Ultimate General: Civil War SCREENSHOTS
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Ultimate General: Civil War

Civil War Tycoon

 

Für wen ist Ultimate General: Civil War eigentlich?

– Für Freunde der verhältnismäßig gemächlichen Strategie zu Zeiten des Sezessionskriegs.

Für wen ist Ultimate General: Civil War eher nichts?

– Wer etwas schnelleres Gameplay erwartet, wird enttäuscht.

Was möchte Ultimate General: Civil War sein?

– Die Weiterentwicklung des bereits sehr gelungenen Vorgängers Ultimate General: Gettysburg.

Was ist Ultimate General: Civil War geworden?

– Eine Weiterentwicklung in den meisten Bereichen, ein Rückschritt jedoch, was dynamische Szenarien angeht.

 

Ultimate General: Civil War macht auf den ersten Blick eigentlich alles richtig: es implementiert komplexes Armee-Management, eine große Kampagnenkarte mit Haupt- sowie Nebenkämpfen und sogar an RPGs erinnernden Charakterfortschritt(!) – und die Mixtur ist durchaus schmackhaft. Dabei bleiben jedoch einige Tugenden aus dem Vorgänger auf der Strecke und werden dem höheren Wohl geopfert. Welche das sind und ob es die richtige Entscheidung des Entwicklers war, klären wir jetzt in unserer Review.

 

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– Die Präsentation –

Optisch hat Ultimate General: Civil War etwas vom Spielen mit kleinen Plastiksoldaten. Die Kamera lässt sich, auch auf dem größten Zoom, nicht wirklich nah an das Geschehen heranführen und so wirken die kleinen Soldaten am Ende wirklich wie kleine Spielzeuge. Zwar sind hübsche Feuereffekte mitsamt allerlei Rauch durchaus der Immersion dienlich, insgesamt wirkt die grafische Präsentation sehr mittelmäßig. Das liegt an mehreren Dingen: zum einen ist das Trefferfeedback auf der Karte nicht 100% korrekt. Das heißt konkret, dass die Einschlaglöcher der Kanonen nicht exakt die Orte und den aktuellen Kampfverlauf widerspiegeln. Bleibt meine Einheit also mehrere Minuten unter Feindbeschuss stehen, bleiben die Krater auf der Karte jedoch genau die selben, ohne dass neue hinzu kommen oder das Schlachtfeld sich weiter wandelt.

Ähnlich problematisch sind einige Animationen – so schlagen manche Soldaten im Nahkampf schon mal einfach ins Leere, weil sie nicht vorne im Nahkampf positioniert sind, die dafür vorgesehene Animation aber dennoch abgespielt wird. Ein weiteres Problem (zumindest in meinen Augen) ist die Annäherung an einen realistischeren Stil, was die Landschaft angeht. Während die Spielkarte beim Vorgänger durch andere Proportionen und eine andere Aufmachung noch etwas mehr wie eine Landkarte gewirkt hat, geht Ultimate General: Civil War komplett in Richtung Realismus. Das zerstört zum einen etwas den entsprechenden Charakter, zum anderen fallen grafische Schwächen mehr auf – was sich hier konkret durch oftmals unsaubere Kanten äußert.

Klanglich kann ich Ultimate General: Civil War schon eher Qualität zugestehen. Leichte, an den Sezessionskrieg erinnernde Trompetenmusik ist im Hauptmenü das höchste der Gefühle, darüber hinaus bleiben nur die Klänge des Krieges. Konkret bedeutet es das Geschrei der Soldaten, das laute Feuern von Gewehren sowie die dumpfen Einschläge der Artillerie. Diese Sounds sind in sich allesamt passend und sie erzeugen allesamt die richtige Stimmung. Höchstens dem Artilleriebeschuss fehlt ein wenig die klangliche Wucht, wenn man es ganz genau nehmen mag. Doch insgesamt ist hier ein zufriedenstellendes Paket zusammengeschnürt worden.

Technisch macht das Spiel keinerlei Probleme – in meinen Sessions sind mir keinerlei Bugs oder ähnliche Probleme begegnet.

 

– Das Gameplay –

Hier ist das Herz des Spiels zu finden, da Ultimate General: Civil War ganz klar darauf setzt, beim Gameplay zu überzeugen. Kurz gesagt tut es das auch. Der Spielverlauf teilt sich hierbei in zwei Phasen auf: das Management unserer Armeen und die eigentlichen Gefechte. Diese dauern in der Regel zwischen zehn Minuten und einer halben Stunde. Dabei hat das Kerngameplay sich maßgeblich verbessert: Nahkampf ist nun eine brauchbare Strategie, die sich auch wesentlich besser abschätzen lässt, da die Anzahl der Männer nun ebenso eine Rolle spielt wie die Moral und etwaiger Beschuss. Während der Nahkampf im Vorgänger absolut unberechenbar war, sind die Rahmenbedingungen jetzt viel klarer. Dazu wurde das Gameplay auch um manches bereichert: über Versorgungswägen muss nun gewährleistet sein, dass alle Einheiten genug Munition haben und befestigte Stellungen, die Infanterie einnehmen kann, erlauben jetzt außerdem bessere Möglichkeiten für die Verteidigung.

Aber wie spielt sich nun so ein Gefecht? Ähnlich einem Total War, müsste man da sagen. Es gibt die gängigen Taktiken wie das Flankieren, sich verschanzen oder den Nahkampf und mit diesen Mitteln versuchen wir, den Kampf in Echtzeit zu unseren Gunsten zu entscheiden. Dabei haben wir vier Einheitentypen: die Infanterie, Spähtrupps, die Kavallerie und unsere Artillerie. Die Infanterie kommt dabei in bis zu 1500 Mann starken Verbänden daher und setzt auf reine Feuerkraft, kann aber auch mit einem Sturmangriff in den Nahkampf übergehen. Spähtrupps kommen entweder seperat als eigene Einheit daher oder können aus einem Infanterieverband heraus gegliedert werden. Sie sind in der Regel nur wenige hundert Mann stark und setzen auf Unsichtbarkeit (in den Wäldern sind sie nur spät zu erkennen) und Mobilität. Dabei ist nicht zu unterschätzen wie wichtig sie sein können, um feindlichen Truppen in den Rücken zu fallen. Selbst gerade einmal 150 Späher können, richtig eingesetzt, verheerenden Schaden anrichten.

Die Kavallerie ist den Spähern recht ähnlich, nur dass sie mobiler ist und einen stärkeren Ansturm besitzt. Die Truppstärke überschreitet dabei auch nie die 1000 Mann und die Kavallerie setzt auf einen Mix aus Feuerschutz und Nahkampf. Auch hier gilt: selbst eine Unterzahl kann durch einen guten Ansturm in den Rücken des Feindes aufgehoben werden. Zuletzt bleibt die Artillerie und die ist, wie sonst auch, anfällig für Beschuss und Nahkampf, kann dafür auf bestimmte Distanz schrecklichen Schaden anrichten. Toll ist, dass sie historisch korrekte, unterschiedliche Munitionstypen benutzt. Egal ob es nun einfache, nicht explodierende Geschosse sind, die einfach nur auf riesige Distanz treffen sollen oder ob es in Schrapnells und Fragmente zerspringende Munition ist, die auf mittlere bis kurze Distanz riesige Schäden bei Truppverbänden anrichtet. Zuletzt bleiben dann, als unterstützende Einheiten, noch die Generäle und Versorgungswägen. Generäle erhöhen die Moral, Versorgungswägen liefern Munition, wodurch beide Einheitentypen strategisch sinnvoll platziert werden, jedoch nicht ins Kampfgeschehen eingreifen.

Mit diesem Arsenal und durch geschicktes Platzieren unserer Truppen, versuchen wir also den Krieg zu gewinnen. Doch mit Waffen und Soldaten allein ist nichts zu holen: jede Einheit hat Ausdauer und Moral, die entscheidend sein können. Die Ausdauer geht dabei zur Neige, wenn unsere Einheiten lange Märsche zurücklegen oder gar rennen müssen – aber auch bei anstrengenden Feuergefechten sinkt der Balken. Die Moral sinkt grundsätzlich in Kämpfen, kann aber vollkommen zerschmettert werden, wenn starke Angriffe von der Flanke oder gar von Hinten die Moral der Männer erschüttern. In dem Falle wird die ganze Einheit für einige Zeit unkontrollierbar und flieht einfach vom Feld. Das kostet nicht nur die Position, die dadurch gehalten wurde, sondern auch Soldaten, da diese in dem Moment leichte Ziele abgeben. Die beiden Faktoren haben jedoch noch einen anderen Effekt: sie verlangsamen den Spielfluss. Soldaten brauchen auch Pausen auf dem Feld und müssen sich körperlich wie geistig erholen. Wer seine Einheiten dauerhaft kämpfen lässt, bemerkt einen starken Verschleiß.

Die zweite Hälfte des Spiels findet ganz außerhalb des Getümmels statt. Die Management-Komponente ist dabei stark ausgearbeitet: wir können Truppen mit neuen Soldaten verstärken oder gar mit ganz neuen Waffen, von denen es übrigens ziemlich viele im Spiel gibt. Diese haben alle andere Werte und erlauben uns so auszusuchen, ob unsere Soldaten schneller laden, dafür aber weniger Schaden anrichten können – oder umgekehrt. Dazu haben unsere Brigaden und Trupps noch eigene Befehlshaber, die wir ebenfalls aussuchen können und die mit zunehmender Erfahrung sogar passive Boni für den Trupp freischalten können. Zusätzlich zu diesen grundsätzlichen Funktionen gibt es noch uns, den General.

Zu Beginn einer Kampagne wählen wir nämlich, einem Rollenspiel ähnlich, unsere Werte aus. Diese reichen von politischem Verständnis hin zu unseren Eigenschaften als Kämpfer, wobei jede Kategorie Vorteile bietet. Sind wir ein auf Wirtschaft und Politik fokussierter General, so organisieren wir mehr Geld für den Krieg und sparen Geld beim Einkauf von Waffen und der Rekrutierung von Truppen. Fokussieren wir uns eher auf Spionage und die Armee, können wir mehr Informationen über den Feind erhalten, unsere Soldaten sind besser ausgebildet oder wir haben mehr Trupps unter unserem Kommando. Das ist sehr gut gelungen, weil dadurch verschiedene Spielansätze möglich sind. Zuletzt bleibt da dann auch noch unsere Reputation in der jeweiligen Hauptstadt. Durch Siege (manchmal auch durch einen Gleichstand, je nach Mission) erlangen wir einen guten Ruf, was uns erlaubt bestimmte Dinge aus der Hauptstadt zu fordern. Das kann ein neuer General sein oder eine Ladung der neuesten Gewehre. Das Gefühl, wirklich ein General im Bürgerkrieg zu sein, wird dadurch auch beim Management gut eingefangen.

 


 

– Die Besonderheiten –

Die Waffenauswahl im Spiel ist löblich anzuerkennen. Für jeden Einheitentyp gibt es mehrere Waffen die nicht nur die Werte (Schaden, Nachladezeit, Nahkampf) beeinflussen sondern teilweise auch den Nutzen einer Einheit komplett wandeln können. So gibt es für die Kavallerie beispielsweise Gewehre ohne Nahkampfwaffe, die aus einem anstürmenden Trupp eher eine mobile Infanterie machen können.

Ebenfalls stark sind die Rollenspiel-Elemente. Vom Auswählen der Charakteristik des Generals hin zu Nebenmissionen, Reputation und levelbaren Charakterwerten sitzt jedes Feature einfach auf den Punkt. Dabei fühlt sich nichts unnötig an sondern verstärkt nur Immersion und Spielgefühl. Von den Möglichkeiten, das Spiel mehrfach unter anderen Gesichtspunkten durchzuspielen, muss man dabei gar nicht erst reden. Jeder Sieg und jede Niederlage fühlt sich dadurch zudem ebenfalls wichtig an, da so Fortschritte gemacht oder eben auch verloren werden.

Wovon sich Fans des Vorgängers jedoch trennen müssen, sind Dynamische Gefechte. Während im Vorgänger das Gefecht mehrere Phasen hatte, die sich je nach Erfolg des Spielers gewandelt haben, sind Schlachten in Ultimate General: Civil War diesmal sehr linear. Das heißt, dass es einen vorgegebenen Weg und dabei nur Sieg oder Niederlage gibt. Das ist in dem Sinne eine nachvollziehbare Entscheidung, gemessen daran wie viele verschiedene Haupt- und Nebengefechte im Spiel vorhanden sind. Dennoch ist es zumindest erwähnenswert für alle, die den Vorgänger kennen.

Das Terrain unterstützt das Spielgeschehen ebenfalls sinnvoll. Egal ob es ein paar Häuser sind, ein riesiges Kornfeld oder mehrere Wälder – die Landschaft ist ein taktisches Feature. Einheiten finden in Kornfeldern oder hinter Zäunen nicht nur Schutz vor Feindbeschuss, in dichten Wäldern können sie außerdem ganz aus dem Sichtfeld verschwinden. Flüsse verlangsamen dazu das vorankommen der Soldaten und anhöhen liefern den perfekten Ort für die Verteidigung. Nichts auf den Gefechtskarten scheint ohne einen Nutzen zu existieren, was sehr löblich ist.

Der Schwierigkeitsgrad ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Die KI im Vorgänger war ziemlich gut und hat sich sogar konkret einstellen lassen (vom vorsichtig-konservativen General hin zum unkonventionellen Draufgänger) was in Ultimate General: Civil War wiederum vollkommen fehlt. Zwar gibt es drei Schwierigkeitsgrade zum Auswählen, diese jonglieren jedoch mit prozentualer Skalierung, das heißt: auf ‚Leicht‘ gibt es einfach 25% mehr Geld und Rekruten und der Feind macht 25% weniger Schaden, auf ‚Schwer‘ ist genau das Gegenteil der Fall. Das ist insgesamt der leichte Weg, der nicht im Ansatz so zufriedenstellende Ergebnisse erzielt.

 


 

 

– Endgültiges Fazit –

Ultimate General: Civil War macht eigentlich fast alles richtig: der Schritt in Richtung Komplexität tut dem Spiel gut und das Management ist schlichtweg perfekt eingebaut. Dabei unterhält die Mischung aus strategischen Gefechten und Management mit einem Hauch RPG auf höchstem Niveau. Egal ob nun ein Manöver auf dem Schlachtfeld gelingt, neue Waffen eingekauft werden können oder wir unseren Fähigkeiten einen weiteren Punkt hinzufügen dürfen – Ultimate General: Civil War macht immer eine unglaublich gute Figur und eine Menge Spaß. Die einzelnen Szenarien, vor die wir gestellt werden, sind dabei auch recht abwechslungsreich und der Wiederspielwert ist durch die Freiheiten in der Charaktererstellung, das Management sowie die zwei Fraktionen gegeben.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in der Review auf die Sterne unter Eure Wertung klicken. Wahnsinn!

Dabei hat das Spiel durch seine Neuausrichtung lediglich einige Zugeständnisse machen müssen. KI und Schwierigkeitsgrad haben in ihrer Qualität nachgelassen und die ausgezeichneten, dynamischen Gefechte aus dem Vorgänger sind vollkommen verschwunden. Doch insgesamt bleibt ein starker Titel stehen, der besonders durch sein Gameplay besticht. Daran hat sich auch beim vollwertigen Release zum 14.07.2017 nichts getan – die kleinen Eingeständnisse sind geblieben, lediglich neue Karten und Gefechte haben ihren Weg ins Spiel gefunden. Durch diese doch eher unspektakuläre Early Access Zeit bleibt Ultimate General: Civil War bei 4 Sternen stehen.

 


 

 


 

Niv

Über Niv

Seit über 25 Jahren Gamer, habe ich natürlich schon einiges gespielt und noch viel mehr gesehen. Entgegen aller Prognosen hänge ich noch immer an meinem Hobby und verbringe die Zeit nicht nur am PC, sondern auch an meinen Konsolen. Während ich, wie die meisten meines Alters, gerade auch mit den Klassikern von Nintendo aufgewachsen bin, sitze ich heute am liebsten vor Rogue-likes, RPGs oder Aufbaustrategie. 2015 habe ich, über die Early Access Welt hinaus, am liebsten Zeit mit Bloodborne verbracht.

Release: Ultimate General: Civil War

Release: Ultimate General: Civil War

Ultimate General: Civil War gehört zu jenen Titeln, bei welchen sich man im nachhinein fragt, ob Early Access denn etwas bewirkt hat. Das Erlebnis, so ansprechend es auch ist, unterscheidet sich nur vage von der ursprünglichen Ausgangsposition und bis auf neue Inhalte in Form von historischen Schlac...