Bounty Train SCREENSHOTS
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VN:F [1.9.22_1171]

Bounty Train

Eisenbahnromantik

 

Für wen ist Bounty Train eigentlich?

– Für Eisenbahnromantiker mit Freude an Handel sowie Schießereien in einem authentischen Szenario rund um den amerikanischen Sezessionskrieg.

Für wen ist Bounty Train eher nichts?

– Für Spieler, die weder mit dem Szenario noch mit Eisenbahnen etwas anfangen können.

Was möchte Bounty Train sein?

– Ein historisch angelehntes Abenteuer, dass durch die jungen Jahre der Vereinigten Staaten führt und mit einer kleinen Handlung sowie gelungenem Handel und Kampf zu überzeugen weiß.

Was ist Bounty Train geworden?

– Im Grunde genommen das, was es sein will, wobei hier lediglich noch eine gewisse Unberechenbarkeit fehlt.

 

Bounty Train bringt neben seinem stolzen Preis auch eine Menge Qualitäten mit sich: verschiedene Charaktere sowie Klassen mit leichten RPG-Elementen, unterschiedlichste Züge und Waggons, die den Spieler durch eine Menge Städte begleiten und natürlich ein ansprechendes Handelssystem, dass von einer angenehmen Rahmenhandlung begleitet wird. Was Bounty Train trotz all des Lobes noch fehlt, klären wir jetzt.

 

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– Die Präsentation –

Optisch ist Bounty Train allemal schön anzusehen, dabei insgesamt doch eher etwas altbacken. Die einzelnen Städte sind voller Details und unterscheiden sich zudem allesamt stark voneinander. Die Lokomotiven und Waggons sehen ebenfalls stimmig aus und geizen keineswegs mit liebevollen Details. Dennoch erkennt man recht schnell die Schwächen in der Grafik, besonders wenn man etwas näher ans Geschehen heranzoomt und die teils doch sehr ‚kantigen‘ Personen sieht oder die doch eher unspektakulären Dampf-Effekte der Lokomotiven. Dafür punktet Bounty Train mit viel Bewegung im Hintergrund und einer ordentlichen Vielfalt, auch wenn sich eher unwichtige NPCs sowie ‚Söldner‘ optisch schnell wiederholen. Besser davon kommt die Weltkarte, die absolut fantastisch aussieht und mit satten Farben sowie viel Bewegung aufwartet. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Bounty Train solide aussieht, dabei allerdings dennoch einen nicht ganz zeitgemäßen Eindruck hinterlässt.

Klanglich punktet Bounty Train etwas mehr, da sowohl die einzelnen Musikstücke als auch alle Umgebungsgeräusche einfach auf den Punkt sind. Die Musik versprüht einen tollen Charme, ist situationsbedingt Abwechslungsreich und wird nach etlichen Stunden auch nicht wirklich störend. Die einzelnen Klänge passen dazu immer zum Spielgeschehen und hören sich dabei qualitativ sehr überzeugend an: egal ob es nun das dampfende Rauschen der Lokomotive ist oder eine heftige Vollbremsung. Dazu kommen tolle Waffenklänge, die je nach Waffe unterschiedlich intensiv klingen und das Kampfgeschehen so stets passend untermalen.

Technisch läuft das Spiel einwandfrei und bis auf einige Fenster die sich nach Questerfüllung zu schnell selbst schließen (man kann teils nicht lesen, was da jetzt eigentlich gesagt wurde) sind mir in meinen Spieldurchgängen auch keinerlei Bugs über den Weg gelaufen.

 

– Das Gameplay –

Bounty Train wird von einer kleinen Rahmenhandlung getragen, die uns in die Rolle von Walter Reed drängt. Selbiger erfährt nämlich vom Tod seines Vaters und will zu Beginn eigentlich nur sein Erbe abholen. Denn: Walters Vater hatte den Mehrheitsanteil eines großen Eisenbahnunternehmens, welches eine bedeutsame Route aufbauen wollte. Dabei kommen dann recht interessante Details ans Licht, wie beispielsweise die Tatsache, dass Walters Vater die Route nicht durch Indianer-Gebiet legen wollte, was nun nach dessen Tod allerdings geschehen soll. So werden wir also in alles involviert und versuchen unsere vier Geschwister zu finden, die alle jeweils einen bestimmten Anteil der Firma haben, um so wieder die Mehrheit der Anteile zu bekommen und die geplante Änderung zu verwerfen.

Das Gameplay gliedert sich in mehrere Phasen: da ist zum einen jeder Aufenthalt in einer der größeren Städte, egal ob nun New York, Philadelphia oder Chicago. Hier handeln wir, nehmen Passagiere auf oder heuern neues Personal an und können zudem bei jeder Stadtverwaltung erfragen, ob es denn besondere Bedürfnisse gibt. Diese sind so etwas wie zusätzliche Quests, die uns besonders viel Geld einbringen können und auch wenn sie nicht besonders abwechslungsreich sind, so erfüllen sie doch ihren Zweck. Daneben haben wir die einzelnen Fahrten von Stadt zu Stadt, die oftmals durch Banditen oder Indianer gestört werden. Selbige wollen grundsätzlich einen Zoll von uns, damit wir unbehelligt weiterfahren dürfen und sollten wir uns weigern, diesen zu bezahlen, drohen Konflikte, die sich nur durch Kämpfe lösen lassen. In Echtzeit steuern wir so nicht nur den Zug (wir müssen auf die Geschwindigkeit in Kurven achten und haben auch eine kurzweilige Beschleunigungsmöglichkeit) sondern platzieren auch unser Personal, damit es unsere Gegenspieler unter Beschuss nehmen kann. Dabei lässt sich alles auch jederzeit pausieren und Kommandos lassen sich dann ohne Zeitdruck geben.

Das ist eine nette Option, insgesamt wird Bounty Train jedoch nie zu hektisch. Gerade dieses Kampfabschnitte tun dem Gameplay einen Gefallen: sie lockern das Spielgeschehen auf, bringen eine neue Komponente ins Spiel und sind auch eine gewisses Risiko. Leicht entflammbare Ladungen wie Alkohol oder Öl können sich nämlich im Eifer des Gefechts schnell als Problem herausstellen, wenn mal ein Zugabteil brennt oder die Ladung zu viel Beschuss abbekommt. Nicht selten explodiert so gerne mal ein ganzes Abteil und reißt dabei – Freund wie Feind – ins Verderben. Glücklicherweise gibt es eine Neustart-Funktion, die so unproblematisch einen schnellen Wiedereinstieg ins Spiel gewährleistet. Wer das nicht mag, hat mir einer Art Ironman-Modus auch die Option, dass alle Entscheidungen permanent sind.

Problematisch wird es nur, wenn kleine, zufällige Begegnungen auf der Karte stets in Kämpfen ausarten, die wenig zum Spielverlauf beisteuern. Dort wird Bounty Train dann oftmals mehr Frust als Freude. Verstärkt ist das im Sandbox-Modus spürbar, der ohne die nicht wirklich berauschende Hauptstory noch wesentlich blasser und damit belangloser wirkt. Hier hätten kreativere Nebeninhalte gut getan.

Zusätzlich dazu kommen dann noch leichte RPG-Elemente bei den einzelnen Charakteren. Jeder Charakter kann bestimmte Fähigkeiten haben und diese sowohl lernen als auch leveln. So beginnt unser guter Walter als Schütze mit zwei Revolvern, lernt aber durch beispielsweise Feuerlöschen oder Zugführung eben diese Eigenschaften und kann sie immer weiter ausbauen. Während eines Aufenthalts in einer Stadt legen wir dann fest, welche Rolle Walter denn einnimmt: zwar greifen seine Fähigkeiten als Schütze weiterhin, auch wenn wir ihn als Lokführer festlegen, doch die Spezialfähigkeit, die jeder Charakter hat, ist an die von uns bestimmte Rolle geknüpft. Anstatt also zusätzlichen Schaden zu verursachen, kann Walter nun unseren Zug kurzzeitig unverwundbar machen. Gerade im späteren Spielverlauf stellen wir uns so eine effektive Truppe zusammen, bei der jeder seine Rollen hat.

Daneben liefert Bounty Train noch eine Menge historische Belege und Ereignisse. Da alles zu Zeiten des Sezessionskrieges spielt, wechseln Staaten und Städte gelegentliche ihre Zugehörigkeit, Soldaten lauern auf den Strecken und generell kann man Zeitungen lesen und viel über diese Zeit erfahren. Dabei wird das Spiel jedoch nie zu aufdringlich, sondern liefert nur zusätzliche Details, die dem Setting dienlich sind. Ein Wermutstropfen dabei ist, dass das hübsche Setting durch noch nicht besuchbare Städte etwas gestört wird. Manche Orte sind zwar auf der Karte, jedoch aktuell nicht besuchbar.

Die Steuerung ist über weite Strecken absolut zufriedenstellend und funktioniert ausschließlich über die Maus. Problematisch ist manchmal nur die Positionierung der einzelnen Einheiten. So können Felder auf dem Zug ‚gesperrt‘ sein, weil sie beschädigt sind. Schickt man jemanden zur Reparatur dahin, werden so manchmal unnötigerweise Wege versperrt. Da muss man dann manuell aushelfen, damit jeder weiterhin seine Aufgabe erfüllen kann – was manchmal unnötig lästig ist. Abseits davon funktioniert die Steuerung jedoch tadellos.

 


 

– Die Besonderheiten –

Als Handelssimulation ist Bounty Train durchaus gelungen. Marktpreise sind stets gut einsehbar, clevere Planung von Routen ist möglich und im Zusammenspiel mit den Quests, die besondere Bedürfnisse der Städte darstellen, wird hier eine Menge Spielraum geboten. Die Warenvielfalt (Öl, Tabak, Wolle, Nahrung u.a.) ist dabei vollkommen ausreichend und auch die Personentransporte stellen eine sehr lukrative Einnahmequelle dar, da in jeder Stadt Leute am Bahnhof stehen und für Geld von A nach B wollen. Zusätzlich werden Städte oft durch historische Ereignisse beeinflusst: ein Brand oder eine Seuche machen dann einfach mal alle Handeslwaren wertlos in der betroffenen Gegend. Hier ist aktuell jedoch schade, dass es zu wenige dieser Events gibt und selbige auch zu eindimensional gestrickt sind. Sprich: eine betroffene Stadt bietet keine Waren an und hat auch kein Geld, um groß was abzukaufen. Abseits davon tut sich aber nichts.

Die Kämpfe in Bounty Train sind durch ihre Kurzweiligkeit ziemlich ansprechend und lockern das sonst eher Management-orientierte Gameplay auf. Zwar lässt sich im Normalfall auch jeder Bandit einfach bezahlen und Kämpfe sind nahezu vollständig vermeidbar, doch auch hier findet sich eine gute Einnahmequelle, da auf die meisten Banditen Kopfgelder ausgesetzt sind. Grundsätzlich hat man in den Kämpfen selbst nur zwei wirkliche Befehlsmöglichkeiten: man positioniert seine Einheiten und gibt ihnen, wenn man will, den Schießbefehl oder man aktiviert ihre Spezialfähigkeiten. Hier fehlt insgesamt noch etwas die Abwechslung, da man außer gezieltem Zerschießen von gegnerischer Deckung nicht allzu viele taktische Möglichkeiten hat. Auch die Option, Wegelagerer zu bestechen, ist bislang nur sehr rudimentär eingebaut: Banditen, Indianer oder Soldaten wollen einfach stets eine feste Summe haben, an der auch nichts verhandelt werden kann. An den mitgeführten Waren scheint prinzipiell niemand interessiert zu sein und die Tatsache, dass man Indianer und Banditen nach mehrmaligem Bezahlen besuchen und mit ihnen handeln kann, ist auch insgesamt eher simpel gestrickt.

Die Eisenbahn selbst spielt natürlich eine Hauptrolle, nicht nur als Fortbewegungsmittel. So lassen sich verschiedenste Waggons kaufen und verkaufen, gleiches gilt für die Lokomotiven. Hinzu kommen dann noch sehr spezielle Wägen, die stärker gepanzert sind und Gatling-Geschütze oder gar ganze Kanonen bei sich haben. Mit dem Zug alleine kommt man dann noch nicht weit, Routen müssen auch geplant und die nötigen Lizenzen gekauft werden und auch die mitführbare Kohle bestimmt, wie weit man überhaupt am Stück fahren kann. Hier greifen viele Mechaniken ziemlich gut ineinander und sorgen für einen guten, direkten sowie indirekten Spielfluss.

 


 

– Endgültiges Fazit –

Bounty Train ist ein Titel, der sein Potential nicht ganz ausgeschöpft hat: Charakterfähigkeiten gepaart mit gutem Handel und Eisenbahnromantik, dazu ein toller ‚Wild West‘-Charme (auch wenn es nicht im Wilden Westen spielt) mit tollen Loks sowie soliden Feuergefechten sprechen eindeutig für das Spiel. Dagegen steht eine gewisse Unberechenbarkeit des Spielverlaufs, die mit zunehmender Dauer durch monotone Events und lästige Zufallsgefechte die Freude etwas trübt.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in der Review auf die Sterne unter Eure Wertung klicken. Wahnsinn!

Meine Empfehlung: wer die Epoche mag, die kernigen Sounds von Lokomotiven sowie Revolvern liebt und auf eine Handelssimulation mit taktisch angehauchten Kämpfen Lust hat, kann hier das Geld in Bounty Train investieren. Wer dagegen mit der teils altbackenen Optik seine Probleme hat, am Handel schnell die Lust verliert und nicht über die Ecken und Kanten des Spiels hinwegsehen kann, ist vermutlich ohne den Wilden Westen besser dran. Am 16.05.2017 hat Bounty Train seine Early Access Zeit hinter sich gelassen und wurde im Zuge dessen von uns etwas herabgestuft – von 4 auf 3.5 Sterne. Was genau dahinter steckt verrät euch unserer dazugehöriger Artikel.

 


 

 


 

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