Faeria SCREENSHOTS
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Faeria

Besser gut geklaut…

 

Für wen ist Faeria eigentlich?

– Für Spieler, die gerne ihre Zeit mit anderen Kartenspielen wie Magic oder Hearthstone verbringen.

Für wen ist Faeria eher nichts?

– Spieler, die das Rad neu erfunden haben wollen, werden (auch) hier nicht glücklich.

Was möchte Faeria sein?

– Ein Kartenspiel zwischen Magic und Hearthstone, dass auf eine Mischung aus altbewährtem und einigen Neuerungen setzt.

Was ist Faeria geworden?

– Ein gutes Kartenspiel, welches momentan noch einige Baustellen hat.

 

Faeria spricht den Karten-Nerd in mir vollkommen an: verschiedene Elemente, tolles Kartendesign und dazu noch neue Mechaniken in Form von platzierbarem Territorium. Die spielerischen Parallelen zu Magic sind, wie eigentlich bei nahezu jedem Kartenspiel die letzten Jahre, deutlich erkennbar, die Parallelen zu Hearthstone, was die Optik angeht, jedoch genauso. Dennoch setzt Faeria eigene Akzente, auch wenn es aktuell noch knapp daran vorbeischrammt, als wirkliche Bereicherung für sein Genre zu gelten. Warum das so ist und warum ihr womöglich doch einen Blick riskieren solltet, sagen wir euch jetzt.

 

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– Die Präsentation –

Die optische Präsentation ist, wie bereits erwähnt, sehr stark an Hearthstone angelehnt. Das liegt gänzlich am etwas in Richtung Comic abdriftenden Stil des HUD und der einzelnen Karten. Dabei zeigt sich Faeria jedoch nicht als einfacher Klon, da es mit sehr schicken Karten und einfachen, jedoch passenden Effekten punktet.

Das Spielfeld ist ganz schön anzusehen, wenngleich etwas mehr Dynamik für einige auflockernde Momente hätte sorgen können. Insgesamt ist Faeria also schön anzusehen, ein wirkliches Highlight jedoch nicht.

Faeria

Klanglich lässt Faeria sich am ehesten als sehr ruhiges Spiel betreiben. Zwar gibt es die Standardgeräusche bei Kämpfen sowie sehr dezente Hintergrundmelodien. Ich persönlich habe mich jedoch schnell in der Situation wiedergefunden, hier einfach meine eigene Musik im Hintergrund laufen zu lassen. Nicht, weil irgendwelche der Sounds von Faeria störend würden, sondern viel eher, weil das Gefühl bleibt, eigentlich ohne Sound zu spielen.

Hier punktet das Spiel absolut nicht und auch wenn einige markantere Melodien nicht geschadet hätten, lässt sich hier über die schwache Klangkulisse hinwegsehen – schließlich reden wir von einem Kartenspiel. Technisch macht Faeria keinerlei Probleme. Es läuft wie es soll, ist auch online durchweg stabil und auch Matches lassen sich sehr schnell finden.

 

– Das Gameplay –

Zum klassischen Kartenspiel gegen andere Spieler oder Bots bietet Faeria eine Besonderheit: das platzieren von Ländern. Doch anstatt diese zum reinen Managewinn wie in Magic The Gathering zu platzieren, bestimmten Länder in Faeria, ob wo und wie wir unsere Kreaturen erscheinen lassen können – oder eben verhindern, wo der Gegner es kann. Dazu gibt es unter den Besonderheiten mehr zu lesen.

Abseits dessen bleibt die Formel sehr nahe an dem, was vermutlich jeder Kartenspieler bereits kennt: wir beginnen mit drei Karten auf der Hand und versuchen durch das taktische beschwören von Kreaturen, Zaubern oder Strukturen (welche passive bzw. aktive Effekte auslösen können) die Lebenspunkte unseres Gegners auf Null zu bringen.

Die vorhandenen Spielmechaniken bleiben hierbei sehr nahe an den großen Vorbildern dran: Kreaturen mit Eile dürfen direkt in dem Zug angreifen, in welchem sie das Spielfeld betreten wogegen andere Kreaturen teilweise mit der Zeit stärker werden, fliegen können oder andere, ziemlich klassische Boni haben. Überraschungen erwarten den erfahrenen Spieler hier absolut keine, doch dem muss angesichts der vielen Konkurrenz auch nicht so sein – das TCG-Rad neu erfinden ist schier unmöglich. Toll sind zu jedem Zeitpunkt die vielen Kartendesigns die mit schicken Motiven locken.

Wie läuft so ein Spiel also ab? Nun, beide Spieler versuchen in der Regel durch das geschickte platzieren von Ländern einen Vorteil zu erlangen. Ein aggressiver Spieler kann womöglich schnell eine Route zum Feind aufbauen um seine Kreaturen dann schnellstmöglich an der Front erscheinen zu lassen, allerdings sind auch andere Strategien durchaus lohnend.

Faeria

Die vier, an den linken und rechten Spielfeldrändern platzierten Brunnen gewähren zum Beispiel Bonuspunkte die für die Beschwörung von Kreaturen und Zaubern gebraucht werden. Ein Spieler, der also schnell vieles beschwören mag, baut eher zu den Rändern hin und versucht, diese Punkte für sich einzunehmen. Im Normalfall ist es die clevere Mischung aus beidem, die einen Sieg ermöglicht – in Kombination mit Kreaturen und Zaubern.

Apropos Kreaturen: diese müssen erst über das Spielfeld zum Gegner hinlaufen, ehe sie Schaden anrichten können (ausgenommen sie sind Fernkämpfer). Dementsprechend relevant sind die platzierten Länder, da hier anders als bei Magic oder Hearthstone eine leichte, strategische Komponente hinzu kommt, was die Platzierung der Einheiten betrifft. Jeder Spieler startet dabei mit 20 Lebenspunkten und sobald diese null erreichen, ist das Spiel vorbei. Hier ist alles also sehr klassisch gehalten.

Was die Spielmodi angeht, liefert Faeria eine solide Auswahl. der Multiplayermodus erlaubt schnelle 1-gegen-1-Gefechte, der Einzelspieler liefert eine kleine Kampagne mit freischaltbaren Karten und der im Spiel vorhandenen Währung. Ihr habt richtig gehört: Faeria erlaubt eine Währung im Spiel, die auch käuflich ist. Das alles geschieht natürlich unter dem Gesichtspunkt, dass Faeria mal Free to Play werden soll. Aber keine Angst: durch tägliche Quests sowie Belohnungen beim Kauf des Spiels ist es ein leichtes, sich schnell eine ansehnliche Kartensammlung zuzulegen.

Die ganze Early Access Phase richtet sich somit also an Leute, die das Projekt allem voran unterstützen möchten. Darüber hinaus ist auch ein Arena-Modus wie in Hearthstone geplant und es ist ziemlich offensichtlich, dass das Spiel keine großen Experimente wagt.

 


 

– Die Besonderheiten –

Die zu beschwörenden Länder sind letztlich Faerias Besonderheit schlechthin: je nachdem wie wir diese beschwören, ziehen wir Vor- oder Nachteile aus unserer Herangehensweise. Dabei können wir entweder alles auf eine Nähe der Front setzen und unserem Gegenspieler Druck machen – oder wir gehen taktischer vor und platzieren unsere Länder defensiv um zusätzliches Faeria (Mana) zu sammeln. Zudem kommt hinzu, dass jede Kreatur, je nach ihrem Element, eine bestimmte Anzahl an Ländern braucht um beschworen zu werden. Dabei richten sich die Bedürfnisse stark nach der jeweiligen Art des Landes, egal ob nun Wald, Gebirge, Wüste oder See.

Viele Kreaturen können dabei auch nur auf besagten Ländern beschworen werden, was zu interessanten Entscheidungen führt: denn wir können pro Runde entweder zwei neutrale oder ein besonderes Land beschwören, wobei neutrale Länder im nachhinein immer ‚überschrieben‘ werden können. Wünschenswert wäre gewesen, dass die einzelnen Ländertypen noch zusätzliche Effekte mit sich bringen – doch hier steckt eine Menge Strategie versteckt, was auch ich zunächst unterschätzt hatte. Besonders, da dem Spieler stets die Wahl gelassen wird: anstatt Länder zu platzieren darf auch einfach stattdessen eine Karte gezogen werden – oder man bekommt etwas zusätzliches Faeria.

Die Kämpfe zwischen Kreaturen laufen ab wie in Magic: The Gathering. Kreaturen haben einen Angriffs – sowie einen Verteidigungswert und fügen sich gegenseitig den Kampfschaden zu. Sinkt die Verteidigungskraft auf 0, stirbt die Kreatur. Das Besondere hierbei ist lediglich, dass Kreaturen über das Feld bewegt werden müssen und erst angreifen können, wenn sie in Reichweite von gegnerischen Kreaturen stehen. Das bietet einige nette Taktiken, wie eben das gezielte Versperren von wegen, macht das Spielgeschehen jedoch auch etwas zäher.

Die Elemente der einzelnen Kreaturen und Zauber beschränken sich auf fünf Stück. Da gibt es neutrale Kreaturen und abseits dessen Wälder, Gebirge, Wüsten und Seen. Dabei hat jede Farbe ihre eigenen Stärken: neutrale Karten sind in der Regel eine gute Basis um auf ihnen aufzubauen, Gebirgskarten dagegen setzen auf starke Buffs und Kreaturen mit Reichweite.

Faeria

Karten des Elements der Seen können meist über Wasser wandeln und springen, besitzen zudem gute Zauber. Karten des Elements der Wüste setzen auf fliegende Kreaturen, Lebensraub und generell kleinere Kreaturen mit Effekten. Zuletzt bleiben die Wälder, welche hauptsächlich starke Kreaturen bedeutet samt starker, auf die Lebenspunkte bezogene Buffs. Die Farben sind zwar reizvoll, richtig gute Kombinationen sind allerdings sehr schwer auszumachen, was gerade Magic-Spielern schnell auffallen wird.

Die Balance ist bislang noch eine Baustelle. Gebirgskreaturen mit ihrer enormen Reichweite (die können im wesentlichen vom eigenen Startpunkt den gegnerischen Spieler treffen) scheinen unfassbar unausgeglichen. Das Element der Wüste ist dagegen ziemlich schwach und wird entsprechend absolut nicht gespielt. Hier fehlt noch der Feinschliff, auch im Bezug auf mögliche Farbkombinationen.

Ein Crafting-System lässt sich ebenfalls in Faeria finden und es ist eigentlich absolut Hearthstone nachempfunden. Nicht benötigte Karten können entzaubert, nicht vorhandene Karten mit den gewonnenen Materialien erschaffen werden. Dabei wirken die ‚Wechselkurse‘ bislang noch etwas stark ungünstig, ansonsten ist es jedoch ein sehr feines System um doppelte Karten beispielsweise sinnvoll einzusetzen.

Faeria wird nach seiner Early Access Zeit Free-to-Play sein und der dazugehörige Shop findet sich bereits jetzt im Spiel. Konkret bedeutet das, dass sich Kartenbooster kaufen lassen, aber auch einige kosmetische Dinge wie neue Avatare. Hier greifen, wie bei Hearthstone oder eben auch echten Karten die selben Grundsätze: viel ausgegebenes Geld bedeutet nicht gleich bessere Karten, das Glück spielt immerhin eine Rolle. Außerdem lassen sich Boosterpacks auch erspielen, indem die Einzelspielerquests und zusätzlich täglich erscheinende Quests erledigt werden.

Hier bleibt auch alles sehr nahe an dem dran, was man von Hearthstone gewohnt ist – die Balance scheint hier mehr als angemessen. Wer sich das Spiel zum jetzigen Zeitpunkt kauft, bekommt natürlich ein recht ansehnliches Starterpaket von 20 Boosterpacks sowie anderen Gimmicks. Dennoch muss klar sein: ein Early Access Kauf bedeutet hier besonders die Unterstützung eines Titels.

 


 

– Der Support –

Patches kommen regelmäßig, befassen sich dabei meistens mit kleineren Balance-Fixes und dergleichen. Innerhalb der Community sind die Entwickler sehr aktiv, in welche Richtung es vom Inhalt jedoch noch geht, wird man sehen. Neben neuen Karten, einem Zuschauermodus oder mehreren Sprachen sind natürlich auch Inhaltserweiterungen oder der Arena-Modus geplant.

 

– Bisheriges Fazit –

Faeria setzt mit seinem System, Länder Schritt für Schritt zu setzen, gute Akzente, bleibt darüber hinaus aber sehr nah an seinen Vorbildern dran. Hier gilt letztlich eindeutig: besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht. Die Formel funktioniert, da Faeria das Kartenspiel mit etwas zusätzlicher, strategischer Tiefe ist. Dafür sorgt in erster Linie das Zusammenspiel aus platzierbaren Ländern, guten Karten sowie die einem Schachspiel gleichenden Möglichkeiten der Einheitenplatzierung und deren Bewegung.

 

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Veteranen des Genres erwarten keine Überraschungen, dafür jedoch eine liebevolle Präsentation mit sehr schickem Kartendesign und funktionierenden Kernmechaniken. Lediglich die Probleme beim Balancing verhindern hier eine bessere Wertung – denn Kartenspiele stehen und fallen mit selbigem.

 


 

 


 

Niv

Über Niv

Seit über 25 Jahren Gamer, habe ich natürlich schon einiges gespielt und noch viel mehr gesehen. Entgegen aller Prognosen hänge ich noch immer an meinem Hobby und verbringe die Zeit nicht nur am PC, sondern auch an meinen Konsolen. Während ich, wie die meisten meines Alters, gerade auch mit den Klassikern von Nintendo aufgewachsen bin, sitze ich heute am liebsten vor Rogue-likes, RPGs oder Aufbaustrategie. 2015 habe ich, über die Early Access Welt hinaus, am liebsten Zeit mit Bloodborne verbracht.