Stranded Deep SCREENSHOTS
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Eure Wertung:
VN:F [1.9.22_1171]

Stranded Deep

Ein Meer ohne Tiefe

 

Für wen ist Stranded Deep eigentlich?

– Für Survival-Einsteiger und jene, denen das Setting wichtiger als das Survival-Gameplay ist.

Für wen ist Stranded Deep eher nichts?

– Für Spieler, die gerne auch mal an ihre ‚Grenzen‘ gebracht werden.

Was möchte Stranded Deep sein?

– Ein Survival-Spiel mit tropischem Inselflair à la Cast Away.

Was ist Stranded Deep geworden?

– Ein Insel-Simulator ohne großen Anspruch.

 

Nun ist es schon eine Weile her, seit ich mich das letzte Mal in die Weiten von Stranded Deep gewagt habe. Nach dem letzten Patch jedoch bestand große Hoffnung darauf, dass Stranded Deep vielleicht noch einen tick besser würde. Ob dem so ist und welche Schwächen weiterhin im Spiel stecken, das lest ihr jetzt.

 

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– Die Präsentation –

Stranded Deep sieht optisch ansprechend aus. Besonders gut haben mir die Lichteffekte von Sonne und Mond, sowie die Reflektionen auf dem Wasser gefallen, die gerade Morgens und Abends eine richtig gute Stimmung erzeugen. Auch die Inseln sehen soweit ganz gut aus: auf dem Boden wuselnde Krabben, hübsche Palmen, Steine und körnig aussehender Sand. Der gute Optische Eindruck wird allerdings durch Pop-Ups getrübt: so sehe ich auch auf weite Distanz, wo sich andere Inseln befinden, jedoch werden diese erst ab einer gewissen Distanz auch so angezeigt, wie sie aussehen. Das bedeutet: die ganze Struktur der Insel samt Palmen und Co. erscheint regelrecht aus dem Nichts.

Stranded Deep

Klanglich macht das Spiel vieles richtig: das ständige Rauschen der Wellen, das Knistern meines Lagerfeuers oder das Fällen einer Palme hören sich vollkommen stimmig an, der Verzicht auf Hintergrundmusik erzeugt zudem ein gutes Gefühl der Isolation. Abseits davon machen auch alle Gegenstände und Werkzeuge vollkommen nachvollziehbare Geräusche. Das alles ist bewusst simpel gehalten und ist der grundsätzliche Stimmung dienlich.

Technisch läuft Stranded Deep zufriedenstellend und stabil.

 

– Das Gameplay –

Ich bin hier eigentlich mit der hohen Erwartung herangegangen, einen kleinen Wandel in Stranded Deep zu sehen. Wer die Patchnotes des letzten Updates gelesen hat, wird verstehen, warum. Zwar hat sich vieles verändert, jedoch wenig verbessert. Fangen wir beim Spieleinstieg an: anstatt wie sonst auch erst ein kurzes Tutorial zu durchlaufen um dann mit einem Flugzeug abzustürzen, finde ich mich plötzlich auf dem Meer wieder – in einem kleinen Rettungsboot. Hier fällt mir dann auch direkt die erste, nennenswerte Verbesserung auf – es gibt Wellen! Ja, eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, bei dem Setting, welches Stranded Deep gewählt hat, doch dem war bislang nicht so. Das teilweise heftige und unrealistisch wirkende Geschaukel erzeugt eine gute Atmosphäre, ist aber noch nicht ganz ausgereift.

Nachdem ich mich also an den schaukeligen Wellen und den tollen Lichteffekten satt gesehen habe (ernsthaft, optisch ist das Spiel ein Leckerbissen) bemerke ich vor mir eine, nein sogar mehrere Inseln! Ich schnappe mir also das im Boot liegende Paddel und bahne mir einen Weg durch die See – etwas, dass ich noch sehr häufig in Stranded Deep tun werde. Kaum habe ich die Insel erreicht, ergreifen Minecraft’sche Dämonen von mir Besitz und ich bin ganz in meinen Crafting-Routinen gefangen. Wie crafte ich? Was kann ich alles sammeln oder abbauen? Auch hier fällt dann schnell auf, was sich gegenüber der ‚alten‘ Version alles verändert hat: große Palmen lassen sich nicht mehr fällen.

Anstatt also wie früher, eine Palme zu fällen und die entsprechenden Baumstümpfe sowie Palmblätter weiterzuverarbeiten, hacke ich jetzt viel mehr auf Treibgut ein, welches zu hauf an den Stränden liegt. Muss wohl ein Holzfrachter irgendwo auf Grund gelaufen sein, denke ich mir und suche weiter. Nach einiger Zeit komme ich jedoch nicht umher festzustellen, dass die Verkettung aus Materialien und Bauplänen ziemlich oberflächlich bleibt. Wo andere Spiele loslegen und mit immer komplexeren sowie selteneren Materialien und Gegenständen aufwarten, ist bei Stranded Deep jedoch schon Schluss. Gleiches gilt hier dann auch für den Häuserbau, dazu etwas später jedoch mehr.

Stranded Deep

Sobald sich also genug Rohstoffe in meinem Rucksack angesammelt haben, beginnt die eigentliche Arbeit bzw. das eigentliche Craften. Anstatt jedoch alles auf den Boden vor mich zu werfen, mir einen Hammer zu schnappen und dann etwas zu erschaffen, geht das alles nun auch nur noch aus dem Inventar und einem standardisierten Menü heraus. Das mag meiner Bequemlichkeit dienlich sein, ein Stück des Charmes, der Stranded Deep ausgemacht hat, geht so aber auch verloren, weil inzwischen auch allerlei Werkzeuge und Gebilde wie von Zauberhand aus meinen Hosentaschen zu springen scheinen. Insgesamt hat man sich damit aber vermutlich eher einen Gefallen getan, denn jedes mal alle Taschen zu entleeren, nur um zu bauen, war auch nicht die beste Lösung.

Die inzwischen größeren Inseln haben den Nomaden-Trieb in mir verringern können, was dem Spielfluss recht dienlich ist. Zwar sind die Inseln noch immer recht klein und ähneln sich zu sehr (was wünschte ich mir ein richtig dichtes Dschungel-Biom voller Leben) insgesamt ist man hier aber auf dem richtigen Weg. Dennoch ist es schade, dass die einzelnen Schauplätze eher wie Kulissen auf mich wirken, anstatt den Eindruck zu vermitteln, sie steckten voller Leben. Ausgenommen der Krabben, welche eifrig die Strände besiedeln, lässt sich in Stranded Deep nämlich keinerlei Leben an der Oberfläche ausmachen. Wenn es an der Oberfläche also schon so trist ist, dann richtige ich meinen Fokus eben auf die Welt unter Wasser – und werde nicht enttäuscht.

Hier zeigt Stranded Deep dann eigentlich, wie stark es sein kann. Schiffswracks erkunden, Fische beobachten oder mich vor Haien in acht nehmen stellt einen ungeheuren Reiz dar, der durch gute Gegenstände, die ich manchmal erbeuten kann, auch stets belohnt wird. Dabei fällt mir auf, wie toll so manches Korallenriff gestaltet ist und wie sehr das Unterwasser-Konzept für mich aufgeht. Spätestens wenn sich dann die ersten Taschenlampen oder Sauerstofftanks in meinem Gepäck wiederfinden und ich genau weiß, bei welcher tollen Aktion ich solche ‚Schätze‘ aus einem Wrack bergen konnte, sammelt Stranded Deep deutlich Pluspunkte.

 


 

– Die Besonderheiten –

Vorne weg gefällt mir sehr gut, dass mein Status mir über meine Armbanduhr angezeigt wird. Mit einem Druck auf die Taste ‚F‘ schaue ich auf selbige und sehe so die Uhrzeit und durch den Wechsel in ein anderes Menü via Mausklick dann auch meine Gesundheit, meinen Hunger und den Durst. Das ist clever verpackt und gefällt mir richtig gut. Die eigentlichen Survival-Elemente hingegen haben mich nicht sehr überzeugt: ich habe grundsätzlich genug Kartoffeln und Krabben sowie Kokosnüsse auf den Inseln. Es entsteht nie wirklich das Gefühl, darum kämpfen zu müssen – was einem Survival-Spiel nicht sehr dienlich ist.

Auch spielt da das Meer sowie das Wetter und mein Status eine Rolle: bis auf Nebel, der auf hoher See meine Orientierung gefährdet, geht vom Wetter keinerlei Gefahr aus. Starker Regen hat beispielsweise keinen Einfluss auf meinen Status. Auch meine Gesundheit ist immer in Ordnung: ich brauche keinen Unterschlupf, weder bei Regen noch bei Hitze. Ich erkälte mich nicht, bekomme keinen Sonnenbrand und selbst wenn ich Salzwasser trinke ist das höchste der Gefühle eine schlechte Brech-Animation.

Ich muss nicht einmal schlafen – ein Bett dient mir nur dazu, die Nacht schnell überspringen zu können. Auch scheint die Balance etwas seltsam: so muss ich aktuell höchstens ein Mal am Tag etwas trinken – bei ständiger Sonneneinstrahlung auf einer kleinen, tropischen Insel. Essen muss ich dagegen wesentlich öfter. Lange Rede, kurzer Sinn: Stranded Deep ist in jetzigem Zustand höchstens Survival-Light.

Stranded Deep

Der Gebäudebau ist in Stranded Deep auch höchstens Standard. Zwar hat man das Konzept um einige, nur findbare Materialien erweitert, am Ende ist das Konzept jedoch relativ Blutleer. Das liegt auch daran, dass der eigentliche Gebäudebau keinerlei wirklichen Nutzen hat. Ich brauche keinen Schutz vor dem Wetter oder sonstigen Gefahren, wenn ich mir also etwas aufbaue, dann nur der reinen Optik wegen.

Mit den größeren Inseln im Spiel kam auch, passend dazu, der Map-Editor, der das Erstellen und Speichern eigener Karten erlaubt. Hier lässt sich dann mit recht oberflächlichen Werkzeugen zumindest im Ansatz ein passendes Insel-Szenario aufbauen. Durch die beschränkte Anzahl der Werkzeuge ist das jedoch eher eine nette Spielerei anstatt ein wichtiger Kern des Spiels.

 


 

– Der Support –

Es gibt eine frei einsehbare Roadmap der Features, die man in das Spiel implementieren will und insgesamt macht der Entwickler in der Hinsicht eine gute Figur: es wird auf Fragen der Community eingegangen und geantwortet, das Wiki zum Spiel wird unterstützt und die bisherigen Patches sind auch regelmäßig gekommen. Insgesamt macht die Unterstützung der Entwickler Hoffnung auf mehr. Zudem gibt es Mod-Support, der das bisherige Spiel teils sinnvoll aufwerten kann.

 

– Bisheriges Fazit –

Stranded Deep bleibt auch nach dem dicken Inhaltspatch eher ’nur‘ ein solides Erlebnis. Während die Optik absolut besticht und gerade die Unterwasser-Elemente punkten, bleibt der Rest des Spiels leider eher seicht. Das Überleben auf den inzwischen etwas größeren Inseln gestaltet sich insgesamt eher Ereignislos, das Bauen von Gebäuden hat keinen wirklichen Nutzen und generell besteht nur in den wenigsten Momenten eine wirkliche Gefahr, was dem Spiel einiges an Spannung raubt.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in der Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Meine Empfehlung: wer frisch ins Survival-Genre einsteigen will oder einfach nur das nette Insel-Setting braucht, kann hier gut seine Zeit verbringen. Wer dagegen Wert auf richtige Überlebens-Mechaniken legt, sich im Genre sehr gut auskennt und außerdem auch eine Herausforderung braucht, der ist hier vorerst falsch.

 


 

 


 

Niv

Über Niv

Seit über 25 Jahren Gamer, habe ich natürlich schon einiges gespielt und noch viel mehr gesehen. Entgegen aller Prognosen hänge ich noch immer an meinem Hobby und verbringe die Zeit nicht nur am PC, sondern auch an meinen Konsolen. Während ich, wie die meisten meines Alters, gerade auch mit den Klassikern von Nintendo aufgewachsen bin, sitze ich heute am liebsten vor Rogue-likes, RPGs oder Aufbaustrategie. 2015 habe ich, über die Early Access Welt hinaus, am liebsten Zeit mit Bloodborne verbracht.

Stranded Deep: Stable Build 0.06

Stranded Deep: Stable Build 0.06

Stranded Deep wurde endlich auf die Version 0.06 gebracht, welche das Spiel massiv verändert. Besonders nennenswert sind dabei Änderungen am Crafting, dem Ozean und der generellen Bildung des Terrains. Allerdings bietet der Patch noch mehr: den neuen Map-Editor, neue Pflanzen und mehr Baumöglichkeit...