Offworld Trading Company SCREENSHOTS
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Offworld Trading Company

Echtzeitwirtschaft?

 

Für wen ist Offworld Trading Company eigentlich?

– Für Fans des Echtzeitstrategie-Genres, die auf Kämpfe verzichten können und dafür gerne den stärker ausgeprägten Wirtschaftsanteil annehmen.

Für wen ist Offworld Trading Company eher nichts?

– Jeder, der hier klassische Echtzeitstrategie erwartet, wird enttäuscht werden, da OTC sich zwar ähnlich spielt, jedoch keinerlei große Einheitenkontrolle oder gar Kämpfe bietet.

Was möchte Offworld Trading Company sein?

– Der Traum jedes Kapitalisten – voller Aktienkurse, feindlicher Übernahmen und dicker Profite.

Was ist Offworld Trading Company geworden?

– Eine gelungene Mischung aus Echtzeitstrategie und Wirtschaft, die teilweise Genretypische Schwächen aufweist.

 

Offworld Trading Company spielt sich zuerst wie ein reines Echtzeitstrategiespiel: die isometrische Perspektive, das Bauen von Gebäuden sowie das Sammeln von Ressourcen. Doch wo es bei anderen Spielen mit Kampf-Einheiten, Mikromanagement und Kriegen weitergeht, verlegt Offworld Trading Company seinen Fokus gänzlich auf das wirtschaftliche. Was das im Detail bedeutet, wieso es Spaß machen kann und wo vielleicht noch einige Probleme vorherrschen, das sehen wir uns jetzt genauer an.

 

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– Die Präsentation –

Optisch ist Offworld Trading Company durchaus nett anzusehen: die Planetenoberflächen sehen angenehm aus, jedwede Gebäude haben einen gut aussehenden, futuristischen Touch. Grafisch kommt das Spiel jedoch ohne große Effekte aus, was schade ist. Sandstürme, Sonneneruptionen und dergleichen könnten allesamt nette Effekte ins Spiel einbauen, was jedoch nicht geschieht. Der futuristische Look im Spiel dürfte ebenfalls etwas mutiger sein, auch im Hinblick auf die verschiedenen Fraktionen, die man spielen darf. Da gibt es nahezu keinerlei optische Unterschiede, was durch den eher kargen, weißen Look noch mehr auffällt.

Klanglich liefert Offworld Trading Company angenehme Hintergrundmusik, daneben aber nur sehr sporadische Töne. Explodiert mal etwas durch eine Sabotage-Aktion wird das schon klanglich untermalt, sonst bleibt die Vielfalt hier etwas auf der Strecke. Die englische Sprachausgabe, die es stellenweise gibt, wirkt dagegen unfreiwillig komisch. Mit sehr holprigen, emotionslosen Roboterstimmen werden gelegentlich Drohungen oder Kommentare von KI-Gegenspielern ausgesprochen, was einfach nur befremdlich wirkt.

Technisch hat Offworld Trading Company mit einigen Performance Problemen in bestimmten Situationen zu kämpfen, diese sind aber eher selten und fallen nicht so sehr ins Gewicht.

 

– Das Gameplay – 

Offworld Trading Company spielt sich wie ein Echtzeitstrategie-Spiel, verlagert seinen Fokus jedoch vollkommen auf wirtschaftliche Aspekte und schnell laufende Routinen. Dabei beginnt jede Runde gleich: wir scannen die Oberfläche des Terrains, entdecken Ressourcen und wählen dann, wo unser Hauptquartier stehen soll. Hierbei funktionieren ein paar sehr gute risk & reward Elemente: bauen wir unsere Basis sehr früh auf, fangen wir natürlich als erstes an zu bauen, verpassen dabei aber womöglich sehr günstige Plätze. Warten wir dagegen zu lange, können die besten Plätze bereits belegt sein und unsere Hoffnung, noch etwas besser dazustehen, ist vergebens. Da die Karte erst nach dem Bau einer Basis vollständig aufgedeckt wird, müssen wir so stets abwägen, wann der beste Zeitpunkt ist.

Hierbei funktionieren ein paar sehr gute risk & reward Elemente: bauen wir unsere Basis sehr früh auf, fangen wir natürlich als erstes an zu bauen, verpassen dabei aber womöglich sehr günstige Plätze.

Warum ist die Position unseres Hauptquartiers denn überhaupt wichtig, könnte man jetzt fragen. Nun, da jede Ressource mithilfe von Gleitern zu unserem Hauptquartier transportiert werden muss, tun wir uns mit einem guten Ort natürlich einen Gefallen, was unsere Effizienz angeht. Was die einzelnen Güter angeht steht uns eine große Bandbreite an Rohstoffen zur Verfügung, egal ob es nun grundlegende Dinge wie Elektrizität, Wasser, Eisen sowie Brennstoffe sind oder weiterführendes Material wie Stahl, Glas oder Chemikalien. Dabei scheinen alle Gebäude eine gute Verzahnung mit den einzelnen Rohstoffen aufzuweisen und der Blick dafür, wo wie viele Rohstoffe gebraucht werden, ist unerlässlich.

Offworld Trading Company verfolgt einen interessanten Ansatz und liefert durchaus eine Menge: gut verzahnte Ressourcen, eine funktionierende Ökonomie sowie angenehmes, gewinnorientiertes Gameplay voller Kniffe.

Am Ende spielen wir natürlich nicht allein, sondern gegen menschliche Gegner oder die KI. Letztere bietet unfassbar viele unterschiedliche Einstellungen, was den Schwierigkeitsgrad angeht, so dass wir selbst im Einzelspieler genug Herausforderung haben. Offworld Trading Company leidet insgesamt dann aber doch auch unter typischen Echtzeitstrategie-Problemen: so ist am Ende in der Regel Geschwindigkeit alles. Denn das grundlegende Ziel ist es, seine Konkurrenz aufzukaufen. Indem wir also gute Produktionslinien aufbauen, den steten Ressourcen-Nachschub gewährleisten und die fertigen Güter so teuer wie möglich verkaufen, steigern wir nicht nur unser Eigenkapital sondern auch den Wert der Firma, was ein kleines Fenster am rechten Bildschirmrand gut anzeigt. Jetzt haben wir die Qual der Wahl: spielen wir etwas defensiver, kaufen wir zuerst unsere eigenen Firmenanteile ein um uns vor feindlicher Übernahme besser schützen zu können. Der offensivere Ansatz ist dann natürlich der, die Konkurrenz schnellstmöglich aufzukaufen. Dabei fällt nach einigen Runden jedoch auf, dass viele Spiele bereits recht nah zu beginn der Runde bereits gewonnen oder verloren sind, ohne dass wir es zunächst merken. Das erzeugt den Eindruck, wir würden ab einem bestimmten Punkt nur noch spielen um zu merken, ob eine Runde bereits gewonnen oder verloren ist. Denn: das Geschehen nochmals zu unseren Gunsten zu drehen, scheint oftmals unmöglich.

In den immer gleichen Routinen errichten wir also Gebäude, bauen Ressourcen ab und verarbeiten diese weiter. Wir werten unsere Basis auf, was uns mehr bebaubares Land ermöglicht, bauen die nächsten Strukturen und so weiter. Bis wir schließlich den Punkt erreichen, an welchem wir die Anteile unserer Konkurrenten aufkaufen um sie schließlich zu verschlucken.

 


 

– Besonderheiten: Claims –

Auf der Planetenoberfläche dürfen wir nicht bauen wie die Teufel. Denn: die Anzahl der Gebäude, die wir bauen dürfen, ist durch sogenannte ‚Claims‘ (Besitzansprüche auf Land) geregelt. Dementsprechend müssen wir uns gut überlegen, wo wir bauen und auch was wir bauen, denn unsere Möglichkeiten sind begrenzt und neue Claims gibt es nur sehr teuer zu ersteigern oder nach dem Aufwerten unseres Hauptquartiers. Die Mechanik funktioniert insgesamt sehr gut, weil sie extremes Ausnutzen bestimmter Gebäudetypen verhindert und zusätzlich einen strategischen Einschlag in das Spiel einbringt. Toll ist hierbei auch: ein Gebäude abreißen erstattet kein Claim. Es ist dadurch höchstens erlaubt, an der selben Stelle ein anderes Gebäude zu bauen.

 

– Besonderheiten: der Schwarzmarkt –

Der Schwarzmarkt bietet neben dem einfachen Aufbau von Gebäuden eine Möglichkeit, die Konkurrenz zu sabotieren. Egal ob es Magnetstürme sind, die alle Ressourcen-Transporter in einem Radius zerstören, sich eine Meuterei anzetteln lässt, die Ressourcen umleitet oder andere Möglichkeiten zur Sabotage. Hier lässt sich gegen Bargeld so mancher ‚Trick‘ käuflich erwerben, um die Konkurrenz in Schach zu halten.

 

– Besonderheiten: Patente und andere Spezialgebäude –

Wer Handel, Wirtschaft und den Kampf um Aktien auf dem Mars führen will, der kann mit einem Kauf durchaus liebäugeln.

Neben den einfachen Gebäuden, die einfach nur für den Abbau von Ressourcen nötig sind, bietet Offworld Trading Company auch eine handvoll spezieller Gebäude mit bestimmten Effekten. So lassen sich beispielsweise Patente entwickeln und reservieren, die dann starke Effekte auf die Effizienz haben. So können Waren teleportiert, Energie kann gespart werden oder alles wird einfach mit Wasser betrieben. Dabei gilt: jeder dieser Effekte ist dann einzigartig für denjenigen zugänglich, der das Patent dafür hat. Abseits davon gibt es noch die Möglichkeit via Hacking die Marktpreise zu manipulieren oder über Aufwertungen die Effizienz bestimmter Gebäudetypen zu erhöhen. Zuletzt gibt es dann noch einen sogenannten ‚Pleasure Dome‘ der durchweg Gewinne abwirft und die Möglichkeit, ganze Raketenrampen zu bauen, die Waren zu sehr guten Preisen auf die Erde schicken können. Gerade die Raketenrampen werden später unabdingbar um genug Geld zusammen zu bekommen.

 

– Besonderheiten: unterschiedliche Ansätze, die Kampagne sowie die Langzeitmotivation –

Offworld Trading Company bietet vier verschiedene Spielarten. Man kann mittels Expansion, als Roboter, Plünderer oder Wissenschaftler spielen. Die Auswahl trifft man zu beginn eines Spiels spontan und im wesentlichen stellen die 4 Optionen nur vier verschiedene Ansätze dar. Das bedeutet, dass bestimmte Ressourcen für die eine Fraktion relevant und für die andere gar nicht nötig sind. Roboter brauchen beispielsweise keine Nahrung, Plünderer bauen mit Karbon anstatt mit Stahl und Wissenschaftler können ihre weiterverarbeitenden Gebäude direkt auf die Rohstoffquelle setzen, ohne den Rohstoff erst separat abbauen zu müssen. Zwar beeinflussen diese Dinge den Spielfluss schon ein wenig, große Veränderungen am Spielstil rufen die einzelnen Fraktionen jedoch nicht hervor.

Wie bei anderen Spielen im Genre auch, stellt sich eine gewisse Routine ein. Da Offworld Trading Company eine Kriegskomponente fehlt, leidet das Spiel vielleicht sogar etwas mehr darunter, denn: man sucht sich mit bestimmten Fraktionen immer ähnliche Orte, hat die selbe Routine sowie Baureihenfolge und die Sabotage-Aktionen verändern den Spielfluss eigentlich gar nicht.

Die integrierte Kampagne bietet jedoch inzwischen zusätzlich Anreize, Zeit im Spiel zu verbringen. Dabei stellt sie das Spielkonzept in diesem auf Einzelspieler ausgelegten Modus etwas auf den Kopf, indem Kolonien auf dem Mars gegründet und Gebäudetypen erst durch das Einstellen von passendem Personal verfügbar werden. Zusätzlich dazu lassen sich „Missionen“ erfüllen, die das Wachstum einer Kolonie vorantreiben. Hier wird die Formel des Spiels also etwas verändert, ohne sich dabei jedoch zu weit von der Basis zu entfernen.

 


 

– Bisheriges Fazit –

Offworld Trading Company verfolgt einen interessanten Ansatz und liefert durchaus eine Menge: gut verzahnte Ressourcen, eine funktionierende Ökonomie sowie angenehmes, gewinnorientiertes Gameplay voller Kniffe – wie dem Schwarzmarkt, Sabotage oder Marktmanipulation. Schade ist leider, dass sich das Gameplay sehr schnell an bestimmten, eindeutig effizienten Routinen etwas aufhängt, Langzeitmotivation nur bedingt gegeben und der Preis wirklich extrem hoch angesetzt ist. Meine Empfehlung: wer Handel, Wirtschaft und den Kampf um Aktien auf dem Mars führen will und genau weiß, dass er hier hunderte von spaßigen Stunden versenken wird, der kann mit einem Kauf durchaus liebäugeln. Wer sich dagegen am hohen Preis stört, wartet lieber auf einen Sale oder schaut sich anderweitig um.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

 

– Warum 3 Sterne? –

Die Kampagne sowie der generelle Feinschliff haben das Spielerlebnis Offworld Trading Company definitiv aufgewertet, der Preis scheint dennoch weiterhin zu hoch gegriffen. So bleiben es solide 3 Sterne mit der damit verbundenen Empfehlung für all jene, die gerne mehr investieren wollen.

 

– Der Abschluss –

Offworld Trading Company hat seine Early Access Phase am 28.04.2016 beendet. In etwas mehr als einem Jahr ist eine Einzelspielerkampagne, neben vielen Verfeinerungen, die nennenswerteste Neuerung. Der Feinschliff am UI und einzelnen Gameplaymechaniken ist jedoch nicht zu vernachlässigen. Dennoch bleibt der hohe Preis weiterhin fraglich, weshalb wir Offworld Trading Company „nur“ von 2.5 auf 3 Sterne aufwerten.

 


 

 


 

Niv

Über Niv

Seit über 25 Jahren Gamer, habe ich natürlich schon einiges gespielt und noch viel mehr gesehen. Entgegen aller Prognosen hänge ich noch immer an meinem Hobby und verbringe die Zeit nicht nur am PC, sondern auch an meinen Konsolen. Während ich, wie die meisten meines Alters, gerade auch mit den Klassikern von Nintendo aufgewachsen bin, sitze ich heute am liebsten vor Rogue-likes, RPGs oder Aufbaustrategie. 2015 habe ich, über die Early Access Welt hinaus, am liebsten Zeit mit Bloodborne verbracht.

Release: Offworld Trading Company

Release: Offworld Trading Company

Offworld Trading Company hat sich in seiner Early Access Zeit gemausert und erhält deshalb zu seinem offiziellem Launch, am 28.04.2016, eine ordentliche Aufwertung von uns. Aus der anfänglich eher biederen Aufbau-Wirtschaftssimulation ist ein inzwischen doch sehr schmuckes Spiel geworden – der...