Northgard SCREENSHOTS
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VN:F [1.9.22_1171]

Northgard

Nordische Strategie für Zwischendurch

 

Für wen ist Northgard eigentlich?

– Fans einfacher Aufbaustrategiespiele mit vielen Wegen zum Sieg werden Northguard mögen.

Für wen ist Northgard eher nichts?

– Wer komplexe sowie verzahnte Mechaniken erwartet, wird schnell enttäuscht.

Was möchte Northgard sein?

– Ein simplerer, an die Siedler angelehnter Titel in nordischen Gefilden.

Was ist Northgard geworden?

– Das, was es sein will – mit allen dazugehörenden Stärken und Schwächen.

 

Northgard glänzt mit sehr vielen, teilweise an die nordische Mythologie angelehnten Möglichkeiten zum Sieg und bietet zudem Aufbaustrategie für zwischendurch. Das Paket aus einer ansprechenden Optik sowie grundsätzlich zufriedenstellenden Gameplay-Elementen weiß durchaus zu gefallen. Warum Northgard bislang dennoch nicht der große Wurf ist, lest ihr jetzt.

 

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– Die Präsentation –

Northgard ist vom optischen Eindruck her recht solide, der grafische Stil wirkt recht ansehnlich, ist dabei jedoch keineswegs besonders hervorzuheben. Der Look, der sich irgendwo zwischen Realismus und Comic einpendelt, wirkt dabei vorteilhaft auf die doch eher standardmäßige Präsentation. Standardmäßig in dem Sinne, dass eine gewisse Liebe zum Detail fehlt, die das Spiel über die Basics hinaus beflügelt.

In der eigentlichen Spielwelt lässt sich so nichts besonderes finden, was die Aufmerksamkeit des Spielers erregen könnte. Keine verspielten Tiere in den Wäldern, keine großen Überraschungen im Wasser. Das mag zwar pedantisch klingen, doch gemessen daran wie kurz die Runden dauern und wie oft man auf die Karte zurückkehrt, wären solche Details nötig gewesen, um die Präsentation aufzuwerten.

Klanglich sieht es dagegen leider ähnlich mau aus. Natürlich gibt es die obligatorischen, leise im Hintergrund säuselnden Melodien aus dem Wikinger-Baukasten. Doch davon abgesehen ist die gesamte klangliche Kulisse austauschbar. Ein Beispiel? Nun, natürlich machen die Gebäude beispielsweise beim Errichten ihre Geräusche, dabei gibt es jedoch nur ein einziges Standard-Geräusch (das Klopfen von Hämmern), welches einfach wieder und wieder ertönt, bis es einen stört.

Dabei bin ich keineswegs ein Gegner solcher Töne, die von Age of Empires II habe ich bis heute noch im Kopf! Doch die generischen Sound Templates, die hier zur generischen Hintergrundmusik ertönen, sind einfach nur als ein Minimum wahrzunehmen, welches hier erfüllt wurde – mehr aber auch nicht. Technisch macht Northgard keine Probleme und läuft solide.

 

– Das Gameplay –

Das Gameplay von Northgard orientiert sich am ehesten an Vorbildern wie ‚Die Siedler‘. Zwar gibt es eine etwas direktere Einheiten-Kontrolle, diese verbessert jedoch nicht zwingend das Spielkonzept. So arbeiten Siedler grundsätzlich automatisch und gehen ihren Tätigkeiten nach, jedoch müssen wir manuell zuweisen, wer wo arbeitet. Während ich dieses Konzept in einem Fallout Shelter beispielsweise verstehe, da Status-Werte der einzelnen Bewohner eine Rolle bezüglich ihrer Produktivität spielen, erschließt sich mir in Northgard dagegen nicht, warum jeder Bewohner mühsamst einem Gebäude zugewiesen werden muss, damit dieser dort arbeitet.

Noch schlimmer: sind Dorfbewohner ohne Arbeit, stürzen sie sich automatisch auf den Gebäudebau, sobald ich etwas errichten will – außer das Gebäude ist im nächsten, angrenzenden Gebiet. Dann muss ich meine Bewohner erst manuell in besagtes Gebiet schicken, damit sie dort ihre Arbeit aufnehmen. Das ist auf Dauer ziemlich lästig und erzeugt Beschäftigung, wo eigentlich keine nötig wäre. Davon abgesehen ist das Gameplay von Northgard jedoch ziemlich zufriedenstellend: die grundsätzlichen Ressourcen Holz, Nahrung und Gold lassen sich über vielseitige Wege wie die Fischerei, das Plündern oder den Handel gewinnen.

Besondere Ressourcen gibt es auch. Diese kommen in Form von Eisen und Stein ins Spiel und lassen sich nur an bestimmten Stellen abbauen oder eben auf dem Marktplatz gegen Gold käuflich erwerben. Dazu gibt es noch Wissen, welches Gelehrte von Artefakten und Runensteinen gewinnen können. Das erzeugt früh einen gewissen Druck zu expandieren, da die Karte begrenzt ist und die KI schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nicht schläft.

Um jedoch expandieren zu können, brauchen wir zunächst Späher, welche die Gegend erkunden. Diese gehen automatisch zu den angrenzenden Gebieten und ein Fortschrittsbalken zeigt uns dann, wann sie ihre Erkundung abgeschlossen haben. Erst dann lichtet sich der Nebel und wir sehen, was in den Gebieten um uns eigentlich los ist, welche Rohstoffe es gibt oder wo womöglich Feinde lauern. Selbige sind in vielen Formen vorhanden und bilden eines der Grundelemente des Spiels.

So können Feinde in Form von Wölfen oder Untoten in unsere Länder einfallen und uns zur Verteidigung zwingen, jedoch sind auch bestimmte Siegbedingungen an das Besiegen von Feinden geknüpft. Natürlich, wenn wir alle Gegenspieler auslöschen, gewinnen wir sicher. Wir können jedoch auch den Weltenbaum Yggdrasil von umherstehenden Feinden befreien und einnehmen, um das Spiel zu gewinnen.

Die Möglichkeiten hierbei sind ziemlich vielschichtig und erlauben unterschiedlichste Ansätze um eine Partie für sich zu entscheiden. Wer einfach gerne das Schwert zückt und seine Gegner überrennt, kann das genauso tun wie jemand, der Ruhm sammelt und somit zum König wird. Dazu bieten auch der Handel sowie die Weisheit Möglichkeiten, unter denen ein Sieg ganz ohne Gewalt möglich ist.

Dabei stellen sich diese Möglichkeiten recht schnell als kleine Blender heraus, die das Spielgeschehen nur marginal beeinflussen. Denn starr zu verharren und einfach nur darauf zu warten, dass eine gewisse Summe Gold für den Sieg gesammelt wird oder sich genug Wissen angehäuft hat, ist spielerisch alles andere als befriedigend.

Anstatt also durch Kapital die Gegner in den Bankrott zu treiben oder durch Wissen eine Übermacht zu erringen, bietet Northgard nur die unbefriedigende Variante eines gewaltfreien Ansatzes. Dass das Spielgeschehen sich zu keinem Zeitpunkt beschleunigen lässt, ist hier dann auch besonders spürbar.

Vom ökonomischen Standpunkt aus überzeugt das Spiel dann letztlich auch nur bedingt. Ein wirklicher Markt, auch unter den KI-Gegnern und einem selbst, ist nicht vorhanden. Wir wählen eine Ressource aus, die wir ‚handeln‘ wollen und bekommen dafür eben Gold. Auf dem Markt käufliche Ressourcen, die eine gewisse Dürre im Late-Game verhindern, werden dort auch einfach in bestimmten Abständen generiert.

Ähnlich oberflächlich bleibt das System rund um die Ressourcen. Die vorüberziehenden Jahreszeiten halten uns dazu an, immer genug Nahrung und Holz zu bunkern, damit wir den Winter überstehen, darüber hinaus gibt es jedoch wenig bis gar keine Verzahnung der einzelnen Gebäude. Wer also hofft, dass ähnlich einem Siedler bestimmte Verkettungen von Ressourcen eine Rolle spielen, wird hier schwer enttäuscht.

Egal ob es nun der Jäger, der Fischer oder die Farm ist – jede Produktionsstätte generiert einfach nur Nahrung die auf den Gesamtzähler Einfluss hat. Dass aus Grundressourcen wie Fisch, Fleisch und Getreide womöglich durch Weiterverarbeitung noch etwas hochwertiges werden könnte, ist hier kein spielerisches Element.

Gleichermaßen oberflächlich ist der Umgang mit Stein und Eisen. Ersteres wird nur gebraucht, um Gebäude auf die zweite Stufe zu bringen und somit deren statistischen Nutzen zu erhöhen (Northgard gibt einem hier gerne prozentuale Werte). Letzteres wird eigentlich nur zum Aufwerten von Werkzeugen und Waffen aller Kämpfer sowie Arbeiter verwendet was, ihr habt es erfasst, ebenfalls nur prozentuale Boni bietet. Das ist insgesamt etwas wenig und wirkt sehr rudimentär.

 


 

– Die Besonderheiten –

Die Clans in Northgard sind vermutlich die größte Besonderheit des Spiels. Jeder von ihnen bietet bestimmte Boni, die meistens klar auf einen Spielstil ausgerichtet sind. Während die grundsätzliche Idee löblich ist, wäre eine subtilere Herangehensweise an die Idee womöglich besser gewesen.

Anstatt also Clans sehr geradlinig in eine Richtung zu drücken (Wirtschaft, Militär, Handel) hätte ein Wechselspiel aus Vor- und Nachteilen oder gar verschiedenen Reizen (Soldaten des Hirsches halten mehr aus, die des Wolfes sind dagegen schneller, um ein Beispiel zu nennen) womöglich mehr für das Gameplay getan. Insgesamt ist es jedoch ein positiver Aspekt des Spiels, der mehrere Durchgänge durchaus reizvoll macht.

Ebenfalls erwähnenswert ist die Gebäudevielfalt. Jeder Clan hat die exakt selben Gebäude und auch wenn zwei, drei von ihnen nur auf ganz bestimmtem Terrain gebaut werden können, so hat man sich am selben Look schnell satt gesehen. Insgesamt sind die 18 Gebäude, die es im Spiel gibt, einfach nicht genug um auf sehr lange Zeit genug Vielfalt ins Spielgeschehen zu bringen oder eine gewisse Experimentierfreudigkeit zu gewährleisten.

Die Zufriedenheit habe ich als Ressource bislang weggelassen, sie spielt jedoch auch eine Rolle bei der Verwaltung des Clans. Zufriedenheit sorgt dafür, dass neue Bewohner im Dorfzentrum generiert werden und unter bestimmten Bedingungen, siehe beim Technologiebaum, können sogar bestimmte Erhöhungen von Werten an die Zufriedenheit der Bewohner gekoppelt sein.

Der Multiplayer lässt sich im Team (2vs2,3v3,2v2v2) oder jeder gegen jeden (2 bis 6 Spieler) Modus spielen. Die KI-Gegner machen bislang einen ganz guten Job und sind auf ‚Schwer‘ durchaus ganz annehmbare Gegner. Hier wird spannend zu sehen sein, ob und wie das Spielgeschehen sich mit mehreren menschlichen Spielern schlägt.

Der Technologiebaum ist ebenfalls erwähnenswert, da jeder Clan seine eigenen Fortschrittsmöglichkeiten in selbigen einbindet. So gibt es es eher auf Handel, Wirtschaft oder Militär ausgelegte Bäume, welche starke Boni mit sich bringen können. Egal ob nun bestimmte Arbeiter zusätzlich Ruhm oder Gold generieren oder die generelle Zufriedenheit einfach den Schaden aller Soldaten erhöht – hier finden sich kleine Kniffe, die das Spielgeschehen aufwerten, wenn auch nur durch statistische Werte.

 


 

– Der Support –

Patches erscheinen bislang in sehr regelmäßigen Abständen und sie beinhalten sowohl kleinere als auch größere inhaltliche Änderungen. Die Ziele für Northgard sind recht klar definiert: man will eine Kampagne einbauen sowie mehr spielbare Clans. Bisher scheinen die Entwickler am Ball zu bleiben, da neben den Updates auch immer wieder Informationen zum Stand anderer Features in den Patchnotes zu finden sind. Das Spiel scheint also ganz auf Kurs zu sein.

 

– Vorläufiges Fazit –

Northgard ist manchmal so rau, wie der eisige Norden, in dem es spielt. Auf gute Ideen folgt meist gleich eine kleine Ernüchterung bezüglich der Umsetzung selbiger. Doch was sich vielleicht sehr negativ liest, ist am Ende ein doch sehr solides Gerüst: das kurzweilige Gameplay mit seinen unterschiedlichen Siegesbedingungen macht Spaß und die abwechslungsreichen Clans laden durchaus zum ausprobieren ein. Zwar fehlt eine gewisse Tiefe um auch auf sehr lange Zeit zu überzeugen, doch wer sich auf gelegentliche Ausflüge in die Welt von Northgard beschränkt, findet immer wieder etwas unterhaltsames zu tun.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in der Review auf die Sterne unter Eure Wertung klicken. Wahnsinn!

Etwas weniger Statistik und etwas mehr spielbares hätte dem Konzept sicher gut getan, doch auch jetzt weiß Northgard zu gefallen. Wer sich nicht an dem etwas kleineren und kurzweiligeren Rahmen stört, darf sich hier einen persönlichen, halben Stern dazu denken. Ansonsten bleibt nur zu sagen, dass Northgard ein solides Aufbauspiel für zwischendurch ist, welches hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

 


 

 


 

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