Darkest Dungeon SCREENSHOTS
Unsere Wertung:
Eure Wertung:
VN:F [1.9.22_1171]

Darkest Dungeon

Ein schlechtes Blatt Karten

 

Für wen ist Darkest Dungeon eigentlich?

– Für Leute, die sich gerne durch dunkle Gewölbe kämpfen und es zudem schwer mögen.

Für wen ist Darkest Dungeon eher nichts?

– Für all jene, die lieber neu starten würden, anstatt einen ihrer Charaktere sterben zu lassen.

Was möchte Darkest Dungeon sein?

– Ein düsterer, schwerer Dungeon Crawler der einem manchmal gerne alles abverlangt.

Was ist Darkest Dungeon geworden?

– Ein düsterer, schwerer Dungeon Crawler der einem manchmal alles abverlangt – und dabei immer besser wird.

 

Darkest Dungeon ist wie ein schlechtes Blatt Karten: Alles was einem übrig bleibt ist zu versuchen, das Beste aus selbigem zu machen. Genau das macht das Spiel so verflucht liebenswert: man steuert keine Überhelden, denen die furchtbaren Dinge in den Dungeons nichts anhaben können. Man spielt eine Truppe von Menschen, von Söldnern und Abenteuerlustigen die mit jedem Schritt tiefer in das Dungeon, mit jedem Schrecken der ihren begegnet, mehr und mehr ihre Sterblichkeit entblößt. Wie Darkest Dungeon das zu schaffen vermag, möchte ich jetzt genauer erläutern.

 


 

– Die Präsentation –

Der Art-style ist Lovecraftian: man wuselt sich durch dunkle, verfallene Ruinen, Keller oder Sümpfe und sowohl Umgebungen als auch Kreaturen und Gegenstände zum interagieren (Schreine zB) haben diesen leicht verstörenden Stil – selbst Cthulhu findet seinen Platz in diesem Szenario. Dabei wirkt der Grafische Stil wie gezeichnet und auch wenn Darkest Dungeon keine ‚Grafikbombe‘ ist so sieht es sehr stimmig und schick aus. Über den Sound kann man sogar noch mehr Positives sagen: der Erzähler (ja, es gibt einen Erzähler, der in schön ‚düsterer‘ Stimme erläutert, was so vor sich geht) ist absolut perfekt und die Musik sowie die generellen Soundeffekte (bei Attacken, wenn man seine Fackel neu entzündet usw) sind einfach sehr gut gewählt – Top.

 

– Die Story –

Die ist kurz erzählt, der Fokus liegt auf dem Gameplay: man selbst spielt quasi einen Hausherren der ein verlassenes Anwesen seiner Vorfahren versucht wieder einzunehmen und aufleben zu lassen. Allerdings lauern in den Kellerruinen des Anwesens sowie der ganzen Umgebung lauter schreckliche Dinge. Also lockt man, mit der Versprechung auf Ruhm, Gold und Abenteuer, Söldner an, die dann für einen die Dungeons plündern. Da springt dann das Gameplay ein.

 

– Das Gameplay –

Das Gameplay setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: da wäre zuerst die kleine Siedlung, die man verwaltet. Da greifen ganz simple Management-Mechaniken: durch Materialien die man in Dungeons sammelt, wertet man die Gebäude in der Siedlung auf. Welche das im Detail sind, erläutere ich etwas später. So wird aus der heruntergekommenen Siedlung bald ein Ansehnlicher Ort.

Als zweites greifen RPG Elemente. Man heuert die Charaktere an die allesamt unterschiedlich sind: sei es ein Kreuzritter für die vorderen Reihen, ein Okkultist der sowohl als starker Single-Heiler als auch starker Magier fungieren kann oder der Kopfgeldjäger der die Reihen der Gegner durcheinanderbringen und dazu heftig austeilen kann. Dazu kann man aus 7 Skills pro Charakter wählen von denen man 4 mitnehmen darf. Selbige Skills sowie Waffen lassen sich zudem Leveln und um alles abzurunden gibt es sogar noch anlegbare Schmuckstücke, die ebenfalls Einfluss auf die Werte des Charakters haben. All das um die Charaktere so auszurüsten, wie man will. Dazu kann man die Charaktere noch frei benennen und hat die Wahl zwischen mehreren Farben. Kurzum: die Werkzeugpalette, mit welcher man seine Helden bearbeiten kann, gibt eine Menge her.

Tolles Design, eine Fülle an Individualisierungsmöglichkeiten und Charakteren, fordernder Schwierigkeitsgrad und einzigartige Gameplayelemente wie der Stress machen Darkest Dungeon – trotz Early Access – zu einem absolut gelungenen Spielerlebnis.

Der dritte Part ist das Plündern der Dungeons. Man wählt vier seiner Söldner und wo sie stehen sollen (sie stehen in einer Reihe, von links nach rechts, wobei zwei Reihen ‚vorne‘ und im Nahkampf sind, die anderen zwei Reihen die hinteren darstellen. Selbiges gilt für die Gegner), welche Skills sie haben und macht sich auf ins Dungeon. Dabei gibt es dann viel zu beachten: man braucht Nahrung. Helden müssen essen, hat man keine dabei, verlieren sie Gesundheit und der Stresspegel steigt (mehr zum Stress im nächsten Abschnitt). Man braucht Fackeln: Fackeln erhellen das Dungeon erst, allerdings bieten sie ein risk & reward System – je dunkler es ist, desto besser die Beute. Jedoch auch die Chance, dass der Gegner einen überrascht, was zur Folge hat, dass er zuerst angreift und die eigenen Reihen durcheinander bringt. Mehr Licht bedeutet mehr Sicherheit, dafür schlechtere Belohnung. Dazu braucht man dann noch Kleinigkeiten: Bandagen gegen Blutungen, Gegengift, Schlüssel (um evtl Schatztruhen zu öffnen!) oder Schaufeln um den Weg frei zu machen. All das kauft man vor dem Antritt ins Dungeon. Selbiges erkundet man dann einem Dungeoncrawler gleich und versucht die Ziele zu erfüllen, die stellenweise auch gut variieren.

 


 

– Besonderheiten: der Stress –

Diese Unvorhersehbarkeit macht Darkest Dungeon so fantastisch: man bekommt die Karten, die man bekommt und man macht das beste daraus. Erfolge schmecken so viel süßer, Niederlagen währen so viel länger – ohne jedoch Frust zu erzeugen.

Ich habe ihn nun schon mehrfach erwähnt und nun möchte ich ihn genauer beleuchten: den Stress. Das tolle an dem Spiel ist, dass man keine Superhelden steuert. Es sind Menschen, die gegen Cthulhu-Dämonen, Pilz-Zombies und mutierte Monsterschweine ankämpfen. Landet der Gegner kritische Treffer, wandert man zu oft durch die selben Gänge (die Helden denken, man habe sich glatt verirrt) oder fällt auf einen der Tricks des Dungeons herein (Bücherregale mit verstörenden Werken, Opferschreine oder Fallen) so steigt jedes mal der Stress. Selbiger lässt sich durch manche Skills, ebenso Altare und Bücher die man auf dem Weg findet oder durch eine Pause am Lagerfeuer senken. Interessant wird es jedoch, sobald ein Streiter den maximalen Stresspegel erreicht: erfahrungsgemäß hat er dann eine 75%ige Chance darauf, durchzudrehen. Das passiert auf viele Arten: vielleicht hat er eine masochistische Ader und verweigert fortan jede Heilung oder schadet sich glatt selbst. Oder er ist Egoist und verweigert zB einen Platztausch in den Reihen oder einen Angriff. Vielleicht wird er auch beleidigend und zieht seine Kameraden die ganze Zeit runter, was deren Stresslevel weiter erhöht. Allerdings kann es auch passieren, dass der Held einen Anflug von Heroismus hat, seinen und den Stress seiner Kameraden senkt und fortan stärker ist, vielleicht sogar die ganze Gruppe bufft. Diese Unvorhersehbarkeit macht Darkest Dungeon so fantastisch: man bekommt die Karten, die man bekommt und man macht das beste daraus. Erfolge schmecken so viel süßer, Niederlagen währen so viel länger – ohne jedoch Frust zu erzeugen.

 

– Besonderheiten: die Gebäude der Stadt und die Eigenschaften –

Während die Schmiede und die Gilde nur zum Leveln der Helden und deren Waffen dienen, so hat der Ort noch mehr Gebäude: eine Bar, eine Kirche, ein Sanatorium. Selbige Gebäude bieten unterschiedliche Aktivitäten: die Bar versorgt mit Alkohol, Glücksspiel und Prostituierten, die Kirche liefert Meditation, Beten und die Möglichkeit sich selbst zu peinigen. All diese Dinge reduzieren Stress, bergen aber auch ein Risiko: einen Charakter zu oft an die Bar geschickt? Schon ist er Alkoholiker. Ins Bordell? Tja, Geschlechtskrankheiten. In die Kirche? der Charakter verschwindet mal für eine Woche weil er auf Glaubenssuche geht.

Denn neben Skills, Waffen und Gear hat jeder Charakter noch etwas: Eigenschaften. Positive wie Negative die sich in Dungeons und der Stadt ergattern lassen. Ein Kleptomane steckt den Loot manchmal für sich selbst einfach ein, besitzt ein Charakter hingegen eine Faszination für Leichen, wird er im Dungeon an jeder Leiche anhalten und sie untersuchen – und sich womöglich sonstige Seuchen einfangen. Liest er im Dungeon ein ‚gutes‘ Buch, steigert das vielleicht einige seiner Werte: mehr HP, mehr Trefferchance oder gar die Eigenschaft, bei jedem verfehlten Angriff die Chance zu haben, doch zu treffen. Die Bandbreite ist riesig und so ist am Ende jeder Charakter noch einzigartiger.

Dann ist da noch das von mir erwähnte Sanatorium: in selbiges steckt man Charaktere, wenn man bestimmte Eigenschaften loswerden mag. So behandelt man Glücksspielsucht, Krankheiten und andere Dinge, die man an seinen Lieblingscharakteren nicht gerne sieht, jedoch gegen einen Aufpreis, was wiederum die Frage aufwirft: ist der Charakter die Mühe wert? Das Gold wert?

 

Besonderheiten: das Wichtigste –

Das wichtigste jedoch ist, dass man sich von bestimmten Konventionen trennen muss. Nicht jeder Charakter muss und soll überleben. Wer meint, er müsse das Spiel solange neu anfangen, bis er die ersten Dungeons jeden seiner Männer durchbringt, der tut sich selbst keinen Gefallen. Darkest Dungeon ist darauf ausgelegt, aus jeder Situation das Beste zu machen – auch wenn es nötige Opfer kostet.

 

– Besonderheiten: Leichen und Herzattacken –

Beide Spielelemente hatten ihren Weg erst im Verlauf der Early Access Phase ins Spiel gefunden. Konkret haben beide Elemente das Spielgeschehen jedoch zum besseren gewandt, trotz dass sie sehr umstritten sind. Erlegte Gegner lassen Leichen zurück, die Hindernisse darstellen. Das klingt nicht zwingend logisch und ist eine dem Gameplay geschuldete Maßnahme, die Kämpfer mit Reichweite sowie Skills in diese Richtung wieder gewichtig gemacht hat.

Ähnlich ist es mit den Herzattacken: erreicht ein Held das höchste Stresslevel, steigt sein Stresspegel nun weiter, anstatt einfach auf dem Maximum zu verharren. So steigt der Stress weiter und füllt den Balken ein zweites Mal, was eine Herzattacke auslöst. Die Folgen selbiger sind ziemlich groß, da sich der betreffende Held direkt mit 0 Lebenspunkten und im Überlebenskampf wiederfindet. Sollte sich der Stressbalken dann sogar nochmals füllen, erwartet den Charakter sogar der direkte Tod. Was so klingt, als würde es nur sehr selten geschehen, passiert jedoch durchaus leicht, wenn man nicht aufpasst. Der Spielbalance hat das jedoch geholfen, da nun Stress-Schützende Gegenstände eine Relevanz haben, was vorher nicht der Fall war, und man sich zudem zwei mal überlegt, ob man ein starkes Item anlegt, welches jedoch auch den Stress erhöht.

 


 

– Das Fazit –

Tolles Design, eine Fülle an Individualisierungsmöglichkeiten und Charakteren, fordernder Schwierigkeitsgrad und einzigartige Gameplayelemente wie der Stress machen Darkest Dungeon – trotz Early Access – zu einem absolut gelungenen Spielerlebnis. Meine Empfehlung: wer Rogue-likes und Dungeoncrawler mit einer Spur RPG mag, kommt an Darkest Dungeon nicht vorbei. Wer eher dazu neigt, Frust zu empfinden, wenn der Gegner einem Druck macht oder gar einen Helden tötet, lässt lieber die Finger davon.

 

– Warum 5 Sterne? –

Die 5 Sterne setzen sich einfach aus allem zusammen: eine zielstrebige, frische Idee die sich mit ausgezeichnet funktionierenden Gameplay-Elementen und einem tollen Art-style verbunden hat. Alles funktioniert wie es soll und für ein Early Access Spiel wirkt Darkest Dungeon zudem sehr ‚fertig‘ und schlichtweg von Anfang bis Ende durchdacht.

 

– Der Abschluss –

Darkest Dungeon hat, nach knapp einem Jahr, seine Early Access Zeit am 19.01.2016 hinter sich gelassen. In dieser Zeit kamen neue Dungeons, Items, Helden und auch Gameplay-Mechaniken zum Spiel hinzu. Der Fertigstellung des Spiels zum trotz wurde dazu außerdem noch eine kostenlose Erweiterung im Jahr 2016 angekündigt, welche u.a. eine neue Heldenklasse umfasst. Insgesamt hat sich also viel beim Spiel getan, auch wenn nicht jede Designentscheidung von den Fans wohlwollend aufgenommen wurde. Die Wertung von 5 Sternen bleibt also, für uns verdient, so stehen.

 


 

 


 

Niv

Über Niv

Seit über 25 Jahren Gamer, habe ich natürlich schon einiges gespielt und noch viel mehr gesehen. Entgegen aller Prognosen hänge ich noch immer an meinem Hobby und verbringe die Zeit nicht nur am PC, sondern auch an meinen Konsolen. Während ich, wie die meisten meines Alters, gerade auch mit den Klassikern von Nintendo aufgewachsen bin, sitze ich heute am liebsten vor Rogue-likes, RPGs oder Aufbaustrategie. 2015 habe ich, über die Early Access Welt hinaus, am liebsten Zeit mit Bloodborne verbracht.

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