ANNIE: Last Hope
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ANNIE: Last Hope

Annie, are you ok?

 

Wenn japanische B-Movies und Playstation Kult-Klassiker eine Vereinigung feiern, könnte dabei ein sehr interessantes Spiel entstehen. Virusverseuchte Krabben, eine schmalzige Lovestory und ganz nebenbei wird der Untergang der gesamten Menschheit eingeläutet. Nimmt man nun etwas Survival Horror und färbt ihn knallig bunt, würde ANNIE: Last Hope das überraschend unterhaltsame Ergebnis dieses Experiments werden. Etwas Nostalgie gefällig?

 

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WICHTIG! Bitte beachte, dass es sich bei dem folgenden Testbericht um eine Early Access Version handelt. Unsere Wertung ist noch nicht endgültig und kann sich im Laufe der Entwicklung des Spiels ändern. Dieses Review bietet dir einen ersten Einblick in die zum Zeitpunkt des Tests aktuelle Version des Spiels (die getestete Spielversion kann in der oberen Box entnommen werden). Alle Informationen zu unserem Bewertungssystem findest du hier.

 


 

– Präsentation –

Ein ruhiger Sommertag, die Sonne scheint. Vögel zwitschern, Köpfe platzen und Krabben sind auf der Suche nach ihrem nächsten Opfer. Ein Piano erklingt im Takt zur Sirene der Polizeiwagen und was eben noch nach Ausflug klang, wird in kürzester Zeit zur Horrorvorstellung. Eine bessere Einleitung hätte man diesem kleinen Indietitel kaum spendieren können. 

Dabei sticht sofort die wunderschöne HD Voxel Grafik ins Auge. Alles ist animiert und bewegt. Figuren, Objekte, Häuser. Explosionen werfen mit kleinen Teilen um sich, Wasser glänzt auf dem Boden und spritzt auf, sobald riesige Krabbenklauen hindurchstampfen. Was mitunter kräftig an der Grafikkarte zerrt, sieht auf dem Bildschirm allerdings ziemlich gut aus. In all dieser Grafikpracht beginnt die Reise ins Unbekannte mit einem Unbekannten.

Denn zu Beginn steuert ihr keineswegs die charismatische Heldin Annie, sondern ihren Verlobten Jack. Beide waren auf dem Weg in die Flitterwochen, doch das Unheil schläft bekanntlich nie. Mysteriöse Vorfälle häufen sich in der ruhigen Vorstadt, wobei immer ein unangenehmer, fischiger Geruch zurückbleibt. Das charmante Intro gibt bereits sein Bestes, um euch mit einer Mischung aus Horror und Humor auf ANNIE: Last Hope einzustimmen.Plötzlich steht ihr mittendrin, kämpft, schießt und sterbt. Zombies kommen von überall und es dauert nicht lange, da Jack und Annie getrennt werden. Finden sie irgendwann wieder zusammen? Nun, so viel darf ich leider nicht verraten. Fakt ist, dass ihr im späteren Verlauf Annie spielen werdet, in einer völlig veränderten Welt. Der Krabbenvirus scheint weitaus gefährlicher zu sein als angenommen und überträgt sich nicht nur auf Kreaturen; Gedanken an Stephen Kings Trucks werden hier laut.

Untermalt wird alles mit einem ausgesprochen guten Soundtrack, der zwischen ruhigen, schweren Klängen à la Resident Evil und rockigen Doompassagen schwankt. Beeindruckend, was das kleine chinesische Team von Pixel Rice hier auf die Beine gestellt hat und gut in Szene setzt. Was die Präsentation betrifft, muss ich volle Punktzahl vergeben.

 

– Gameplay –

ANNIE: Last Hope wird viele Spieler verwirren, wenn sie sich zuvor mit der Beschreibung auf der Storepage beschäftigt haben. Ist es nun Top Down Twin Stick Shooter mit Fokus auf Action und Bosse oder doch eine Hommage an Resident Evil, mit atmosphärischen Kamerafahrten und Survival Horror? Ja und Ja. Zu Beginn wird man allerdings kaum von einem Resident Evil-lite sprechen können, da ballern und Action im Fokus stehen.

Ein großes Manko vorweg: bisher existiert keine Unterstützung für Gamepads. Spieler müssen sich mit der nicht immer ganz passenden Steuerung über Maus und Tastatur zurechtfinden, die vor allem dann zu Frust führt, wenn es die Kamera nicht besonders gut mit euch meint. Spaß macht es allemal, aber ein Controller wäre hier das logische Mittel zur Wahl.

Da sich das Spiel so geteilt anfühlt, bezeichne ich eure Zeit mit Jack als ersten Akt. Dieser beginnt mit einer Geduldsprobe, da eure Figur eine stark befahrene und von Zombies überlaufene Straße überqueren muss. Klingt völlig trivial, mutiert aber zum Gewaltakt. Dank Maus, Tastatur und der nicht optimal gewählten Perspektive segnet man so oft das Zeitliche, dass im Forum bereits Leute darum baten, diese Passage komplett überspringen zu dürfen.Alles was darauf folgt, also Horden an Zombies, überraschende Schockmomente und nicht zuletzt einige spektakuläre Bosskämpfe, wirkt im Vergleich dazu fast schon simpel. Ihr findet sehr viel Munition und seid nie wirklich darauf angewiesen, zu sparen. Hier ist das Spiel ganz klar Twin Stick Shooter. Die Kamera hat einen festen Platz und Spieler mähen sich durch Horden von Infizierten, sammeln Munition auf und erfreuen sich an kurzen aber durchaus spannenden Sequenzen.

Manchmal müsst ihr innerhalb eines Raumes Horden von Gegnern überstehen, wobei mein Highlight eine adrenalinreiche Fahrstuhlfahrt bleibt, die mit einem großen Knall in einen ebenso unterhaltsamen Bossfight übergeht. Die Kämpfe gegen die Bosse sind klassisch gehalten, also phasenweise. Sobald ein Stück der Lebensleiste fehlt, gewinnt der Kampf an Dramatik durch zum Beispiel mehr Gegner, neue Fähigkeiten und mehr Schaden.

Soweit sehr unterhaltsam, aber keine Spur von Annie. Diese dürft ihr erst im zweiten Akt steuern und ganz nebenbei ein etwas anderes Spiel erleben. Die Welt ist klarer strukturiert, NPCs haben etwas zu sagen und überhaupt wird aus dem linearen Geballer eine Reise mit vielen Hindernissen. Im Vergleich zu Jack kämpft sie vorzugsweise mit einem Bogen und kann nicht gerade auf endlos viel Munition zurückgreifen.

Dafür habt ihr nun endlich die Möglichkeit, ein Menü zu öffnen und die unterschiedlichen Waffen zu begutachten. Dies hilft im späteren Verlauf, da, ähnlich wie bei Resident Evil 4, ein fahrender Händler neue Waffen, Upgrades, Hilfsmittel und Munition verkauft. Eure Spielweise gleicht nun viel mehr Resident Evil 2, indem ihr beispielsweise in vertrackte Gänge kommt und aus einigen Räumen Gegner strömen, die gezielt ausgeschaltet werden müssen.Insgesamt gefällt mir der zweite Akt deutlich besser, weil es anspruchsvoller und unterhaltsamer zugleich ist. Annie ist ein Teil der Welt und muss sich mit ihren unangenehmen Folgen auseinandersetzen. Wirkt sie zu Beginn des Spiels noch sehr naiv, wächst ihr Selbstvertrauen im gleichen Maße, in dem auch der Spieler Zugang zu besseren Waffen und Ausrüstung erhält. Ihre Suche nach Jack führt sie dabei durch unterschiedliche Orte, deren Gefahren dank der Steuerung erst wirklich bedrohlich wirken.

Bosskämpfe werden nun abwechslungsreicher und erinnern teilweise an Alan Wake, wenn ihr zum Beispiel gegen einen besessenen Kran kämpft, dessen Schwünge am besten nicht euch, sondern die Horde an angreifenden Zombies treffen. Euer letzter Kampf wird dann auch besonders spektakulär ausfallen und kurzzeitig vermischen sich wieder die Elemente von twitchiger Shooter Action und Survival Horror.

Es gibt keine Level oder Geheimgänge und überhaupt bewegt ihr euch auf dem linearen Storypfad ohne zurückzublicken. Anspruchsvoll sind dabei häufig nur die Bossfights, aber das gezielte Kämpfen mit eurem Bogen macht in jeder Sekunde Spaß. Und keine Sorge: Pistole, Schrotflinte und sogar Flammenwerfer werden auch zu eurem Arsenal gehören. Dennoch lässt sich nicht verbergen, dass Abwechslung nicht immer Annies Stärke ist.

Auf eurem Weg durch die apokalyptische Schneelandschaft werden euch nicht nur Gegner sondern auch einige Bugs begegnen. Meist sind diese von harmloser, grafischer Natur und in einem Projekt dieser Art keine Seltenheit. Allerdings musste ich an zwei Stellen das Spiel neu starten, da es schlichtweg nicht weiter ging. Dies ist zwar die Ausnahme, darf aber keineswegs unbeachtet bleiben.

 


 

– Besonderheiten –

Die eingangs bereits erwähnte HD Voxel Grafik ist ein absoluter Hingucker und lässt den Mix aus alter Konsolenkost und schnellem Actiongameplay in grafischer Pracht erscheinen. Selten hat es so Spaß gemacht, Wände zerbersten zu lassen, wenn links und rechts Explosionen einschlagen. Der Stil ist einmalig und lässt ANNIE aus der Masse an Indie Games herausstechen.Bosskämpfe können, nein – sollten schwierig und herausfordernd sein, dabei aber nicht unfair. ANNIE: Last Hope schafft irgendwie den Spagat zwischen Unterhaltung und Nervenkitzel. Wer Spiele dieser Art noch nie versucht hat, wird gewiss einige Male an einem Boss scheitern. Dennoch sorgen die unterschiedlichen Mechaniken dafür, dass man sich an jeden einzelnen Gegner erinnern kann und ich applaudiere dem Game Design, das hinter diesem kleinen Projekt steckt. Nicht selten erkennt man Parallelen zu bereits gespielten Titeln oder Mix-Ups aus Resident Evil, Metal Gear, Alan Wake und vielen mehr.

 


 

– Support –

Dieser Abschnitt lässt mich leider an der Zukunft von ANNIE zweifeln, aber ich lasse mich gern eines besseren belehren. Sucht man im Netz Pixel Rice, findet man zwar viele niedliche Bilder von kleinen Reisbällchen, aber keine Informationen über das Team hinter ANNIE: Last Hope. Es gibt keine Homepage, kein Twitter, Discord. Einzig ein paar Antworten auf Fragen im Steam Forum zeigen, dass jemand hinter dem Projekt steht. Ein letztes kleines Update erfolgte Ende Dezember.

 

– Fazit –

Wenn der letzte Gegner fällt, werdet ihr kaum mehr als vier Stunden gespielt haben. Die abschließende Sequenz, vollgepackt mit Teasern und mehr Fragen als Antworten, macht ungemein viel Lust auf das letzte Kapitel von ANNIE: Last Hope. Ob ihr dieses jemals zu Gesicht bekommt, ist bei den aktuellen Problemen mit dem Support eher fraglich, was ich persönlich sehr bedauern würde.

Grafisch wird viel geboten und der nostalgische Ausflug in Spiele vergangener Generationen gelingt vor allem im zweiten Teil außerordentlich gut. Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass der Prolog kürzer ausfällt und sich insgesamt ein einheitlicher Spielstil manifestiert. Die absurde Story, gespickt mit Klischees, weiß dennoch zu unterhalten und entwickelt vor allem dann den nötigen Ernst, wenn Annie die Welt, ihre Probleme, Wunder und Gefahren erkundet.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung“ klicken. Wahnsinn!

Resident Evil-lite klingt sicher nicht erhebend, soll in Anbetracht der Berühmtheit des Namens aber verdeutlichen, was ANNIE: Last Hope in seinen besten Momenten kann: eine spannende Atmosphäre, abwechslungsreiche Action und Survial Horror-Aspekte, dank der ich mich zu jeder Zeit gut unterhalten fühlte. Wenn das abschließende Kapitel dort anknüpft, Bugs in Gameplay und Kamera ausmerzt und den Raum für filmische Elemente offen lässt, könnte dies zu einem echten Kleinod werden. Ein gutes Schnäppchen und Geheimtipp für Fans von Spielen vergangener Generationen ist es bereits allemal.

 


 

 


 

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Über Faust

Angefangen mit Master System, SNES und Playstation, fand irgendwann auch der PC Einzug in mein Wohnzimmer und ist seitdem mein Favorit wenn es um Videospiele geht. Ich liebe Klassiker wie Suikoden, Vandal Hearts und Final Fantasy, bin aber auch immer an neuen Titeln interessiert. Multiplayer sind nicht meine Stärke, daher spiele ich lieber RPGs, Aufbaustrategie und generell alles mit einer guten Story. Indie Games und Pixel Art haben einen besonderen Platz in meinem Herzen und Kickstarter kann man getrost als mein zweites Zuhause bezeichnen.

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