Epistory SCREENSHOTS
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VN:F [1.9.22_1171]

Epistory

Die lyrische Abenteuerreise einer Muse

 

Für wen ist Epistory eigentlich?

– Für alle, die weniger ein Spiel sondern mehr ein ‚künstlerisch angehauchtes‘ Erlebnis suchen.

Für wen ist Epistory eher nichts?

– Wer Wert auf die übliche Hollywood-artige Gameplay-Mischung legt, hat hier absolut nichts verloren.

Was möchte Epistory sein?

– Ein lyrisches Abenteuer, dass durch Spielwelt und Handlung überzeugen mag.

Was ist Epistory geworden?

– Ein lyrisches Abenteuer, dem einige Probleme anheften.

 

Als eher aufgeschlossener Spieler hat Epistory bei mir offene Türen eingetreten: die Mischung aus einem optisch passenden Stil sowie dem sonst eher ungewöhnlichen Setting hat mich anfänglich überzeugt. Obwohl die ‚Spielmechaniken‘ sich alleine aufs Erkunden sowie Schreiben konzentrieren, ist Epistory allemal ein Spiel für alle, die mal etwas anderes erleben wollen. Was das genau bedeutet und was vielleicht weniger gut gelungen ist, kläre ich jetzt in der Review.

 


 

– Die Präsentation –

Optisch setzt Epistory auf einen Papier-Stil, weshalb alles etwas faltig und kantig aussieht. Technisch also absolut kein Augenschmaus, stilistisch allerdings überzeugt Epistory allemal – solange man keine Referenzen kennt. Denn: wem beispielsweise Tearaway nicht unbekannt ist, dem wird auffallen, dass die Papierwelt in Epistory recht blass bleibt. Blass in dem Sinne, dass es eigentlich wenige kreative Elemente gibt, die das Setting erst so zusammenbauen, wie es ist. Meistens bleibt so der Eindruck bestehen, man habe die Welt im wesentlichen einfach ’nur‘ mit entsprechenden Texturen versehen. Das ist solide, mehr aber auch nicht.

Klanglich ist sehr wenig vom Spiel zu vernehmen. Da ist die sehr blasse Hintergrundmusik, die manchmal auch gänzlich verschwindet. Da sind Umgebungsgeräusche, die zwar allesamt zum Geschehen passen, allerdings auch nicht mehr tun, als das Gesehene eben ein wenig zu begleiten. Hier habe ich während meiner Spielzeit nichts erlebt wo ich mir dachte, dass es sehr herausstechen würde.

Technisch hat das Spiel einige Schwierigkeiten. Der Menüpunkt, um das Spiel zu verlassen, funktioniert zumindest bei mir absolut nicht und ich hatte auch einige Situationen, in denen der Charakter sich nicht mehr steuern ließ, nachdem durch bestimmte Spielabschnitte die Welt neu geladen wurde. Insgesamt sind das aber nur Kleinigkeiten.

 

– Das Gameplay – 

Jedem, der auch nur eine Minute in dem Spiel verbringt, wird zu allererst die sehr gewöhnungsbedürftige Steuerung auffallen. Das Spielgeschehen findet in isometrischer Perspektive statt und so steuern wir mit den Tasten WASD das Mädchen auf ihrem Fuchs und aktivieren durch einen Druck auf die Leertaste den Schreib-Modus, dazu später aber mehr. Alternativ gibt es auch ein Steuerungsschema für Linkshänder, was eine feine Sache ist.

Grundsätzlich setzt das Gameplay sich aus zwei Elementen zusammen: da ist zunächst die Erkundung der Spielwelt. Hier sehen wir uns, wie es sich gehört, gründlich um und suchen nach bestimmten Stellen sowie Wegen, an denen wir das zweite große Gameplay-Element benutzen können – das Schreiben. Das ist eine kleine Besonderheit des Spiels, da bestimmte Gegenden durch die richtigen Worte aufblühen, sich Wege eröffnen oder sogar Feinde besiegt werden können. Dabei wird durch einen Druck auf die Leertaste jedes verfügbare Wort in unseren Umkreis angezeigt und indem wir selbiges eintippen, verlieren Gegner ihr Leben, wachsen Bäume und Blumen oder verschwinden Steine sowie andere Hindernisse. Schade ist hier nur, dass sich eigentlich schon nach sehr kurzer Spielzeit die Wörter auffällig oft wiederholen und dieses ‚Gameplay‘ etwas überstrapaziert wird. Besonders dann, wenn wir bestimmte Kreise betreten, die teilweise richtig langatmige Gegnerwellen auf uns losschicken. Ehe wir uns versehen tippen wir dann lauter einzelne Wörter in einer Art Marathon, um keinen Feind an uns heran zu lassen, da eine einzige Berührung uns nämlich tötet. In diesen Momenten ist das Spiel dann eigentlich auch am schwächsten, da es zu sehr in Richtung ‚Videospiel‘ abdriftet, indem es uns ziemlich sinnlose Passagen durchlaufen und etliche Worte abtippen lässt. Das hat weder spielerischen noch erzählerischen Wert.

Eine Geschichte erzählt Epistory natürlich auch, in welcher wir, das kleine Mädchen auf dem drei-schwänzigen Fuchs, die Muse für einen Schriftsteller spielen. Erzählt werden zwei Geschichten simultan durch Texte, die an bestimmten Punkten auf dem Boden erscheinen. Die etwas schnörkeligere Märchen-Schrift erzählt dabei strikt die Geschichte des Mädchens und des Fuchses. Gelegentliche, handschriftliche Fetzen dagegen spiegeln die Gedanken des Schriftstellers wieder, dessen Muse wir eben sind. Die Handlung als solche mündet in einem sehr ansprechenden Ende und letztlich stützt das Spiel sich stark auf die erzählte Geschichte.

 


 

– Besonderheiten: die emotionale Ebene –

Viele Spiele, die sich etwas vom herkömmlichen Gameplay distanzieren und den Spieler in ihre Welt entführen wollen, setzen oftmals auf emotionale Aspekte. Egal ob es nun eine herzzerreißende Geschichte ist oder besondere Spielelemente einen Bezug zur Spielwelt schaffen sollen. Bei Epistory funktioniert bislang keine dieser Methoden. Die bisher nebenbei verlaufende Handlung stellt weder zur Muse noch zum Schriftsteller irgendeinen Bezug her und auch die Spielwelt ist auf den zweiten Blick zwar noch immer schön anzusehen, lässt aber nennenswert liebevolle Details vermissen. Insgesamt begrüße ich auf jeden Fall den Gedanken hinter dem Konzept, in seiner jetzigen Form lässt es mich aber dennoch erstaunlich kalt. Das ist natürlich sehr subjektiv, als Spieler der aber viele Stunden mit Spielen in dieser Richtung verbracht hat, kann ich es jedoch nicht anders sagen bzw empfinden.

 

– Besonderheiten: RPG-Momente und eine Spur Action Adventure –

In Epistory findet sich sogar ein leichter RPG-Ansatz wieder, der sich im wesentlichen auf Charakterwerte beschränkt. Indem wir Worte komplettieren, sammeln wir Erfahrung und steigen Level auf. Bei jedem Level lässt sich dann ein Punkt auf unsere Werte verteilen, was uns Vorteile einbringt. So gibt es dann eine Taste für automatisches Laufen, wir können uns generell schneller bewegen oder unser Feuer-Skill macht mehr Schaden.

Ähnlich einem Action Adventure finden wir nämlich nicht nur Truhen sondern eben auch die Kraft des Feuers, die dann sogar in Kämpfen nützlich ist. Denn: einige der späteren Gegner haben mehrere Wörter am Stück, die man eintippen muss ehe der Feind fällt. Die Feuerfähigkeit brennt da dann über Zeit immer das nachfolgende Wort nach einem Treffer weg, so dass wir bei einem Gegner mit 4 Worten beispielsweise nur 2 mal treffen müssen, damit alle verschwinden. Das ist sehr schön und clever gemacht.

 

– Besonderheiten: das Schreiben –

Hier haben wir dann noch einen kleinen Knackpunkt des Spielprinzips: wer nicht blind auf seiner Tastatur schreiben kann, wird mit Epistory seine Probleme haben. Gerade in späteren Passagen, wenn es etwas hastiger wird, mehrere Worte auf dem Bildschirm auftauchen und man im Eiltempo tippen muss, ist einfach keine Zeit um zwischen Monitor und Tastatur hin und her zu wechseln.

 


 

– Das Fazit –

Epistory setzt auf eine künstlerische Ausstrahlung, eine ansprechende Handlung sowie ein sehr ausgefallenes Spielprinzip. Dabei fällt es klar in die Kategorie der Dinge, die weniger Spiel sondern mehr Erlebnis sein wollen. Allerdings gibt es bislang noch zu viele Probleme: spielerisch ist Epistory nicht sehr ansprechend, eine Verbindung zu den Personen entsteht nicht wirklich und auch die kreative Spielwelt ist auf den zweiten Blick mehr Schein als Sein. Meine Empfehlung: wer gerne einfach was anderes machen mag, dem Schreiben nicht abgeneigt ist und ein Faible für kreative Ausstrahlung allein hat, kann hier das Geld investieren. Wer sich dagegen öfter in solchen Gefilden bewegt, andere Größen in der kreativen Ecke genossen hat und hier jetzt den nächsten großen Leckerbissen erwartet, der sollte es sich gut überlegen.

 

– Warum 3 Sterne? –

Weil die Mischung aus nicht rundem Gameplay und einer doch ansprechenden visuellen Gestaltung samt Handlung nicht mehr hergibt.

 

– Der Abschluss –

Epistory hat das Early Access Programm am 30.03.2016 verlassen. Nach etwa einem halben Jahr steht ein Spielprinzip mit einer abgeschlossenen, ansprechenden Handlung dahinter. Da die Geschichte überzeugt, werten wir Epistory deshalb von 2.5 auf 3 Sterne auf. Da das Gameplay weiterhin Tücken bietet und die Idee nicht ganz funktioniert, war hier unserer Meinung nach nicht mehr möglich. Die Charmante Spielwelt und nette Geschichte dagegen überzeugen auf jeden Fall – wenn man denn der Typ Spieler dafür ist.

 


 

 


 

Niv

Über Niv

Seit über 25 Jahren Gamer, habe ich natürlich schon einiges gespielt und noch viel mehr gesehen. Entgegen aller Prognosen hänge ich noch immer an meinem Hobby und verbringe die Zeit nicht nur am PC, sondern auch an meinen Konsolen. Während ich, wie die meisten meines Alters, gerade auch mit den Klassikern von Nintendo aufgewachsen bin, sitze ich heute am liebsten vor Rogue-likes, RPGs oder Aufbaustrategie. 2015 habe ich, über die Early Access Welt hinaus, am liebsten Zeit mit Bloodborne verbracht.

Release: Epistory

Release: Epistory

Epistory hatte am 30.03.2016, seinen offiziellen Release. Die Geschichte rund um Worte und ein Mädchen auf ihrem Fuchs findet damit ihren Abschluss nach etwa einem halben Jahr. Über diese Zeit gab es einige Updates und allem voran wurde die Geschichte weitergeführt und würdig zu Ende gebraucht. Vom ...

Aufwertung: Epistory

Aufwertung: Epistory

Seid gegrüßt, da mit dem sehr schnellen Update für Epistory einige der Kritikpunkte unserer Review wegfallen, werten wir das Spiel somit auf 2.5 Sterne auf. Die inzwischen funktionierende Steuerung mit WASD sowie einige Verbesserungen bei den Menüs tun dem Spiel allemal gut und die Entwickler sind h...