Endless Space 2 SCREENSHOTS
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VN:F [1.9.22_1171]

Endless Space 2

Zwischen Civilization und Stellaris

 

Für wen ist Endless Space 2 eigentlich?

– Für Spieler, die 4X Strategie im All mögen und mit bisherigen „Endless“-Titeln vertraut sind.

Für wen ist Endless Space 2 eher nichts?

– Wer einen Fokus auf Schlachten und Action erwartet, kommt nicht auf seine Kosten.

Was möchte Endless Space 2 sein?

– Die gelungene Fortsetzung des Vorgängers, welcher schon in vielen Bereichen punkten konnte.

Was ist Endless Space 2 geworden?

– Der logische nächste Schritt der Serie, mit noch wenig Inhalt.

 

Endless Space 2 will da weitermachen, wo sein Vorgänger aufgehört hat: die Strategie muss noch besser, die Entscheidungen müssen noch gewichtiger sein. Das alles deutet sich im Kern des Spiels bereits an. Darüber hinaus findet sich aber auch viel vertrautes, welches den Bezug zur Spielreihe aufleben lässt. Ist Endless Space 2 gut? Sicherlich! Dennoch fehlt noch eine Menge, um es zu einem großartigen Spiel zu machen. Was das ist? Lest selbst.

 

Kein Freund der vielen Worte? Direkt zum Fazit springen: Klick mich!

 


 

– Die Präsentation –

Von der Optik her ist Endless Space 2 ein Leckerbissen der nicht zu dick aufträgt. Die Weiten des Alls sehen gelungen, allerdings auch etwas statisch aus. Einzelne Sonnensysteme punkten mit Liebe zum Detail und die Möglichkeit, sich jedweden Planeten anzusehen, ist optisch durchaus auch positiv zu erwähnen. Raumschiffdesigns sind, zumindest für meinen Geschmack, allerdings noch recht simpel gehalten und lassen eine gewisse Verspieltheit bzw. Kreativität vermissen.

Die Sounds im Spiel wirken sehr vertraut, weil sie sehr nahe am Vorgänger, aber auch an Dungeon of the Endless (von den selben Machern) sind. Das erzeugt eine wohlige Vertrautheit bei Spielern, die schon häufiger dem Charme der Amplitude-Spiele verfallen sind.

Endless Space 2

Grundsätzlich setzt Endless Space 2 auf futuristische, melodiöse Klänge, die bei auftauchenden Ereignissen auftreten. Generell scheint hierbei alles ein Geräusch von sich zu geben, vom Aufrufen eines Menüs hin zum Befehligen einer Raumschiff-Flotte. Insgesamt habe ich die Klänge als zufriedenstellend wahrgenommen, allem voran da keine nervigen Geräusche das Gesamtbild negativ beeinflussen.

Technisch funktioniert Endless Space 2 sehr gemischt. Ein Blick in das Community-Forum auf Steam lässt bereits schlimmes erahnen und auch ich hatte Probleme: ab einer bestimmten Rundenanzahl will das Spiel einfach nicht mehr die nächste Runde starten – was scheinbar kein seltener Fehler ist.

 

– Das Gameplay –

In seinem Kern spielt sich Endless Space 2, wie bereits der Vorgänger, wie ein Civilization. Doch anstatt Städte zu gründen und Ländereien zu kaufen, zieht AMPLITUDE Studios das Spielgeschehen hinaus in die Weiten des Alls. So werden Späher auf Erkundungsflüge durch Sonnensysteme geschickt, Planeten werden neu besiedelt und Science-Fiction-Technologien erforscht. Die dafür nötigen Ressourcen sind dabei jedoch klassisch an bekannte Genregrößen angelehnt: Nahrung, um das Wachstum der Population auf einem Planeten voranzutreiben. Industrielle Produktion, was die Ausbildung von Einheiten oder das Bauen von Gebäuden beschleunigt. Wissenschaft, welche die Forschung vorantreibt. Und schließlich noch Dust, die in jedem Spiel von AMPLITUDE vorkommende Währung.

Zu Beginn haben wir unseren Heimatplaneten bereits unter Kontrolle und das Ziel ist, ganz klar, eine Expansion. Die Weiten des Alls sind voll neuer, unentdeckter Rohstoffe, Luxusgüter und Geheimnisse. Dabei bestimmt die Wahl unseres Volkes ebenso unseren Spielstil, wie wir selbst – vom umherziehenden, Planeten aufschröpfenden Nomaden hin zum Handelsimperium, welches den Dust-Fluss kontrolliert, ist hier alles möglich. Gerade das hat sich, im Vergleich zum Vorgänger, wesentlich verbessert – im Gegensatz zu den Kämpfen.

Diese sind noch immer sehr trocken inszeniert und erfordern auch keine wirkliche Taktik. Unsere Schiffe haben bessere Technologie? Damit haben wir bereits gewonnen. Dabei liefert Endless Space 2 auch keine besonderen Kontrollmöglichkeiten unserer Raumschiffe in den Gefechten. Kommt es zu einer Schlacht, werden wir lediglich informiert und dürfen in einem Fenster eine grobe Ausrichtung festlegen und uns aussuchen, ob wir zusehen wollen. Da es vom Gameplay hier schon nicht viel zu holen gibt, ist es recht enttäuschend, dass auch die Inszenierung eher mau ist. Schön wäre es gewesen, wenn man hier ein regelrechtes Effekt-Gewitter im Stile von ‚STAR WARS Empire at War‘ und dessen Kino-Modus geliefert hätte. Das hätte diesen staubtrockenen Part gerettet. Bodenkämpfe sehen zumindest interessanter aus, bringen vom Gameplay jedoch auch nicht allzu viel in das Spiel.

Dafür sind die wirtschaftlichen Aspekte des Spiels reizvoller – Planeten besiedeln und gedeihen lassen, die jeweiligen Vor- und Nachteile der einzelnen Biome auszunutzen und eine starke, funktionierende Wirtschaft errichten, das alles macht schon ziemlichen Spaß. AMPLITUDE bleibt sich hier mit seinem Fokus auf die ökonomische Verzahnung treu und weiß zu überzeugen. Zwar gerät man irgendwann in die Situation, Gebäude einfach der Reihe nach runter zu bauen, doch gelegentliche Spezialgebäude, die einmalig errichtet werden können, lockern das etwas auf.

Endless Space 2

Dazu bietet die Politik unseres Reichs eine Menge unterhaltsame Optionen. Im Zusammenspiel mit zufälligen Begebenheiten, die sich durch Erkundung des Alls oder eben einfach auf einem Planeten zutragen, entstehen immer wieder neue Gruppen innerhalb unseres Imperiums. Beginnen wir also als ein militaristisches Volk, können wir dennoch durch unsere in den Quests getroffenen Entscheidungen neue Gruppen zum Leben erwecken, egal ob das nun Pazifisten, Industrielle oder Wissenschaftler sind.

Alle paar Runden werden dann Wahlen abgehalten, was uns dementsprechend etwas einschränkt, wenn eine Partei an die Macht kommt, die entgegen unseres Spielstils ist. Wollen wir also eher Krieg führen, treffen jedoch pazifistische Entscheidungen hier und da, können die Pazifisten bei der nächsten Wahl die Kontrolle haben – was uns politisch etwas ausbremst. Denn: wir können durch Einfluss, den wir mit der Zeit aufbauen, bestimmte Gesetzesentwürfe durchbringen, die uns passive Boni bescheren oder eben unsere gewünschte Politik weiter vorantreiben. Dabei ist alles recht simpel gehalten und mit handfesten Werten unterlegt (Politik X erhöht die Industrie, Politik Y dagegen die Nahrungsproduktion).

Die KI hat sich insgesamt etwas gebessert, nach etwa 60 Spielzügen jedoch hat man das Spielgeschehen meistens gut im Griff. Meistens erreicht man auch da den Punkt, ab welchem sich kaum noch sinnvolle Dinge auf den Planeten bauen lassen. Da hängt dann gefühlt alles an der Forschung, welche zu dem Zeitpunkt meistens auch langsamer ist. Solche Durchhänger passieren gegen die KI, sind insgesamt aber verkraftbar. Im Multiplayer läuft alles dementsprechend etwas anders sowie langsamer. Doch das ist nur ein geringes Problem, da Endless Space 2 während jeder Wartezeit (sei es das Laden der KI Bewegungen oder das Warten auf Spieler) weiterhin eine gewisse Interaktion erlaubt. So schaut man sich Planeten, die Forschungsbäume oder viele der anderen Infos an, während man wartet.

 


 

– Die Besonderheiten –

Die Völker im Spiel sind bislang die große Verbesserung im Endless-Universum. Zwar gibt es aktuell nur vier Stück (weitere sind geplant) aber diese unterscheiden sich sehr voneinander: die Sophons beispielsweise sind begnadete Forscher, die starke Boni darauf erhalten, wenn sie eine Technologie als erste erforschen. Die Cravers dagegen sind gezwungene, kriegerische Nomaden, da sie die Planeten, die sie erobern, versklaven und deren Bevölkerung verschlingen. Mit der Zeit lässt dann die Produktion jedoch nach, was sie immer wieder in die Position bringt, sich neu ausrichten zu müssen.

Die Vodyani dagegen besitzen riesige Archen, weswegen sie keine Planeten direkt besiedeln. Geht eine Arche in einem System vor Anker, übernimmt sie alle dortigen Planeten. Zuletzt bleiben dann noch die Lumeris, die beinahe schon eine Weltraum-Mafia darstellen. Anstatt Schiffe zu entsenden, die kolonisieren, kaufen sie sich einfach Außenposten auf anderen Planeten. Die Ungefallenen setzen dagegen auf Frieden und müssen verschiedene Systeme mit Ranken vernetzen. Dazu gibt es dann noch Rissgeborene, die neue Bevölkerung erst erschaffen müssen, da sie Maschinen sind. Diese verschiedenen Ansätze fördern unterschiedliche Spielstile, was ein klarer Pluspunkt ist. Dazu gibt es kleinere Randvölker, die man in das eigene Imperium eingliedern kann – sei es durch Krieg oder Bestechung. Wobei das Feature hier, im Vergleich zu Endless Legend, etwas untergeht, da die Völker außer Ressourcen und dann einem neuen System nicht viel beisteuern.

Wie im Vorgänger auch, gibt es Helden im Spiel. Selbige können als Flottenkapitäne eingesetzt werden oder auf Planeten als „Gouverneure“ eingesetzt werden. In beiden Fällen sammeln sie Erfahrung, steigen Level auf und erlauben, in kleinen Talentbäumen, auch eine gezielte Ausrichtung auf bestimmte Vorteile. Dabei können Helden aus jeder Rasse entspringen, nicht nur aus der eigenen, was dann verschiedenste Boni bringt.

Ebenfalls eine große Rolle spielen Ereignisse in Endless Space 2. Die entsandten Erkundungsschiffe entdecken immer wieder einzigartige Planeten oder bestimmte ‚Quests‘. Diese führen oftmals auf die Spuren alter, ausgestorbener Zivilisationen. Je nachdem, wie innerhalb dieser Quests verfahren wird, entstehen so neue politische Fraktionen innerhalb des Imperiums oder es wirken Belohnungen wie Technologien, Rohstoffe oder Einfluss. Zusätzlich dazu gibt es auch auf den eigenen Planeten bestimmte Entscheidungen zu treffen – jedwede Fraktionen wollen plötzlich etwas bestimmtes und eine einfache Entscheidung bestimmt dann, welche politische Fraktion zuwachs erhält und wie alle Systeme beeinflusst werden. Dabei sind alle Konsequenzen und sogar wie lange sie andauern von Anfang an frei einsehbar, was etwas die Spannung nimmt.

Apropos Technologien: diese sind in einem sinnvollen Baum angeordnet und kategorisiert. Industrielle Fortschritte sind dabei ebenso vertreten wie neue Raumschiff-Technologien oder erweiterte Möglichkeiten zur Besiedelung neuer Planetentypen. Letzteres ist recht wichtig, da uns sonst nur ein Bruchteil der entdeckten Planeten zur Expansion zur Verfügung steht.

 

Dabei sind alle Bäume sinnvoll gegliedert und es ist recht übersichtlich gehalten sowie deutlich erklärt, welche Technologien wofür notwendig sind. Wer dazu bereit ist, ein wenig zu lesen, bekommt so in der Regel alle Informationen angezeigt, wenn er mit dem Mauszeiger über die entsprechende Fläche fährt. Dabei hat man sich von der ursprünglichen Ideen abgewandt und auf das Feedback der Community gehört, um einen an den Vorgänger angelehnten Baum zu wählen.

Im Kontext mit besseren Technologien punktet hier auch die Option, der Flottengestaltung, da sich hier die Waffen- und Verteidigungssysteme der Raumschiffe selbst zusammenstellen lassen. Soll ein bestimmter Kreuzer also Laserwaffen haben, anstatt sich nur auf Geschosse und Raketen zu verlassen, dann steht es uns frei, diese Anpassungen so vorzunehmen, wie wir es für richtig halten. Das bleibt spielerisch jedoch nur ein kleines Extra, wenn man sich vor Augen hält, wie die Kämpfe laufen.

 


 

– Endgültiges Fazit –

Endless Space 2 lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück – der Spielfluss ist sehr angenehm, der Fokus auf die Wirtschaft und Politik funktioniert sehr gut und die Endless-typischen Auflockerungen durch Ereignisse machen ordentlich Spaß. Dem gegenüber stehen allerdings noch immer sehr eintönige Gefechte sowie eine Bandbreite an Fehlern die man in den Release mit hinein genommen hat. Dazu kommt eine gewisse Eintönigkeit, die sich im Spielfluss einnistet, was das Erlebnis zusätzlich bremst.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in der Review auf die Sterne unter Eure Wertung klicken. Wahnsinn!

Generell komme ich nicht umher, hier auf die Konkurrenz zu schielen: für nur etwas Geld mehr steht mit Stellaris eine komplexere und bereits vollständige Alternative seit längerem in den digitalen Regalen Steams. Dagegen wirkt Endless Space 2 aktuell noch etwas zu unausgereift für mich – obwohl ich riesiger Fan der Reihe bin. So kann ich Endless Space 2 zwar noch empfehlen, kann aber allein wegen einiger Bugs keine höhere Wertung zu seinem Release am 18.05.2017 geben. Woran das genau liegt, sagt euch unser Artikel.

 


 

 


 

Niv

Über Niv

Seit über 25 Jahren Gamer, habe ich natürlich schon einiges gespielt und noch viel mehr gesehen. Entgegen aller Prognosen hänge ich noch immer an meinem Hobby und verbringe die Zeit nicht nur am PC, sondern auch an meinen Konsolen. Während ich, wie die meisten meines Alters, gerade auch mit den Klassikern von Nintendo aufgewachsen bin, sitze ich heute am liebsten vor Rogue-likes, RPGs oder Aufbaustrategie. 2015 habe ich, über die Early Access Welt hinaus, am liebsten Zeit mit Bloodborne verbracht.

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