nicht zuletzt im Forum mit der Community. Viele der oben angesprochenen Probleme werden dabei sicherlich noch ausgebessert bzw. anders umgesetzt.

 

– Fazit –

Grafisch ist Beacon über jeden Zweifel erhaben, sieht man von dem etwas einfallslosen User Interface ab. Umgebung, Gegner und Waffen heben sich voneinander ab und sind hübsch anzuschauen. Ebenfalls sehr schön sind die vielen phantasie- und humorvollen Beschreibungen, die eine interessante Gesamtgeschichte erzeugen.

Die Idee der DNA-Proben mit den unterschiedlichen Mutationen ist fabelhaft und innovativ. Stellenweise verändert sich das Gameplay der Figur völlig und bringt ganz neue Spielweise zum Ausdruck, indem z.B. mit Klauen statt Feuerwaffen gekämpft wird.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung“ klicken. Wahnsinn!

So sehr ich das Konzept liebe, kann ich dennoch nicht verhehlen, dass eine gewisse Enttäuschung in meinen Worten liegt. Als ich den Trailer zu Beacon sah, hatte ich große Hoffnungen, die jäh verendet sind, als ich meinen Controller in die Hand nahm. Hier sei zu sagen, dass die Steuerung beim Release noch träger war und seitens Monothetic bereits nachgebessert wurde.

Doch selbst mit Maus und Tastatur wirkt das Gameplay mangels Geschwindigkeit manchmal eher statisch und ungeplant als  rasch und actionreich. Beacon ist ein stylischer, innovativer und ordentlicher Actiontitel, der trotz DNA-Mutation noch Fortschritte in puncto Gameplay und Kameraführung machen muss, um vollends zu überzeugen. Ich freue mich auf weitere Updates.

 


 

 


 

Faust

Über Faust

Angefangen mit Master System, SNES und Playstation, fand irgendwann auch der PC Einzug in mein Wohnzimmer und ist seitdem mein Favorit wenn es um Videospiele geht. Ich liebe Klassiker wie Suikoden, Vandal Hearts und Final Fantasy, bin aber auch immer an neuen Titeln interessiert. Multiplayer sind nicht meine Stärke, daher spiele ich lieber RPGs, Aufbaustrategie und generell alles mit einer guten Story. Indie Games und Pixel Art haben einen besonderen Platz in meinem Herzen und Kickstarter kann man getrost als mein zweites Zuhause bezeichnen.

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