Thea: The Awakening SCREENSHOTS
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Thea: The Awakening

4X trifft slawische Geschichten

 

Für wen ist Thea: The Awakening eigentlich?

– Für 4X Sympathisanten, die gerne mehr in Richtung Story sowie Charakterentwicklung erleben möchten.

Für wen ist Thea: The Awakening eher nichts?

– Alle, die mit den manchmal unfairen Konsequenzen ihre Probleme haben oder auch auf Diplomatie und Handel absolut nicht verzichten können, finden hier womöglich nicht ganz das richtige Spiel.

Was möchte Thea: The Awakening sein?

– Ein 4X Spiel mit starkem RPG Einschlag sowie storylastigen Inhalten.

Was ist Thea: The Awakening geworden?

– Ein sehr spannendes Spielkonzept, dem durch einige Kompromisse allerdings auch ein paar Dinge fehlen.

 

Thea: The Awakening verbindet sehr geschickt ein 4X Erlebnis mit lauter kleinen Geschichten sowie Entscheidungen. Dazu steckt noch ein kleines Kartenspiel in den Kämpfen selbst und insgesamt entsteht so ein mutiges und frisches Spielkonzept. Allerdings sind auf dem Weg dahin Kompromisse gemacht worden, die an anderen Stellen Schwächen entblößen. Welche das sind und für wen Thea dennoch ein sehr reizvolles Spiel sein kann, klären wir jetzt in unserer Review.

 


 

– Die Präsentation –

Grafisch bewegt sich Thea auf der Höhe dessen, was man als Genre-Standard bezeichnen kann. Die Weltkarte sieht ansprechend aus, kleine Effekte wie Wolken oder umherziehende Gegner lockern das Geschehen auf. Eine absolute Pracht ist das Gesehene nicht, da sich allem voran nicht sehr viele Details zeigen, das eigene Dorf sich optisch nicht entwickelt und auch sonst alles insgesamt recht statisch wirkt. Dennoch schafft Thea es, einen soliden Eindruck zu hinterlassen. Außerhalb der Karte bleibt alles sehr einfach gehalten: die Spielkarten während der Kämpfe sehen von Hand gezeichnet und schön zerfranst aus, Quests, die kurze Geschichten erzählen, werden von statischen Bildern begleitet.

Klanglich bietet Thea nicht mehr als das nötigste: sanfte Hintergrundmelodien, die von eher rasanteren abgelöst werden, sobald Kämpfe stattfinden. Dazu kommen dann noch höchstens grundlegendste Kampfgeräusche wie Schwerthiebe oder diverse Geräusche der Monster. Hier ist letztlich nur das Mindeste getan worden, von den Sounds her ist Thea annehmbar – mehr aber auch nicht. Inzwischen sind die Texte zur Haupt-Story vertont, insgesamt wirkt das aber sehr amateurhaft. Nicht schlecht, aber auch nicht zwingend gut.

Technisch läuft Thea absolut zufriedenstellend und auch Bugs sind mir keine begegnet.

 

– Das Gameplay – 

Thea setzt auf recht klassisches 4X Gameplay, allerdings mit einem Twist: anstatt sich überwiegend auf riesige Armeen, weitreichende Wirtschaft oder ausgefuchste Diplomatie zu konzentrieren, liefert das Spiel eine simple Wirtschaft mit Fokus auf das Dorfleben, individuelle Charaktere sowie sehr storylastige Quests. Diese Mischung funktioniert insgesamt recht ordentlich und sorgt für ein frisches Erlebnis. Anstatt einfach Gebäude zu bauen, die das Dorf mit allem versorgen, schicken wir unsere Siedler auf Expeditionen und grasen so die Umgebung nach Rohstoffen ab. Anstatt riesige Armeen zu bieten, zählt jeder einzelne Bewohner den wir in die Schlacht schicken – das geht sogar soweit, dass jeder Dorfbewohner einzeln ausgerüstet werden kann.

Doch bevor es soweit kommt, dürfen wir erst einige Grundeinstellungen bestimmen. Da Thea nur einen freien Spielmodus bietet, wählen wir also die Größe der vom Zufall generierten Karte, den Schwierigkeitsgrad und auch ob wir mit mehr Sammlern, Kriegern oder Baumeistern anfangen wollen. Zuletzt dürfen wir dann noch einen aus acht Göttern wählen, der uns bestimmte Boni gewährt und den wir sozusagen verkörpern. Ein ziemlich ausführliches Tutorial hilft uns dann mit einigen einfachen Quests in das Spiel hineinzukommen – sofern wir es nicht ausschalten.

Zu Beginn sehen wir uns alle Dorfbewohner an, die wir haben, da diese das Rückgrat unserer Siedlung bilden. Sammler grasen die Umgebung ab und schaffen es schneller, benötigte Rohstoffe zu sammeln. Baumeister dagegen sind besser darin, Gegenstände wie Waffen, Kleidung und Werkzeuge herzustellen, können aber auch mit Gebäuden unsere Siedlung verstärken. Krieger dagegen haben nur den Kampf im Sinn und sind für Verteidigung aber auch Expeditionen unerlässlich. Da jeder Dorfbewohner mehr als eine Spezialisierung haben kann, wägen wir so ab, wen wir wo brauchen und erstellen dann auch schon unsere erste Expedition. Diese entsteht dann als Einheit, die wir beliebig auf der Weltkarte befehligen können. Wichtig ist hierbei, dass Expeditionen keine reinen Kampftrupps sein müssen oder sollten. Denn: der Radius unseres Dorfs erweitert sich nicht einfach. So schicken wir also unsere Expeditionen im Normalfall mit einer Mischung aus Kriegern und Sammlern los, lassen sie in der Wildnis kampieren und währenddessen benötigte Rohstoffe sammeln. Entsprechende Optionen machen es uns dabei sehr leicht, um auf der Karte zu sehen, wo sich welcher Rohstoff befindet. Das erzeugt zwar eine insgesamt familiärere Atmosphäre, da wir all unsere Bewohner schätzen und mit ihnen im kleinen Rahmen nach wichtigen Dingen suchen, eine große Wirtschaft entsteht so jedoch nicht.

Kämpfe gibt es in der Welt von Thea natürlich auch und diese fallen ebenfalls genreuntypisch aus. In einer Art Kartenspiel werden so Schlachten entschieden, wie genau das funktioniert, lest ihr unter den Besonderheiten nach. Hier findet sich aber auch eine kleine Schwäche von Thea: zwar ist die Idee grundsätzlich etwas frischer und aktiver, als es andere Genre-Vertreter lösen, mit der Zeit nutzt sich das Konzept jedoch ab.

Theas Spielwelt ist dabei zufallsgeneriert: Karten, Events sowie die Rohstoffverteilung aber auch die Fähigkeiten der Bewohner sind allesamt zufällig. Das ist, wie meistens, ein Zweischneidiges Schwert: wer kein Problem damit hat, mal ein Spiel sehr eingeschränkt zu beginnen und sich gegen Widrigkeiten zu behaupten, der findet hier einiges an Wiederspielwert. Wer dagegen schnell das Gefühl hat, unfair behandelt zu werden und deshalb etwas Frust aufkommt, wird hier weniger eine Stärke des Spiels finden. Der Vorteil ist so aber auch, dass es insgesamt durchweg fordernd bleibt.

Da es bislang keinerlei Gegenspieler gibt, weder menschliche noch als NPC, lässt Thea Dinge wie Handel und Diplomatie gänzlich vermissen. Es konzentriert sich so also komplett auf die Geschichte, Nebenquests und das Verwalten des Dorfes.

 


 

– Besonderheiten: Quests –

Die Quests in Thea sind allesamt sehr an kleine Geschichten gebunden, in denen es sogar Entscheidungen gibt. All das findet allerdings in Textform statt und die Konsequenzen aller Aktionen sind sehr vorhersehbar, nicht zuletzt weil Entscheidungen, die in Kämpfen resultieren, mit Totenköpfen markiert sind. Allerdings schalten bestimmte Charaktere mit bestimmten Eigenschaften manchmal zusätzliche Optionen frei, die dann zumindest einen gewaltfreien Weg bieten. Abseits der Entscheidungen überzeugen die Geschichten aber mit tollen Ereignissen, teilweise interessanten Charakteren und slawischen Mythen.

 

– Besonderheiten: Kartenspiele –

Wie schon erwähnt werden Kämpfe mit Karten ‚ausgespielt‘. Hierbei beginnen wir oder der Gegner, was zufällig bestimmt wird, und alle Charaktere, die in unserer Expedition dabei sind, haben wir so nun als Karten auf der Hand. Diese gliedert sich in zwei Hälften: unsere aktive und unsere taktische Hand. Karten auf der aktiven Seite, dürfen auf das Schlachtfeld gelegt werden und greifen nach der Vorbereitungsphase an. Taktische Karten dagegen bieten uns spezielle Tricks, dürfen aber auch auf das Schlachtfeld gelegt werden – greifen dann aber erst mit Verzögerung an. Haben beide Seiten alle Karten gelegt bzw. eine Runde gepasst, ohne Karten zu legen, geht es zum eigentlichen Kampf über. Hier greifen die gelegten Charaktere der Reihe nach von links nach rechts automatisch nahe Ziele an. Wer also seine Karten ganz links positionieren konnte, hat einen Vorteil. Die Kampfphase hat dabei zwei Runden: in der ersten Runde greifen alle Karten an, die ohne Verzögerung angreifen dürfen. In Runde zwei greifen dann nochmal alle an, auch die, die eine Verzögerung auszusitzen hatten. Werden alle Karten eines Spielers besiegt, hat dieser verloren. Bleiben auf beiden Seiten Karten übrig, geht das Spiel mit den verbliebenen Karten weiter, sprich: ‚fallen‘ Charaktere während des Kartenspiels, sind diese nur für die Dauer der Partie weg. Was mit ihnen insgesamt geschieht, wird nach der Partie entscheiden.

So können Charaktere leichte oder schwere Wunden haben – oder auch sterben. Was geschieht, scheint recht zufallsbedingt, ein Charakter der beim Kartenspiel jedoch außer Gefecht gesetzt wird, hat aber mindestens sehr schwere Verletzungen, die im Dorf kuriert werden müssen. Daneben hat jeder Charakter aber auch so Werte wie Verteidigung, Angriffskraft oder besondere Effekte, die zusätzliche Boni gewähren.

Doch die Karten werden nicht nur bei Kämpfen benutzt – Events jeder Art werden via Kartenspiel ausgetragen. Ziehen also mal Nomaden an unserem Dorf vorbei, können wir zum Beispiel versuchen, diese zum Bleiben zu überreden. Das geschieht dann auch mit einem Kartenspiel, wie beim Kampf, nur dass jetzt andere Attribute relevant sind. So sind dann attraktive und wortgewandte Mitglieder unseres Stamms stärker und haben mehr Einfluss. Das ist insgesamt clever gelöst, so wiederholt sich das Kartenspiel jedoch auch zu oft.

 

– Besonderheiten: das RPG in Thea sowie das Crafting –

Neben den handlungsreichen Quests bietet Thea auch leichte RPG Elemente. Zum einen betrifft das Level-Ups der Dorfbewohner, die leider nur zufällige Werterhöhungen bieten. Zum anderen lässt sich aber auch jeder Charakter mit Waffen, Rüstungen und Schmuck ausrüsten, was die Werte beeinflusst. Dabei ist interessant, dass sich jegliches Gear nicht nur finden, sondern auch selbst craften lässt. Das Crafting selbst ist recht einfach, da jeder Gegenstand seine Rezepte frei einsehbar hat und sich so alles mit den richtigen Materialien sehr leicht in Auftrag geben lässt.

 

– Besonderheiten: Skillbäume und Gottheiten –

Für abgeschlossene Quests sammelt auch unsere Gottheit (bzw. sammeln eben wir) Erfahrungspunkte. Erreichen wir sozusagen einen Level-Aufstieg, können wir unsere Siedlung mit Neuerungen beschenken. Dabei wählen wir aus recht ordentlichen Skillbäumen aus, was wir denn erlernen wollen. Zur Auswahl stehen uns neue Gebäude, die uns Boni auf unsere Siedlung geben, Fortschritt in Sachen Werkzeuge und Waffen, was uns neue Dinge craften lässt sowie die Entdeckung neuer Rohstoffe insgesamt. Indem wir also sorgfältig wählen, bringen wir unser Dorf so voran.

Nach einem abgeschlossenen Spiel gibt es dann aber auch nochmal zusätzlich Erfahrungspunkte für den von uns gespielten Gott. Dieser kann nämlich auch Level aufsteigen und damit neue Boni sowie Götter freischalten.

 


 

– Das Fazit –

Thea taucht leicht in das 4X-Genre ein, wandelt es aber mit guten RPG-Elementen, tollen Kurzgeschichten sowie funktionierendem Gameplay in etwas eigenes um. Zufallsgenerierte Inhalte sowie freischaltbare Gottheiten können hier durchaus auch für Langzeitmotivation sorgen und der recht knackige Schwierigkeitsgrad, auch wenn er durch den Zufall entsteht, liefert auch eine gute Herausforderung. Schade ist bislang nur, dass die Wirtschaft sehr seicht ist, andere Gegenspieler etwas fehlen und die Kämpfe sehr langatmig sind. Meine Empfehlung: wer das 4X Genre mag, allerdings Lust auf etwas neues hat, findet mit Thea einen sehr interessanten Ansatz. Wem dagegen große Armeen, vielschichtige Wirtschaft und verschachtelte Diplomatie fehlen werden, der schaut sich lieber anderweitig um.

 

– Warum 3.5 Sterne? –

Weil Thea sehr gut funktioniert, mit seiner Mischung jedoch auch Kompromisse eingehen muss, die nicht jedem gefallen werden. So ist am Ende wichtig, wie sehr man sich mit Stärken sowie Schwächen arrangieren kann – deshalb wird Thea grundsätzlich von uns empfohlen, von einer klaren Bereicherung für seine Genres kann aber (noch) nicht die Rede sein.

 

– Der Abschluss –

Thea hat Early Access am 20.11.2015 verlassen und in den wenigen Monaten in erster Linie ‚Quality of Life‘-Veränderungen erfahren. Das bedeutet, dass das Spiel im Kern absolut fertig war und lediglich etwas poliert wurde. Im wesentlichen zeigt sich das an einer besseren Balance sowie interessanter platzierten Zufallsevents. Um eine Aufwertung zu rechtfertigen, haben die Anpassungen nicht gereicht, einfach da bestimmte Kritikpunkte, die schon vom ersten Tag an bestand hatten, auch weiterhin greifen.

 


 

 


 

Early Access Addicts

Über Early Access Addicts

Ob Alpha oder Beta, hauptsache Early Access. Wir von den Early Access Addicts testen und spielen für euch Early Access Titel und zwar ausschließlich.

Release: Thea

Release: Thea

Thea: The Awakening hat Early Access nun verlassen und wir haben uns das fertige Spiel in seiner derzeitigen Form natürlich nochmals angeschaut. Dabei haben wir festgestellt, dass sich erstmal gar nicht so viel verändert hat. Das Spiel ist etwas ‚freier‘ geworden, da nicht mehr die selbe...

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