Besiege SCREENSHOTS
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Besiege

Über meine Grenzen hinaus

 

Für wen ist Besiege eigentlich?

– Für jene die, wenn sie einen Haufen LEGO-Steine vor sich liegen haben, nicht die Steine sehen, sondern die Möglichkeiten.

Für wen ist Besiege eher nichts?

– Für alle, die lieber mal an der Hand genommen werden und alles gezeigt bekommen.

Was möchte Besiege sein?

– Letztlich ein Werkzeugkasten aus welchem ich Belagerungswaffen bauen soll um bestimmte Missionsziele zu erfüllen.

Was ist Besiege geworden?

– Ein Quell kreativer Lösungswege.

 

Spiele wie Besiege fallen mir schwer. Ja, ich kann das zugeben. Es fällt mir schwer, ganz ohne Anleitung jedes Mal einen neuen Lösungsweg zu finden. Ich lege mich meistens (unterbewusst) auf einen Ansatz fest und versuche in der Regel eher, selbigen hundertmal durchzusetzen anstatt umzudenken. Doch obwohl Besiege und ich von Natur aus ‚Feinde‘ sein sollten, hat das Spielkonzept mich überzeugt. Warum erfahrt ihr jetzt.

 

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– Die Präsentation –

Besiege hat einen liebevollen Art-style: die Materialien sind alle ziemlich detailliert verziert, es lassen sich viele Details wie Kerben im Holz oder Kratzer und Dellen an Metallstücken finden. Hinzu kommt, dass die Materialien allesamt richtig stimmig aussehen – stimmig in dem Sinne, dass ich am liebsten mit meiner Handfläche über das Holz fahren und es erfühlen würde.

Das Spiel versprüht außerdem einen besonderen Charme: manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich ein spielbares Diorama vor mir, obwohl die Umgebung auf der einen Seite ziemlich kahl und kühl wirkt, als befände ich mich in einer Simulation. Doch der türkisfarbene Boden wird immer wieder durch kleine Highlights unterbrochen: hier ein paar hübsche Grasbüschel, da ein paar Häuser und Soldaten oder gar eine Burg.
Besiege 1

Besonders schön gefallen mir die Effekte bei Explosionen: das Meer aus Rauch, Feuer und herumfliegenden Teilen ist herrlich anzusehen, auch wenn sich dabei nicht immer alles physikalisch korrekt verhält. Glücklicherweise fällt dies nicht sehr oft auf, weshalb es einfach für mich war darüber hinwegzusehen. Der leichte Comic-Touch, der sich zudem im grafischen Stil verbirgt, erzeugt zusätzlich eine ganz wohlige Atmosphäre, fast so als sei das alles meine eigene, kleine Welt. Da verzeiht man auch gerne so manch hölzerne Animation, wie beispielsweise die der Soldaten. Diese laufen nämlich nicht sondern springen – wie Spielfiguren auf einem Schachbrett – auf mich zu.

Die Soundkulisse ist hingegen recht minimalistisch im negativen Sinne: eine ruhige, aber unauffällige Melodie säuselt im Hintergrund vor sich her und außer einigen rudimentären Klängen wie dem Blöken der Schafe, einem pfeifenden Wind oder dem Feuern von Kanonen geben die Klänge nicht viel her. Selbst Explosionen sind, so schön selbige im Vergleich dazu aussehen, eher schwach auf der Brust. Ein klangliches Spektakel ist hier also absolut nicht gegeben. Im Kontrast zur restlichen Präsentation wirken die Klänge überwiegend belanglos.

 

– Das Gameplay –

Neben dem Sandbox-Modus, der zum bloßen experimentieren da ist, ist das Kernstück des Spiels aktuell eine Art Kampagne. In selbiger werde ich von Mission zu Mission vor Probleme gestellt, die ich mit meinem Erfindergeist lösen soll. Ich habe nämlich genug Werkzeuge in meinem ‚Baukasten‘ um nahezu alles zu bauen, was ich will. Dabei ist alles jedoch sehr clever verpackt: die Gegenstände am unteren Rand meines HUD erschlagen mich nicht sondern wirken auf den ersten Blick eher sogar recht mickrig und allem voran kryptisch.

Mit vielem weiß ich erstmal nichts anzufangen wogegen die grundlegendsten Dinge sich mir sofort erschließen: die Holzbauteile sind meine Basis, mit Streben kann ich sie verstärken, mit Panzerung gegen feindliche Soldaten schützen, Zugfedern werde ich wohl sicher mal brauchen, wenn ich ein Katapult baue und mit Ballons und Flügeln werde ich sicher etwas fliegendes erschaffen können. Doch wozu ist so mancher Block mit einer ausfahrbaren Feder? Oder was sollten mir in dem Ganzen Zahnräder oder rotierende Blöcke bringen? Das verrät mir am Ende nur meine Fantasie, denn nach einem sehr simplen Basis-Tutorial entzieht sich das Spiel bereits jeder Verantwortung mir etwas beizubringen.

Besiege 2

Selbst ist der Mann, sage ich mir, und beginne zu bauen. Die ersten Missionen sind einfach: zerstöre ein Haus, zerstöre eine Mühle und ein Haus, töte alle Soldaten. Richtig gelesen: neben den konstruktiven Baumaterialien besitze ich auch ein Arsenal an destruktiven Geräten. Flammenwerfer, Kanonen, Bohrer und Messer sind dabei nur ein Teil der Auswahl. Also bringe ich zunächst ein paar Klingen an, drehe mich mit meinem Fahrzeug im Kreis und warte einfach nur darauf, dass die Narren von Soldaten in ihre Todesfalle hüpfen.

Bei solchen Gelegenheiten geizt das Spiel dann auch nicht mit (frei ein- und ausschaltbarem) Pixelblut, welches den Boden und meine Maschine vollkommen einfärbt – und den Sadisten, ganz tief in mir, befriedigt. Zu dieser Basis an Missionen gesellen sich dann noch gelegentliche Transportmissionen und fertig ist das Gameplay-Konzept. (Jedoch ist hier eine Warnung angebracht: aktuell gibt es nur 15 Missionen. Es werden weit mehr hinzukommen, das steht fest, wer jedoch aktuell eine Fülle an Kampagnen-Missionen erwartet, wird eher enttäuscht. Aktuell zieht Besiege seinen Reiz eher aus dem, was man selbst erschaffen kann.)

Das Spiel wird dabei jedoch immer fordernder und schon bald stoße ich (vorerst) an meine Grenzen. Während es anfangs vollkommen ausgereicht hat, ein Viereck auf Rädern mit einer Lenkung und höchstens ein paar Waffen zu bauen, sind die Ziele nun in so unerreichbaren Höhen oder erfordern spezielle Konstruktionen. Mir ist an der Stelle erstmals die Puste ausgegangen, mein übliches Schema hat nicht mehr gegriffen und es ist mir einfallslosem Kerl echt schwer gefallen, da über meine Grenzen hinaus zu denken. Doch irgendwann funktioniert es und das auf tolle Art: plötzlich habe ich mich gefragt, was eigentlich manche der Funktionen am oberen Rand können und während das meiste gar nichts mit der Konstruktion meiner Maschine zu tun hat – wie das Speichern und Laden von Maschinen oder das verändert der Spielgeschwindigkeit – so hat doch ein Menüpunkt genau dazu gehört.

Besiege 3

Über einen kleinen Schraubenschlüssel hat man die Möglichkeit, bestimmte Parameter seiner Bauteile einzustellen. So kann ich die Zugkraft meiner Federn erhöhen, die Geschwindigkeit bestimmter Gelenke oder auch die Tastenbelegung ändern. Letzteres klingt recht nutzlos, hat sich im Laufe meiner Spielzeit aber als sehr nützlich erwiesen: so konnte ich durch das Bauen von vier Rädern pro Achse und das neu belegen einiger Tasten gänzlich auf spezielle Gelenke zur Lenkung verzichten – für mich ein kleiner Meilenstein. Auch sieht man viele Teile so in neuem Licht: besagte Gelenke, die bei mir bis dahin nur für das Lenken meiner Fahrzeuge dienlich waren, finden nun plötzlich Verwendung für Roboterarme mit denen ich nun auch Gegenstände heben und auf höhere Ebenen transportieren kann – wenn es die Mission verlangt.

So wachse ich Stück für Stück über mich hinaus, was jedoch ein zweischneidiges Schwert ist: jemand anderes findet sich vielleicht eher in der Situation wieder, dass er die Lust verliert. Glücklicherweise gibt es dafür auch eine recht spannende Community, selbiger widme ich den nächsten Abschnitt.

 


 

– Besonderheiten: die Community –

Wer sein erstes Katapult baut und sich dabei ganz groß fühlt, kommt spätestens dann wieder auf den Boden zurück, wenn er sich ein paar YouTube-Videos zu Besiege anschaut. Die Kreativität der Community ist grenzenlos und von nachladbaren Ballisten hin zu Kampfrobotern lässt sich jeder Sinn und Unsinn finden. Dazu kommt noch, dass man seine Kreationen speichern und laden kann – aber auch mit anderen teilen. Schnell bin ich auf eine Seite gekommen, auf der man sich allerlei Konstruktionen herunterladen konnte.

Selbige lassen sich auch schnell einfügen und alles ist zudem gut erklärt: mehr als eine Datei in einen bestimmten Ordern schieben muss man nicht. Das hat mir zusätzlich noch einen Anreiz gegeben, weil man gerne nochmal ausprobiert, was man da gerade gesehen hat. Das geht teilweise sogar so weit, dass man bereits bewältigte Level mit einem anderen Ansatz nochmals versuchen mag. Für mich ist das Zweifelsohne ein Plus, welches ich dem Spiel mit zuschreibe.

 


 

– Der Support –

Das eigentümliche am Support ist in dem Falle, dass der Entwickler alles über das Forum seiner Homepage laufen lässt. Entgegen anderer Entwickler befindet sich im Steam Community-HUB nur das absolut notwendigste mitsamt einer Anleitung wie man zum Forum gelangt und dort posten kann. Bis auf das ist der Support aber absolut ausgezeichnet: Updates kommen in regelmäßigen Abständen und das Forum platzt nur so vor Hilfestellungen, Ideen und Möglichkeiten Feedback abzugeben. Da hat dann einmal mehr die Community einen guten Einfluss. Threads mit tausenden, stolz präsentierten Gerätschaften sind Zeugen dessen.

 

– Vorläufiges Fazit –

Besiege weiß was es sein will: ein clever verpacktes, charmantes Spiel dem (fast) nur die eigenen Grenzen gesetzt sind. Eine liebenswerte Aufmachung und ein ebenso gut durchdachtes wie umgesetztes Gameplay sprechen neben einer sehr aktiven Community klar für das Spiel. Lediglich der etwas magere Sound und eine Einstiegshürde können die Freude etwas dämpfen. Gerade wem es etwas schwerer fällt, bei der Funktionalität von so manchem Baustein über den Rand hinaus zu denken, könnte bei Besiege schnell die Lust verlieren. Allen anderen, die sich schon an den unendlichen Möglichkeiten von Minecraft und Co ergötzt haben und sich jetzt als Belagerungsmaschinen-Ingenieure versuchen wollen, kann ich das Spiel jedoch empfehlen.

Wusstest du schon, dass du das Spiel ebenfalls bewerten kannst? Dazu einfach oben in das Review auf die Sterne unter „Eure Wertung„ klicken. Wahnsinn!

Ich habe lange hin und her überlegt ob es nun die 4 oder 4.5 Sterne sein sollten. Die Gründe, warum ich mich nun doch so entscheiden musste: Besiege ist absolut durchdacht. Jeder Baustein hat mehrere Funktionen und es ist mehr als löblich was für eine Fülle an Dingen aus einem recht überschaubaren Sortiment entstehen kann. Das Spiel bietet so Vielschichtigkeit – ohne einen dabei zu erschlagen. Besiege hat zudem einen ganz klaren Fokus auf talentierte Tüftler gelegt, die gerne mal was erschaffen sowie zerstören, sich den Kopf zerbrechen und über sich hinauswachsen wollen. Weniger als 4.5 Sterne wäre von meiner Seite aus zu subjektiv gewesen, nur weil ich nicht ganz diese Art Spieler bin. So mussten es die 4.5 werden – und die hat Besiege ehrlich verdient.

 


 

 


 

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