Football Tactics SCREENSHOTS
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VN:F [1.9.22_1171]

Football Tactics

Spielerisch anstrengend

 

Für wen ist Football Tactics eigentlich?

– Für Hardcore-Fußball-Fans, die über seichte Strategie hinwegsehen können.

Für wen ist Football Tactics eher nichts?

– Für Spieler, die sich ein dynamischeres, taktischeres Spielerlebnis erhoffen.

Was möchte Football Tactics sein?

– Eine Mischung aus Fußball und Strategie, in welcher letzterer Part nicht Überhand nimmt.

Was ist Football Tactics geworden?

– Ein Spiel, welches etwas unter seinen Möglichkeiten bleibt.

 

Zunächst muss man sagen, dass diese Review aus der Perspektive eines Strategie und Taktik-Fans geschrieben ist, der aber auch im Misch-Genre aus Sport und Strategie seine Erfahrungen hat. Vielleicht sehe ich einige der Schwächen des Spiels deshalb vielleicht etwas kritischer, dennoch möchte ich nun genauer erläutern, warum Football Tactics in meinen Augen nicht der große Wurf ist.

 


 

– Die Präsentation –

Optisch hat Football Tactics fast schon etwas von einem Handyspiel: alles wirkt farblich recht Bunt, die Animationen der Spieler sind sehr simpel gehalten und der kleine Comic-Einschlag tut sein übriges. Die Animationen der Spieler und deren Aktionen sind soweit stimmig, das ganze Geschehen wirkt jedoch insgesamt statisch. Die sehr einfachen, aber unübersichtlichen Menüs verstärken diesen Handyspiel-Eindruck.

Klanglich bietet das Spiel eine Titelmusik, selbige wiederholt sich jedoch stets und wirkt deshalb schnell ermüdend. Was das Geschehen im Stadion angeht, sieht es dabei leider nicht besser aus und bis auf die Sounds der einzelnen Animationen, sprich: die Geräusche des Balls, der Zweikämpfe oder das Pfeifen des Schiedsrichters bei einem Foul, wirkt das Spiel sehr ruhig und eine Stadionatmosphäre mag nicht wirklich aufkommen. Daran ändern die wenigen Momente, in denen das Publikum mal laut wird, leider auch nichts.

Technisch ist das Spiel solide, allerdings lassen sich die Ränder, die links und rechts sind, nicht beseitigen. Selbst wenn man das Format richtig einstellt, bleiben zwei graue Ränder bestehen – auch auf den Screenshots zu sehen. Ansonsten hatte ich während meiner Spielzeit nur ein einziges mal einen Gamebreaking Bug: ich sollte in einem Pokalfinale gegen mich selbst spielen und das Spiel ist, nach Ende der Partie, immer abgestürzt.

 

– Das Gameplay –

Das Gameplay fühlt sich, im wahrsten Sinne des Wortes, wie Rasen-Schach an. Das Spielfeld ist in lauter kleine Quadrate unterteilt, die Spieler sind in der gewählten Formation auf selbigen positioniert und pro Halbzeit sind es insgesamt 24 Aktionen, die sich beide Teams teilen. Dabei passieren alle Aktionen nacheinander: der Ballführende hat drei Aktionen in denen er sich bewegen, passen oder schießen kann. Sind diese verbraucht, wechselt das Geschehen zum anderen Spieler, egal ob jener den Ball hat oder nicht. Dieser Spieler hat daraufhin ebenfalls drei Aktionen, um das Spielgeschehen nach seinen Wünschen zu beeinflussen.

Die Spieler haben dabei, neben den grundlegenden Dingen wie Pässen, Flanken, Dribblings und Schüssen, auch noch besondere Manöver wie Grätschen, besondere Pässe und Flanken oder sehr harte Schüsse zur Verfügung. Diese Aktionen gelten als Spezialfähigkeiten, die man den Spielern im Training beibringen kann. Da greifen dann taktische Elemente mit einem Hauch RPG: Spieler steigen Level und können bestimmte Fähigkeiten erst ab bestimmten Leveln erlernen. Problematisch ist hierbei, wie die Erfahrungspunkte sich verteilen: wer in seinem Spieldurchlauf mit dem nötigen Glück in einem Pokal besonders weit kommt, erhält Unmengen an Erfahrungspunkten. Wem das dagegen nicht gelingt, wird besagte Erfahrungspunkte im weiteren Spielverlauf schwer vermissen. Dabei hören die RPG-Anteile jedoch nicht auf, denn außerdem hat jeder Spieler 4 verschiedene Atribute, die das Spielgeschehen ebenfalls beeinflussen. Während die Genauigkeit eines Spielers seine Torgefährlichkeit beeinflusst, bestimmt sein Wert für Pässe selbstredend, wie gut selbige durchgeführt werden können. Dazu gibt es noch eine defensive Eigenschaft, die das Defensivverhalten festlegt, wie eben die Chancen Pässe und Schüsse zu unterbrechen oder den Ball abzunehmen. Zuletzt ist da noch die Kontrolle, die bestimmt wie gut ein Spieler den Ball halten und behaupten kann. All diese Werte beeinflussen das Spielgeschehen und da Football Tactics rundenbasiert ist, tun sie das auf sehr wichtige Art und Weise: sobald zwei Spieler irgendwie aneinander geraten, sei es durch ein Dribbling oder einen Schuss, berechnet das Spiel anhand der Spielerwerte und dem Zufall, ob und wie erfolgreich Aktionen sind. Angenommen also, ein Stürmer steht vor der Verteidigung und schießt auf das Tor, dann erscheint über jedem Spieler, der auf diese Situation Einfluss hat (der Stürmer, der schießt, der Verteidiger, der sich dazwischen wirft und der Torwart), eine Zahl. Diese gibt zuerst den Maximalwert an, der erreicht werden kann und bestimmt dann zufällig – als würde man es auswürfeln – wie gut jeder tatsächlich in der Situation reagiert. Um das besser zu verdeutlichen: der Stürmer könnte in diesem Beispiel höchstens eine 30 werfen, Verteidiger und Torwart nur eine 20. Jetzt hat der Stürmer auf dem Papier erstmal eine höhere Chance, seine Gegenspieler zu überbieten und damit das Tor zu schießen. Da das Spiel aber zufällig erwürfelt, wer wie gut in der Situation agiert, bekommt der Stürmer die 15, der Verteidiger eine 7 und der Torwart die 20 – was im Spielgeschehen bedeutet, dass der Spieler schießt, der Verteidiger ihn nicht abfangen kann, der Torwart den Ball aber hält. Auf diese Art werden alle Aktionen im Spiel berechnet, egal ob Zweikämpfe, Pässe oder Schüsse.

Auch wenn das alles einigermaßen ordentlich funktioniert, hat das gewählte System allerdings auch seine Schwächen. Zum einen wirkt das Spielgeschehen unglaublich statisch und man findet sich schnell in der Situation wieder, das Spieltempo auf das dreifache zu erhöhen, weil es visuell und atmosphärisch sehr ermüdend wird. Dazu tragen auch die sehr langsamen Animationen bei: ein Mittelfeldspieler, der mehrere Felder durch ein Dribbling überbrückt, macht bei jedem Feld, dass er passiert, erstmal halt. Das wirkt unglaublich abgehackt und lässt keinen wirklichen Spielfluss aufkommen. Zum anderen sind auch die Werte und ihre Konsequenzen problematisch: während die ersten Ligen so spielbar sind, erwartet einen jedoch schnell ein kleiner Schock. Durch den Aufstieg in eine höhere Liga spielt man plötzlich gegen Teams, die wesentlich bessere Spieler haben, was in dem Spielsystem letztlich bedeutet, dass die eigenen Spieler, die höchstens einen Wert zwischen 30 und 40 würfeln können, gegen Spieler antreten, die teils bis zu Werten im 100er Bereich kommen. Da jede Aktion jedoch komplett an diese Nummern gebunden ist, fühlt man sich über weite Strecken sehr machtlos und hat nicht wirklich das Gefühl, durch Taktik etwas machen zu können. Spiele gegen höhere Teams werden so zu einer regelrecht lächerlichen Schießbude: der Gegner schießt von wo auch immer er will und trifft, da seine Zahlenwerte viel zu hoch sind.

 


 

– Besonderheiten: das Management –

Das Management ist sehr simpel gehalten: im Training bestimmt man höchstens, welche Fähigkeiten und Eigenschaften erlernt werden sollen, Spielerverträge lassen sich ohne große Verhandlungen ebenfalls schnell verlängern und das aufwerten von Personal und Infrastruktur bietet prozentuale Boni (jüngere Spieler auf dem Transfermarkt, mehr Erfahrungspunkte, höhere Einnahmen bei Heimspielen), ist aber weder visuell noch spielerisch ansprechend. Selbiges gilt für Sponsoren im späteren Spielverlauf, die man sich einfach aussucht und die letztlich nur andere, finanzielle Boni bieten. Das Management ergänzt das Konzept recht ordentlich, ist aber kein besonders ausgearbeiteter Teil, auf welchem der Fokus liegen würde. Hierbei sei erwähnt: manche Dinge lassen sich nicht über Geld, sondern Loyalität erwerben. Selbige bekommt man aber auch einfach nur durch das spielen und gewinnen von Partien.

 

– Besonderheiten: die Spielerfähigkeiten –

Die Spielerfähigkeiten fügen sich gut in das Gesamtkonzept ein: nicht nur, dass sie besondere Effekte mit sich bringen – durch sie lassen sich auch oftmals mehr als die üblichen drei Aktionen ausführen. Hinzu kommt, dass die eigentlichen Manöver dabei auch sehr gelungen sind, denn ein guter Spielmacher spielt seinen Kameraden den Ball in den Lauf, was eine zusätzliche Bewegung einbringt, ohne dabei eine zusätzliche Aktion verwenden zu müssen.

Neben diesen besonderen Spielerfähigkeiten gibt es zudem noch sehr klassische Dinge: Pressing oder Grätsche, präziser oder starker Schuss, Pass oder Flanke? Solche Dinge lassen sich auch auswählen und beeinflussen allem voran auch die Zahlenwerte, allerdings wird nur spärlich erklärt, wie sie funktionieren und es braucht einige Zeit, bis man vollends dahinter kommt, was alles möglich ist.

 

– Der Support –

Die Entwickler sind im Steam Community HUB aktiv und beteiligen sich an jedweden Vorschlägen und Diskussionen, Patches folgen auch recht regelmäßig. Außerdem kann man kommende Patches sogar in einem Beta-Modus antesten, was ebenfalls sehr nett ist. Insgesamt scheint es jedoch, als wäre das Spiel weitestgehend fertig, da neben Kleinigkeiten wie Online-Matchmaking und das Einbinden des Steam Workshops nicht viel geplant zu sein scheint, ausgenommen etwas Politur.

 


 

– Das Fazit –

Football Tactics ist ein zweischneidiges Schwert: die langsame, rundenbasierte Ausrichtung wirkt sehr träge, die insgesamt sehr simplen Mechaniken können Spieler, die schon mit Strategie zu tun hatten, schnell langweilen und die Balance leidet etwas unter der starken Wirkung des Zufalls. Trotz dieser Makel weiß das Spiel jedoch mit seinen Management und RPG Aspekten, sowie dem guten Zusammenspiel der Spielerfähigkeiten zu überzeugen. Wer ein dynamisches Strategie-Sportspiel erwartet, einem Frozen Cortex ähnlich, wird durch die Behäbigkeit enttäuscht. Wer dagegen eher Fußball-Verrückt ist und wenig wert auf strategisches legt, findet in Football Tactics eine frische Perspektive auf seinen Lieblingssport.

 

– Warum 3.5 Sterne? –

Weil Football Tactics sich von den Animationen, aber auch vom Gameplay her zu behäbig spielt. Wer schon einmal Zeit mit Frozen Cortex verbracht hat, weiß wie dynamisch und strategisch sich Sport spielen lassen kann. Football Tactics liefert mit seinem rundenbasierten System zwar einen guten Ansatz, der die meiste Zeit auch ordentlich funktioniert, da der Fokus aber auf dem Gameplay liegt – und eben jenes so anstrengend langsam ist – ist eine höhere Wertung in meinen Augen nicht angebracht, auch im Hinblick auf die anderen Probleme wie das Balancing, welches die taktische Komponente komplett untergraben kann.

 


 

 


 

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