Secrets of Grindea SCREENSHOTS
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Secrets of Grindea

Secret of Mana Reborn

 

Für wen ist Secrets of Grindea eigentlich?

– Für Action-RPG-Fans, die Secret of Mana kennen, freie Skillbäume mögen und ein direktes Echtzeit-Kampfsystem wertschätzen.

Für wen ist Secrets of Grindea eher nichts?

– Spieler, die taktischere RPGs mögen oder ernstere Spielwelten, könnten ihre Probleme mit Secrets of Grindea haben.

Was möchte Secrets of Grindea sein?

– Ein an Secret of Mana erinnerndes, buntes, nicht ganz so ernstes RPG – mit Rouge-lite Spielmodus.

Was ist Secrets of Grindea geworden?

– Ein vermutlich würdiger, geistiger Nachfolger der Secret of Mana Spiele.

 

Secrets of Grindea weckt Erinnerungen: das Kampfsystem sowie die Optik erinnern sofort stark an vergangene, glorreiche RPG-Tage. Dazu das leichte Augenzwinkern, mit welchem das Spiel sich präsentiert. Daneben gibt es aber auch die nötige Substanz, die ein RPG so dringend benötigt: knackige Kämpfe, gute Charakterentwicklung sowie Erstellung und der nötige Loot. Was Secrets of Grindea aktuell noch fehlt und warum es dennoch sehr überzeugend ist, lest ihr jetzt.

 


 

– Die Präsentation –

Optisch verfolgt Secrets of Grindea ein klares Ziel: es soll an alte SNES Tage erinnern. Das schafft es auch ziemlich gut, denn der bunte 16-Bit Stil erinnert in vielerlei Hinsicht an alte Spiele wie Secret of Mana oder Terranigma. Alles ist in Bewegung, trotz der Pixelart strotzt die Welt nur so vor Details und insgesamt lässt sich festhalten, dass der Stil sowie dessen Umsetzung absolut gelungen sind. Wer genug von Pixeln hat, wird hier vielleicht eine Schwäche sehen, abseits dessen lässt sich der Optik dennoch nicht die Liebe zum Detail absprechen.

Klanglich ist Secrets of Grindea ebenfalls sehr an vergangene Vorbilder angelehnt. Die Melodien sind allesamt sehr schön anzuhören, sie unterstreichen die jeweiligen Areale ausgezeichnet. Der Kürbiswald kommt eher düster und schneller daher, wogegen jedes Dorf seine eigene, idyllische Musik hat. Dazu kommen sehr gute Umgebungsgeräusche und allein durch die Stadt Evergrind zu gehen, liefert da eine breite Palette: das Plätschern eines Brunnens, das Klirren des Schmiedehammers, der auf den Amboss trifft oder das schabende Geräusch einer Gartenschere. Alles, was um einen herum geschieht, hat exzellente Sounds spendiert bekommen – das gilt auch für die Kämpfe.

Technisch habe ich keinerlei Probleme mit dem Spiel gehabt. Keine Abstürze, keine Bugs, keinerlei Probleme. Zwar gibt es zweifelsohne welche, was ein Blick in den Community-Hub offenbart, doch insgesamt scheint das Spiel vom technischen Standpunkt aus sehr ordentlich zu sein.

 

– Die Story und das Gameplay –

Zunächst sei gesagt: der Storymodus ist bislang nicht vollständig im Spiel. Dennoch scheint die Handlung bislang recht solide. Der Spielercharakter erwacht, recht typisch, zu Hause und hat seinen großen Tag vor sich. Er möchte, genau wie sein Vater, ein sogenannter Sammler werden. Das sind mutige Abenteurer, die für die nach ihnen benannte Gilde auf Reisen gehen, um seltene Artefakte aber auch Monster-Karten zusammeln. Letztere sind dann auch vom Gameplay her wichtig und nützlich, da sie den Spieler mit passiven Fähigkeiten ausstatten. Um überhaupt ein Sammler zu werden, stehen dann erstmal einige Tests an, ehe man offiziell zur Gilde dazugehören darf. Ab da entfaltet sich die Handlung immer weiter und fährt letztlich diese Schiene weiter, stellenweise mit sehr offensichtlichen Entwicklungen. Insgesamt lässt sich jedoch noch nicht gänzlich einschätzen, ob und wie gut die Handlung sein kann/sein wird, einen soliden Eindruck macht sie jedoch schon jetzt.

Das eigentliche Spielprinzip lässt sich sehr mit Secret of Mana oder The Legend of Zelda vergleichen, was schon bei der Perspektive anfängt. Das Spielgeschehen beobachtet man aus halbhoher Perspektive, alle Kämpfe spielen sich in Echtzeit. Da ist dann auch der Schild zum Blocken, das Schwert zum Schlagen und mit der Zeit gibt es auch eine kleine Waffenauswahl. Hinzu kommen dann auch noch Fähigkeiten, die man nach jedem Level-Up erlernen und frei belegen darf. Die Auswahl ist da ziemlich gut: als Krieger entscheidet man sich für Einhand- oder Zweihandwaffen und lernt diverse Skills. Als Magier hat man die Wahl aus verschiedenen Elementen, die allesamt ihre Stärken und Schwächen haben, teilweise sogar beschwörbare Begleiter ermöglichen. Das Sortiment dieser Fähigkeiten ist insgesamt sehr ‚Standard‘, da sich da die üblichen verdächtigen tummeln. Dennoch funktioniert das System sehr gut, da alle Skills sich frei wählen und kombinieren lassen, wozu auch die passiven Fähigkeiten beitragen. Diese kann man nämlich auch Levelaufstieg auswählen sowie verbessern. So lassen sich die wildesten Kombinationen erstellen und das Experimentieren ist ziemlich lohnend sowie unterhaltsam.

Auf der Reise durch die Welt geht es durch die unterschiedlichsten Regionen, die allesamt mit eigenem Stil, Nebenquests sowie Gegnertypen aufwarten. Die Gegner selbst sind auch hier sehr passend und klassisch gewählt: egal ob der typische Schleim, der Kampfkürbis oder aggressive Pflanzen, die mit ihren Ranken um sich schlagen. Secrets of Grindea bleibt in einem nicht ganz so ernsten Stil und liefert eine Bandbreite an Feinden, die nicht nur anders aussehen, sondern auch unterschiedliche Angriffsmanöver bieten. Die Nebenquests sind dagegen sehr simpel und klassisch gehalten: hol und bring Quests sind ebenso vertreten wie das übliche ‚töte Kreatur X um Material Y zu bekommen und liefere es bei NPC Z ab‘. Das sind nette Zusätze, gesehen hat man das alles in ähnlicher Form jedoch schon. Zwar gibt es auch da gelegentlich spaßige, kleine Geheimnisse zu entdecken, die Hauptquestreihe ist jedoch weitaus interessanter.

Einem Action-RPG typisch gibt es natürlich auch Dungeons, welche neue Fähigkeiten beherbergen und eine Herausforderung darstellen. Die Rätsel sind sehr einfach gestrickt und gut lösbar, hier liegt nicht der Fokus. Die einzelnen Dungeons selbst bleiben sehr übersichtlich und bieten am ehesten durch neue Gegnertypen eine Herausforderung. Spannender sind da die Bosse, denn die haben eine Menge fieser Tricks und unterscheiden sich auch ganz schön. Stellenweise gibt es da auch richtig gute Kampf-Phasen, die hier jetzt allerdings nicht weiter gespoilert werden.

Zum Story-Modus gesellt sich außerdem der Arcade-Modus, der das Spielprinzip nimmt und es in ein Rogue-lite umwandelt –  und das auch noch recht gut. Da beginnt das Spiel an einem Punkt, an welchem das Heimatdorf des Spielercharakters noch nicht steht und man es mit aufbaut. Das macht man, indem man sich quasi einem Dungeon Crawler gleich in der Gegend umsieht, durch Räume kämpft und dabei Material sowie Punkte sammelt. Sobald bestimmte Punktzahlen erreicht werden, schalten sich neue Features und Gebäude frei sowie Items, die dann im Story-Modus benutzt werden können. Das knackige und sehr intuitive Kampfsystem kommt hier ausgezeichnet zur Geltung, da man stets auf Level eins beginnt, wenige Lebenspunkte hat und auch im späteren Spielverlauf die Gegner grundsätzlich stärker sind, als man selbst vom Level her. Der Modus ist also recht fordernd, durch die Belohnungen ziemlich motivierend und durch das ausgezeichnete Kampfsystem zudem sehr unterhaltsam. Mit der Zeit lassen sich dann noch passive Boni freischalten, die mehr Lebenspunkte oder bessere Startwaffen mit sich bringen. Ausrüstung lässt sich finden, bleibt aber nur solange im Inventar, bis man stirbt, da man tatsächlich jedes mal (ausgenommen passive, freigeschaltete Boni) von null anfängt. In dem Modus steckt mehr, als man vielleicht vermuten mag und der Arcade-Modus ist eine wirkliche Bereicherung für das Spiel. Probleme hat der Spielmodus aber auch: Bosse und Zwischenbosse sind aus dem Story-Modus übernommen und insgesamt ist es nicht wirklich zufallsgeneriert, da sehr überschaubare Dungeongrößen sowie Gegner und Bosse in fast immer gleichen Reihenfolgen daher kommen – was eher kontraproduktiv ist.

 

– Besonderheiten: das Skillsystem und der Charakter –

Hier möchte ich noch etwas im Detail darauf eingehen, weil sich hier vieles machen lässt. Ich persönlich Spiele als Kampfmagier, der mit einem magischen Begleiter, Waffen-Buffs sowie einigen ausweichenden Schwerttechniken hantiert und so seinen Gegnern zusetzt. Allerdings ließe sich das auch ändern und jederzeit anderweitig kombinieren: egal ob Insektenschwärme, Eisnadeln, Schattenklone oder andere Tricks – es gibt eine sehr gesunde Auswahl an Fähigkeiten, die einzeln für sich nicht sehr ausgefallen erscheinen. Wer dagegen anfängt, zu experimentieren, erkennt schnell den Nutzen, den bestimmte Kombinationen haben. Zudem lassen sich alle Fähigkeitspunkte erstatten, wenngleich das teuer ist. Bislang sind auch hier noch nicht alle Inhalte bereits im Spiel, ein finales Urteil bleibt also abzuwarten.

Was auch gut zu gefallen weiß, ist der spielbare Charakter: selbiger lässt sich selbst erstellen und benennen, was zusammen mit der Freiheit der Skillung gut harmoniert. So ist es letztlich das eigene Abenteuer, nicht das eines festgelegten Protagonisten.

 

– Besonderheiten: das Menü und die Monsterkarten –

Das Menü ist sehr übersichtlich und bietet viele verschiedene Dinge. Zum einen ist da das komplette Inventar, welches mit Crafting-Material, Waffen und Rüstungen für mehrere Slots sowie dem Monsterkarten-Buch dienlich ist. Letzteres ist eine Besonderheit des Spiels, die es in beide Spielmodi geschafft hat. Durch das Töten von Kreaturen gibt es jederzeit die Möglichkeit, dass ein gefallener Feind eine Monsterkarte fallen lässt. Diese wandert in ein schmuckes Sammelheft und liefert neben Informationen zum jeweiligen Monster auch eines: einen passiven Bonus. Bislang ist die Auswahl der jeweiligen Monster recht ansehnlich, könnte (und wird hoffentlich) aber noch größer werden.

 

– Besonderheiten: der Koop und die Steuerung –

Der Koop funktioniert nur über das Internet und bietet Spielern die Möglichkeit, maximal zu viert zu spielen. Dabei ist es allerdings so, dass man mit betreffenden Spielern befreundet sein muss, da es keine öffentlichen Lobbies oder erstellbare Spiele gibt. Der Versuch, online einem Spiel beizutreten, wird ohne betreffende Freunde mit einem einfachen ‚keiner deiner Freunde ist online‘ abgetan. Glücklicherweise scheint die Community da recht entspannt zu sein und spricht sich im Hub entsprechend ab bzw sucht nach Mitspielern. Hier tut sich künftig aber hoffentlich noch was, da man das leichter lösen kann.

Was die Steuerung angeht sind beide Optionen reizvoll: sowohl die Tastatur als auch das Gamepad funktionieren einwandfrei und bieten verschiedene Vorzüge. Das Gamepad scheint insgesamt etwas intuitiver und die Steuerung ist sehr kompakt und sinnvoll umgesetzt. So lassen sich eine Menge Skills auf den wenigen Tasten unterbringen, indem über die Schultertasten alternative Skill-Schablonen aktiviert werden können. Sprich: hält man eine der Schultertasten gedrückt, hat man andere Fähigkeiten zur Auswahl, als bei nicht gedrückter Taste. Da sich hier alles frei zuweisen lässt, spielt sich alle sehr angenehm. Die Tastatursteuerung wirkt insgesamt etwas hölzerner, aber noch immer sehr gut. Hier ist letztlich der kleine Vorteil gegeben, dass alles Skills auf einzelnen, frei belegbaren Tasten untergebracht sind und man diese dann auch auf dem HUD anders angeordnet sieht. Das HUD passt sich nämlich der Steuerungsmethode an, was sehr gut gelöst ist. Insgesamt tendiere ich dann aber eher zum Gamepad, es fühlt sich insgesamt einfach ‚runder‘ an vom Gesamtpaket her.

 

– Der Support –

Die Entwickler sind innerhalb der Community sehr aktiv, gehen auf Vorschläge und Probleme gewissenhaft ein. Die gesteckten Ziele wirken allesamt realistisch und sinnvoll, angefangen mit dem Vervollständigen des Story-Modus, mehr Inhalten im Arcade-Modus oder der Möglichkeit, ein eigenes Haus zu haben und es ausstatten zu können (wofür man bereits jetzt Gegenstände im Spiel finden kann). Patches sind bisher für die recht kurze Release-Zeit auch schon genug erschienen, es gibt an der Stelle also keinerlei Grund, sich zu sorgen.

 


 

– Das Fazit – 

Secrets of Grindea hat sich eine sehr gute Ausgangssituation geschaffen: ein retro-behafteter Stil, fordernde und intuitive Kampfmechaniken, dazu eine spannende Spielwelt und sehr freies Leveln sowie Skillen. Dazu kommen die bislang solide Handlung, tolle Bosskämpfe und ein recht gut funktionierender, zweiter Spielmodus – all das zudem noch Multiplayer-tauglich. Viele dieser Dinge sind aber aktuell nur unter Vorbehalt zu empfehlen, da noch einige Inhalte fehlen: der Story-Modus ist nicht fertig, ebenso wenig ist es der Arcade-Modus. Dazu fehlen noch Fähigkeiten und auch die Nebenquests wissen nicht ganz zu überzeugen. Außerdem kann die bisherige Spielzeit sehr kurz ausfallen, je nachdem ob man sich mit dem Rogue-lite Anteil beschäftigen mag oder nicht. Meine Empfehlung: wer den Rogue-Anteil neben der Story interessant findet und lust auf ein vielversprechendes Retro-Action-RPG hat, kann hier für den Preis durchaus zuschlagen. Wer jedoch nur an der Story interessiert ist, findet hier bislang eher ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis vor.

 


 

 


 

Niv

Über Niv

Seit über 25 Jahren Gamer, habe ich natürlich schon einiges gespielt und noch viel mehr gesehen. Entgegen aller Prognosen hänge ich noch immer an meinem Hobby und verbringe die Zeit nicht nur am PC, sondern auch an meinen Konsolen. Während ich, wie die meisten meines Alters, gerade auch mit den Klassikern von Nintendo aufgewachsen bin, sitze ich heute am liebsten vor Rogue-likes, RPGs oder Aufbaustrategie. 2015 habe ich, über die Early Access Welt hinaus, am liebsten Zeit mit Bloodborne verbracht.